AfD hat Zulauf und demonstriert wieder in Erfurt

Foto: Jan-Henrik Wiebe

Sie laufen wieder. Nach Wahlergebnissen von bis zu 24,3 Prozent in Sachsen-Anhalt und zuletzt 14,3 Prozent in Berlin ziehen die AfD-Anhänger wieder durch Erfurt und rufen „Wir sind das Volk“. Zu einer Großdemonstration rief die rechtspopulistische AfD für Mittwoch, 21. September, in der Landeshauptstadt auf. Dem Aufruf folgen laut Polizei rund 1500 Menschen.

Eine Stunde bevor sich 18 Uhr die AfD trifft, kommt das Bündnis „läuft nicht“ auf der Südseite des Erfurter Hauptbahnhofs zusammen. Mit Musik und kurzen Redebeiträgen ziehen sie, ebenso wie die AfD, zum Thüringer Landtag. Laut der Polizei sind auf Seite der Gegendemonstration rund 350 Menschen.

Zwischen AfD-Anhängern mischen sich zwielichtige Gestalten

Zur AfD-Versammlung kommen viele Bürger, nicht nur aus Thüringen. Es sind jedoch nicht nur besorgte Bürger, die sich auf dem Bahnhofsvorplatz mit den AfD-Anhängern treffen, sondern auch Personen, die vom Verfassungsschutz beobachtet werden. Darunter etwa Fabian Rimbach, ein Rechtsextremer, dessen Verein erst im jüngsten Verfassungsschutz genannt wurde. Rimbach ist Betreiber der Bahnhofsgaststätte in Marlishausen und Vorsitzender der Bundesgruppe der „Schlesischen Jugend“.

Bilder aus beiden Protest-Lagern

Neben dem Banner, das von AfD-Spitzenpolitikern an der Spitze der Demonstration getragen wird, gibt es in der Mitte ein weiteres Spruchband. Darauf geschrieben ist nur eine Internetseite: einprozent.de. Dahinter steckt eine rechte Graswurzelbewegung, unter anderem vom Verleger Götz Kubitschek und dem Chefredakteur des Compact Magazins, Jürgen Elsässer. Viele der Aktivisten, die sich bei „Ein Prozent“ engagieren, sind auch bei der vom Verfassungsschutz beobachteten Gruppe „Identitäre Bewegung“ aktiv. Auf der Webseite von „Ein Prozent“ wird mehrfach auf die Identitären verlinkt.

Neonazis bedrohen Jorunalisten

Auf dem Weg der AfD-Demonstration zum Thüringer Landtag geht eine Gruppe Neonazis auf zwei Journalisten zu, darunter auch ein Reporter von Thüringen24. Sie bedrohen einen Fotografen verbal und drohen dem Mitarbeiter einer großen Thüringer Zeitung Gewalt an, falls er nicht ein Foto lösche.

Vor dem Thüringer Landtag hat die AfD ihre Bühne aufgebaut. Der Platz ist gut gefüllt. Immer wieder rufen die Anhänger „Höcke, Höcke“. Doch bis der Star des Abends die Bühne betritt, müssen sie sich noch gedulden. Erst gibt es Grußworte von Pegida-Frontmann Siegfried Däbritz aus Dresden. Außerdem sprechen Enrico Komning, Mitglied im AfD-Landesvorstand in Mecklenburg-Vorpommern, Andreas Kalbitz, stellvertretender Vorsitzer der AfD in Brandenburg, sowie André Poggenburg, Vorsitzender der AfD-Landtagsfraktion Sachsen-Anhalt. Poggenburg stimmt die Zuhörer auf Höcke ein und sagt: „Ihr seid die Bewahrer unserer deutschen Identität. Merkel hat mit ihrer Grenzöffnung dem Terror Tür und Tor geöffnet."

Demonstration hat wieder Zulauf

Unter großem Beifall betritt Höcke das Podium, lässt sich dieses Mal nur kurz feiern. „Ich habe mich wie ein Kind auf diese Demo gefreut“, sagt der rechte Politiker mit einem großen Grinsen. Etwa eine halbe Stunde redet der AfD-Politiker zu seinen Anhängern. Hauptthema: Merkel und die Flüchtlinge.

Die Demonstration hat gezeigt, dass die AfD auch auf der Straße wieder an Zulauf gewinnt. Statt der erwarteten 1000 sind 1500 Anhänger gekommen. Nach nur rund 750 Teilnehmern bei der letzten Demonstration können sie nun wieder einen Erfolg verbuchen. Die Frage bleibt, ob sie es wieder schaffen, solche Zahlen wie im vergangenen Herbst zu mobilisieren, als mehrere Tausend Anhänger durch Erfurts Straßen zogen.