Ermittler im NSU-Ausschuss: Muster bei Banküberfällen

Beate Zschäpe (Archivfoto).
Beate Zschäpe (Archivfoto).
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Die Geschichte der NSU ist auch eine Geschichte von Kommunikationspannen zwischen deutschen Sicherheitsbehörden. Im Zusammenhang mit der Banküberfall-Serie der Terroristen haben Absprachen zwischen Thüringen und Sachsen aber wohl funktioniert.

Einzelne Beamte der Thüringer Polizei haben schon vor dem Auffliegen des NSU ein Muster hinter den Banküberfällen erkannt, die später den Rechtsterroristen zuschrieben wurden - weil sie dazu wichtige Hinweise von sächsischen Polizisten erhalten haben. Nachdem Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt im September 2011 in Arnstadt ein Geldinstitut überfallen hatten, habe er angesichts der verhältnismäßig geringen Beute von etwa 15 000 Euro mit einem weiteren Raub gerechnet, sagte ein Thüringer Kriminalpolizist am Donnerstag in Erfurt vor dem NSU-Untersuchungsausschuss. Auch habe er in dem Überfall von Arnstadt Parallelen zu Banküberfällen im Raum Chemnitz erkannt.

Ein Polizist der Kriminalpolizei Chemnitz sagte, seine Kollegen und er hätten die Thüringer Beamten zuvor auf eine Serie von Banküberfallen aufmerksam gemacht, die sie über Jahre hinweg beschäftigt habe. Dabei sei es um Straftaten im Raum Chemnitz sowie in Stralsund gegangen. Nach dem Banküberfall von Arnstadt seien sie deshalb „regelrecht elektrisiert“ gewesen, weil auch dieser Fall in das von ihnen herausgearbeitete Muster gepasst habe: professionell und rücksichtslos vorgehende Täter, die sich wahrscheinlich mit Fahrrädern vom Tatort entfernten, darunter ein Linkshänder. Über diese Erkenntnisse habe er die Thüringer Polizei informiert, sagte der Sachse.

Der Thüringer Kriminalist erklärte, auf Grundlage dieser Einschätzungen habe die Polizei bei ihrem Einsatz in Eisenach die Taktik dann angepasst. Unter anderem hatte die Polizei damals gezielt nach Tätern mit Fahrrädern gesucht und die Ringfahndung länger aufrechterhalten als bei Banküberfällen üblich.

NSU fliegt nach Banküberfall in Eisenach 2011 auf

Der Nationalsozialistische Untergrund war nach einem Banküberfall in Eisenach am 4. November 2011 aufgeflogen. Heute ist bekannt, dass die NSU-Terroristen mehrere Banken in Ostdeutschland überfallen hatten, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. Dabei waren sie bis zum Raub in Eisenach nicht gefasst worden.

Bislang war in der Öffentlichkeit vor allem der damalige Leiter der Polizei Gotha als der Mann erschienen, der hinter den NSU-Banküberfällen ein Muster erkannte und Mundlos und Böhnhardt dann aufspüren konnte. Das hatte zu zahlreichen Spekulationen darüber geführt hatte, auf welche Erkenntnisse er sich stützte.

Dem NSU werden unter anderem zehn Morde zur Last gelegt. Die Gruppe war aufgeflogen, nachdem nach einem Banküberfall am 4. November 2011 die Leichen der mutmaßlichen Rechtsterroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt in Eisenach gefunden worden waren. Beate Zschäpe ist die mutmaßlich einzige Überlebende des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ und steht als Hauptangeklagte in München im NSU-Prozess vor Gericht.