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Warum Qi Gong bei Migräne hilft

Mario Behfeld Arnstadt Qi Gong
"Mit Willenskraft kann man enorm viel erreichen": Mario Behfeld ist Kursleiter von Shaolin Qi Gong. Foto: Jana Scheiding

Shaolin Qi Gong ist eine Art der Lebenspflege, sagt Mario Behfeld aus Arnstadt. Wer ganzheitlich entspannen möchte, muss allerdings etwas Geduld mitbringen.

Anmutig sieht es aus, wie Mario Behfeld und zwei seiner Schüler mit den langen Stöcken hantieren. Jeder Schritt erfolgt gezielt und bedacht. Es scheint, als wären die Männer eine mentale Einheit. Wenig später ist Shaolin Kung Fu zu Ende. Während sich die beiden Jüngeren zurückziehen, geht Übungsleiter Behfeld in eine kurze Pause, denn sein nächster Kurs, Shaolin Qi Gong, steht in der Sporthalle des ehemaligen Neideckgymnasiums in Arnstadt unmittelbar bevor.

Mario Behfeld lächelt breit. Nein, er werde niemandem ein Interview geben, der nicht wenigstens ein paar Übungen mitgemacht habe, um Qi Gong zu spüren. Ein Gefühl dafür zu entwickeln. Also hinein in die leichten Klamotten und zu den Anderen aufs Parkett. Im Kurs gibt es keinen Dresscode. Hauptsache, die Kleidung sitzt locker und macht jede Bewegung mit.

Bei den ersten Dehnungsübungen knackt es noch ein wenig im körpereigenen Gebälk, die Schreibtischarbeit macht sich schmerzhaft bemerkbar. Doch irgendwann ergreift eine Leichtigkeit den Körper, Versteifungen lösen sich. Infolge des Sehnen- und Muskeltrainings sind plötzlich wieder Bewegungen möglich, die vorher nur eingeschränkt abliefen. Und noch ein positiver Effekt stellt sich ein: Der Kopf schaltet ab. Ist ganz auf die diskrete Hintergrundmusik und Behfelds ruhige Anweisungen konzentriert.

Qi Gong wirkt in fünf Ebenen

Im Lauf der Übungen wird keine Schweißperle fließen. Dennoch ist der Körper am Ende durchgewärmt. „Der Energiefluss funktioniert“, stellt Mario Behfeld fest und ergänzt: „Qi Gong ist ein Bestandteil der Traditionellen Chinesischen Medizin und kann bei vielen stressbedingten Krankheiten helfen – zum Beispiel Migräne.“

Qi Gong sei eine 5000 Jahre alte taoistische Bewegungslehre, schiebt er nach. Shaolin hingegen suche sich die effektivsten Bewegungsformen und kultiviere sie für sich. „Zwischen dem Rezitieren von Sutren und ihrer Arbeit halten sich die Mönche in den asiatischen Klöstern damit fit“, hat der 53-Jährige recherchiert und erklärt sogleich einige Fachtermini: „Wir praktizieren hauptsächlich vier Formen – Ba Duan Jin (für die Organe), Yi Jing Jin (für Muskeln, Sehnen und Bänder), Chan Yuan Gong (für die Gelenke) und Xi Sui Jin (für das Knochenmark).“

Qi Gong wirkt in fünf Ebenen: Haut, Bindegewebe, Muskeln und Sehnen, Gelenken und Knochenmark. Je tiefer der meditative Umgang mit den Übungen, umso tiefer die erreichbare Ebene. „Nach fünf Jahren intensiven Übens ist man auf der Ebene der Zellerneuerung – der Knochenmarkwäsche – angelangt. Viel spielt sich auch über gedankliche Arbeit ab. Mit Willenskraft kann man enorm viel erreichen.“

„Jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt“

Pure Willenskraft war es vor acht Jahren auch, die Mario Behfeld im „Shaolintemple Europe“ das einwöchige Training für Kloster-auf-Zeit-Gäste durchhalten ließ. Er hatte einen Zeitungsartikel über den ersten deutschen Novizen gelesen und – weil 95 Prozent der Bewerber am ersten Tag wieder abreisten – ein Anmeldeformular ausgefüllt. „Im Kloster auf Zeit wurde mir schnell klar, weshalb so viele aufgegeben haben: Ich hatte Muskelkater bis in die Ohrläppchen.“

Vor solchen Begleiterscheinungen müssen sich Teilnehmer der Qi-Gong-Kurse aber nicht fürchten. Dort beteiligt sich jeder so weit an den Übungen, wie es die eigenen Kräfte zulassen. Es ist möglich, jederzeit einsteigen. Zauderern mag Mario Behfelds Lebensphilosophie die Entscheidung ein wenig erleichtern: „Jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt.“

Mehr Infos: www.shaolinqigong-arnstadt.de