Arbeitsexperte: Chancen für Frauen durch Strukturwandel

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Vollzeitjob, Überstunden und kaum Zeit für Familie und Hobby. Immer weniger junge Frauen wollen das, sagen Arbeitsmarktexperten. Neue Beschäftigungsmodelle seien gefragt.

In Thüringen wollen nach Angaben von Arbeitsmarktexperten immer mehr Frauen länger arbeiten - allerdings nicht in Vollzeit. „Die Zeiten, in denen eine Frau einzig und allein vor der Wahl stand, entweder Karriere oder Familie mit Kindern, die sind vorbei“, sagte der Chef der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit, Kay Senius. Stattdessen wollen laut einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) bis zu 50 Prozent der Frauen in Deutschland innerhalb von Teilzeit länger arbeiten und die Arbeitszeit dabei auch selbst bestimmen können.

Senius appellierte an die Arbeitgeber, noch mehr als bisher Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Frauen Beruf, Karriere und Familie in Einklang bringen können. „Weil wir gut ausgebildete Frauen im Land halten wollen und müssen“, sagte Senius mit Blick auf die zunehmende Überalterung der Bevölkerung im Freistaat.

Ungenutztes Potenzial an Arbeitskraft

In Thüringen waren laut den aktuell vorliegenden Zahlen zuletzt rund 787.300 Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt, darunter 385.900 Frauen in Vollzeit und 166.800 in Teilzeit. Senius appellierte auch vor dem Hintergrund des demografischen Wandels an die Arbeitgeber, mehr als bisher Frauen auch in Führungsetagen Karrierechancen mit flexiblen Arbeitszeitmodellen zu ermöglichen. „Wir haben in Thüringen noch ein Potenzial an Arbeitskraft, das bisher nicht genutzt wurde, weil die Voraussetzungen fehlten, Beruf und Familie für Frauen unter einen Hut zu bringen“, sagte er.

Im September waren in Thüringen rund 71.200 Menschen arbeitslos, darunter rund 33.200 Frauen und 38.000 Männer. Die Arbeitslosigkeit von Frauen habe sich im Laufe der Jahre auch angesichts von Teilzeit deutlich verringert, sagte der Chef der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen. „1997 hatten wir die höchste Frauenarbeitslosigkeit mit einer Quote von 21,5 Prozent in Thüringen“, erklärte er.

Zum Vergleich: Im September lag die Arbeitslosenquote von Frauen bei 6,2 Prozent. Hohe Teilzeitquoten gebe es zum Beispiel in Pflegeberufen, in der Verwaltung, im Verkauf und in der Gastronomie. Hingegen gebe es wenige flexible Arbeitszeitmodelle und Teilzeit für Frauen im Maschinenbau und Metallberufen.