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Thüringens Hopfen wird wieder aromatischer – Flavor-Sorten gefragt

Hopfenernte
Ein Traktor mit einem Reißgerät bei der Ernet von Aromahopfen. (Archivfoto) Foto: dpa

Sie haben Namen wie „Huell blanc“ oder „Mandarina Bavaria“ und stehen für besondere Geschmacksnuancen. Die Bauern in der Region Elbe-Saale setzen vermehrt auf sogenannten Flavor-Hopfen, der höhere Gewinnspannen verspricht.

Die Hopfenbauern in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt setzen wieder verstärkt auf aromatische Sorten. „Besonders die sogenannten Flavor-Hopfen sind derzeit durch die Craft-Beer-Bewegung sehr gefragt“, sagte der Vize-Chef des Hopfenpflanzerverbands Elbe-Saale, Jörg Kamprad, der Deutschen Presse-Agentur. Dabei geht es um Biere, die handwerklich in kleineren Mengen gebraut werden. So würden Sorten wie „Mandarina Bavaria“, „Huell-Melon“ oder die nach Eisminze schmeckende „Huell blanc“ seit etwa drei Jahren verstärkt angebaut, um die Nachfrage der Brauer nach ausgefallenen Geschmacksrichtungen zu befriedigen. Der Anteil solcher Flavor-Hopfen an der Anbaufläche insgesamt liege bisher aber nur im einstelligen Bereich.

Die neuen Sorten böten eine höhere Gewinnspanne bei etwa gleichem Arbeitsaufwand, erläuterte Kamprad. Deswegen sind sie für die Bauern besonders interessant. Nach wie vor ist im Hopfenanbau sehr viel Handarbeit nötig.

Aromahopfen schon in der DDR gefragt

Insgesamt gehe der Trend in der Region Elbe-Saale wieder zum Aromahopfen, sagte Kamprad. Der Flavor-Hopfen ist eine Unterart davon. War schon zu DDR-Zeiten vor allem Aromahopfen angebaut worden, hätten die verbliebenen Betriebe nach der Wiedervereinigung vor allem auf den ertragsstärkeren Bitterhopfen gesetzt. Derzeit habe der Aromahopfen wieder einen Anteil von 45 Prozent. Kamprad erwartet in den kommenden Jahren einen weiteren Anstieg auf mindestens 50 Prozent der Anbaufläche. Aromahopfen wird wegen der größeren Geschmacksvielfalt als hochwertiger angesehen als Bitterhopfen.

Entgegen dem bundesweiten Trend hat sich in der Region Elbe-Saale – sie ist nach der bayerischen Hallertau Deutschlands zweitgrößtes Hopfen-Anbaugebiet – die Zahl der Hopfenbauern zuletzt vergrößert. Ihre Zahl im Verband sei voriges Jahr um drei auf aktuell 31 gestiegen, erklärte Kamprad. Die Anbaufläche wuchs um etwa 50 auf 1450 Hektar. In der Hallertau hätten in dieser Zeit dagegen vor allem aus Altersgründen 16 Betriebe schließen müssen.

Bisher noch wenige wirklich selbstständige Brauereien

Speziell in Deutschland sieht Kamprad noch Potenzial für eine Absatzsteigerung. Das gelte vor allem für kleine Brauereien, die die Vorteile einer regionalen Hopfenproduktion erst langsam für sich entdeckten. „Generell gibt es nur noch wenige wirklich selbstständige Brauereien – und die fangen erst an zu erkennen, welchen guten Hopfen sie hier praktisch direkt vor der Nase haben. Wir hoffen, dass das noch zunimmt.“

Dieses Jahr rechnen die Hopfenbauer in der Region mit einer üppigen Ernte. „Was Qualität und Ertrag angeht, sieht es momentan ziemlich gut aus“, sagte Kamprad. Für den Verband Elbe-Saale sei ein Jahresziel von 55.000 Zentner durchaus realistisch.

Im Hopfenanbaugebiet Elbe-Saale sind Betriebe aus Thüringen (430 Hektar), Sachsen-Anhalt (mehr als 600 Hektar) und Sachsen (400 Hektar) zusammengeschlossen. In Thüringen gibt es elf Hopfenbauern. Im Gegensatz zu den Betrieben in der Hallertau, die im Schnitt etwa 15 Hektar bewirtschaften, sind die Unternehmen in der hiesigen Anbauregion mit einer Durchschnittsgröße von 45 Hektar deutlich größer. Die Ernte beginnt in der Regel Ende August und dauert bis Ende September. Bundesweit gibt es vier große Hopfenanbaugebiete. Neuzüchtungen kommen aus dem Forschungszentrum im bayerischen Hüll, das weltweit zu den wichtigsten Züchtungszentren für Hopfen zählt.