Verein will syrische Flüchtlinge sicher nach Thüringen holen

Syrische Flüchtlingskinder spielen auf einer Schaukel.
Syrische Flüchtlingskinder spielen auf einer Schaukel.
Foto: Uygar Onder Simsek/dpa

Noch immer wird in Syrien gekämpft. Täglich sterben Menschen bei Gefechten, besonders viele Zivilisten kommen durch unkontrolliert abgeworfene Fassbomben des syrischen Regimes ums Leben. Doch es ist mittlerweile fast unmöglich, nach Deutschland zu flüchten. Selbst für Flüchtlinge, die schon in Deutschland sind, ist es beinahe unmöglich, ihre nahen Verwandten zeitnah nachzuholen. Dies will nun eine Gruppe Thüringer ändern. Sie haben sich zusammengeschlossen, um den Kriegsflüchtlingen aus Syrien zu helfen. Ihr Verein "Thüringer Flüchtlingspaten Syrien" holt Verwandte zweiten Grades von Flüchtlingen, die bereits mindestens ein Jahr in Deutschland sind, einen Flüchtlingsstatus besitzen und in Thüringen leben, in den Freistaat. So können Eltern, Geschwister und volljährige Töchter und Söhne in Sicherheit gebracht werden. Möglich macht dies das Thüringer Landesaufnahmeprogramm.

Noor (32) aus dem Kriegsgebiet nach Weimar holen

Der erst im Februar gegründete Verein will schon bald Noor aus der Nähe von Damaskus nach Weimar holen. Der Bruder der 32-Jährigen lebt seit 2014 in der Kulturstadt. Seine Schwester, eine Ingenieurin im Bereich Wasserbau und Umwelttechnik finde in Syrien derzeit keine Arbeit. Ein Leben in Deutschland, so der Verein, würde ihr nicht nur eine neue Zukunftsperspektive bieten, sondern auch vor akuter Gefahr im Kriegsgebiet retten. Ihr Bruder, ausgebildeter Musiker, absolviert in Weimar derzeit erneut ein Studium der klassischen Musik. Damit auch Noor auf legalem und sicherem Weg nach Deutschland ausreisen und hier studieren und arbeiten kann, möchten die beiden Geschwister das Landesaufnahmeprogramm nutzen.

Mithilfe des Vereins "Thüringer Flüchtlingspaten Syrien" wurde nicht nur bereits ein Unterstützer gefunden, der dafür bürgt, dass Noor in den nächsten fünf Jahren den Staat keinen Cent kosten wird, sondern auch Spender, die für den monatlichen Unterhalt der Syrerin von 800 Euro aufkommen. Nur die Krankenversicherung müssen die Bürgen nicht bezahlen. "Wir versuchen, die Kosten auf möglichst viele Schultern zu verteilen", sagt Franka Maubach vom Verein "Thüringer Flüchtlingspaten Syrien". "Ab fünf Euro monatlich kann man uns unterstützen", sagt Maubach weiter. Es sind aber auch einmalige Spenden möglich. Neben dem Lebensunterhalt sollen ebenfalls die Kosten für Sprachkurse getragen werden.

Mitstreiter und Unterstützer für Thüringer Flüchtlingspaten gesucht

Rund 15 Anfragen hat der Verein bereits von Syrern bekommen, die gerne ihre Verwandten nachholen wollen nach Thüringen. Allerdings muss jeder Antrag auch genau geprüft werden, bevor die Vereinsmitglieder entscheiden können, welche Person nachgeholt werden soll. "Das ist keine leichte Entscheidung", gibt Franka Maubach zu. Sie und ihre Mitstreiter überlegen sich gerade, welche Kriterien berücksichtigt werden sollen. Denn nicht alle Syrer sind gleich stark gefährdet vom Krieg. Frauen haben es meist schwerer auf der Flucht als Männer. "Es ist eine punktuelle Hilfe", sagt Maubach.

Etwas weiter ist das Vorbild in Berlin. Dort hat der im März 2015 gegründete Verein "Flüchtlingspaten Syrien" bereits rund 100 syrische Flüchtlinge nach Berlin geholt. Einen ähnlichen Verein gibt es auch schon in Hamburg. Im Unterschied zu den beiden Stadtstaaten müssen die Flüchtlingshelfer in Thüringen mit mehreren Ausländerbehörden zusammenarbeiten statt mit nur einer. "Das macht die Sache nicht immer einfach", sagt Franka Maubach. Deshalb sucht der Verein neben Spendern und Bürgen auch noch weitere Unterstützer in ganz Thüringen.

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Foto: dpa
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