Jugendprojekt: Sömmerda bildet Fairplay-Botschafter aus

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Ein spannendes Projekt in Sömmerda verleiht Jugendlichen eine Stimme, die schon einige Hindernisse und Schwierigkeiten zu überwinden hatten.

Jugendliche, die es wegen ihres Lebensweges schwerer haben, als andere in ihrem Alter bekommen derzeit eine Unterstützung der besonderen Art: Mit einem Projekt der Deutschen Soccer Liga, von dem etwas Greifbares bleiben soll. Die 16- bis 21-jährigen Teilnehmenden bereiten sich derzeit in der Nestor Bildungsinstitut GmbH (Niederlassung Sömmerda) auf eine Berufsausbildung vor, werden fit gemacht, trotz teils schwieriger Umstände in der eigenen Biografie.

"Selbstwirksamkeit" der Jugendlichen stärken

Katharina Wenk, Pädagogin und Mitarbeiterin der Deutschen Soccer Liga, erklärt: „Die jungen Menschen haben einen besonderen Unterstützungsbedarf, der sich aus ihrem bisherigen Lebensweg erklärt. Bisher war ihnen zumeist der Zugang zu Bildungschancen verstellt oder erschwert“, sagt die junge Frau, die gemeinsam mit ihrem Kollegen Marcus Frey die Seminarinhalte erstellt hat. „Die Jugendlichen haben Lebenserfahrung und eindrückliche persönliche Geschichten. Nicht immer sind das Erfahrungen, die unterstützend wirken, wenn es zum Beispiel darum geht, Mut zu fassen, sich zu motivieren, zu vertrauen und an sich und seine Stärken zu glauben.“ Und genau das soll sich ändern, um ihre Chancen auf ein erfolgreiches Berufsleben zu erhöhen. Ziel ist es dabei, den jungen Menschen, denen Lernen schwerer fällt als dem Durchschnitt ihrer Altersgenossen, die richtigen Werkzeuge an die Hand zu geben. Welche, die ihnen zeigen, dass sie etwas bewirken können. „Das Stichwort dabei heißt Selbstwirksamkeit“, erklärt Wenk.

Vorurteile und diskriminierendes Verhalten hinterfragen

Hier geht es nicht um die sture Vermittlung von Inhalten in klassischer Schulmanier. „Wir wollen, dass die jungen Leute sich etwas Konkretes erarbeiten, dass sie sich dessen bewusst werden und es als ihr Werk betrachten. Und sei es, wie in diesem Fall, der Weg zu einer eigenen Meinung, die sie aus Erlebnissen im Seminar gewinnen.“ Hierbei spielt das Hinterfragen von Vorurteilen und diskriminierendem Verhalten gegenüber Menschen und Menschengruppen eine entscheidende Rolle und ist Bestandteil des Projektes.

Die Jugendlichen sollen sich eigene Standpunkte bilden, Vorstellungen von Gerechtigkeit durch eigenes Erleben entwickeln, interaktiv Schritt für Schritt voran kommen. „Der Fachbegriff dafür heißt Empowerment, die Jugendlichen sollen erfahren, zu was sie fähig sind“, erklärt die Pädagogin. Dazu gehörten zudem körperliche Aktivitäten, wie der Ausflug in eine Kletterhalle. „In diesem Projekt werden sie zudem begreifen, dass auch das Treffen einer 'richtigen Entscheidungen' bereits politisches Handeln ist, was fair und was unfair ist, gerecht und ungerecht.“

Austausch über Wertevorstellungen und Meinungsbildung

Das Projekt bildet die Jugendlichen zu so genannten Fairplay-Botschafter*innen aus. Dass Fairplay nicht nur einen Bezug zum Sport hat, sondern ein Wert an sich ist, wird klar, wenn Gespräche darüber entstehen, was den Jugendlichen in allen ihren Lebensbereichen wichtig ist, z.B. Respekt, Ehrlichkeit und Gleichberechtigung.

Die angehenden Auszubildenden entwickeln persönliche Botschaften, und halten damit für sich fest was ihnen wichtig ist. Diese werden mit Hilfe der Projektleiter*innen in eine kreative Form gebracht, sodass die Botschaften sowohl für die Jugendlichen als auch für andere greifbar und sichtbar werden – ein Produkt ihres Verständnisses von Fairplay und Gerechtigkeit. Nicht für alle von ihnen ist das etwas Selbstverständliches. „Sie werden lernen, klare Positionen zu beziehen und dabei erleben, dass ihre Meinung wichtig ist und auch sie aus eigener Kraft etwas gestalten und verändern können.“

Das Projekt „Fairplaybotschafter*in – vereint gegen Rechtsextremismus und Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ wird von der F.C. Flick-Stiftung finanziert.

Hintergrund: F.C. Flick-Stiftung

Aufgabe der Friedrich Christian Flick Stiftung gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Intoleranz ist die Förderung der internationalen Gesinnung, der Toleranz auf allen Gebieten der Kultur und des Völkerverständigungsgedankens, um so dem Rechtsextremismus und der Gewalt von Jugendlichen entgegenzuwirken. Die F.C. Flick-Stiftung setzt auf Präventionsarbeit. Projekte und Maßnahmen gegen Rechtsextremismus und Diskriminierung stehen dabei im Vordergrund.