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Ramelow verleiht zwei Verdienstorden für unbezahlbares Engagement

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Jutta Hoschek und Martin Pollok erhalten für ihre außerordentlichen Leistungen für den Freistaat von Ministerpräsident Bodo Ramelow den Thüringer Verdienstorden. Foto: Anna Jank

Gleich zwei Mal verlieh Ministerpräsident Bodo Ramelow am Montag die höchste Auszeichnung des Freistaates: Den Thüringer Verdienstorden. Die beiden Erfurter Jutta Hoschek und Martin Pollok wurden wegen ihres außerordentlichen Engagements ausgezeichnet.

„Alles Gute auf der Welt geschieht nur, wenn einer mehr tut, als er tun muss“, zitiert Bodo Ramelow den Gründer der SOS-Kinderdörfer Hermann Gmeiner. Und weil zwei Erfurter so viel „Bleibendes und Wirkendes“ für den Freistaat geleistet haben, würdigt Thüringen dieses außerordentliche Engagement mit dem Thüringer Verdienstorden.

Jutta Hoschek – Mahnerin gegen Faschismus und Intoleranz

Als „Mahnerin gegen Intoleranz, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus“ betitelt Ramelow Jutta Hoschek. Seit über 20 Jahren engagiert sich die Historikerin für die Erforschung der jüdischen Geschichte aus Erfurt und leistet damit eine Aufklärungsarbeit sondergleichen. Im Netzwerk „Jüdisches Leben Erfurt“ recherchiert sie mühsam, die nur noch spärlich vorhanden, Biographien der jüdischen Gemeinde zu NS-Zeiten. In dem Gedenkbuch „Ausgelöschtes Leben, Juden in Erfurt 1933-1945“ erschließt sie ein Bild von über 450 verfolgten jüdischen Erfurtern, die nachweislich gewaltvoll zu Tode kamen.

„Ich war in der achten Klasse, als ich das erste Mal die SS-Kaserne auf dem Ettersberg besuchte“, erzählt Jutta Hoschek. Die grausame Geschichte inmitten des idyllisch anmutenden Thüringer Beckens schockierte sie. Seither steht auf ihrer Flagge: „Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg“. Mit dem Arbeitskreis „Erfurter GeDenken“ initiierte sie die Ausstellung von neun“ DenkNadeln“, die an deportierte und ermordete jüdische Mitbürger erinnern. Doch erhebt Jutta Hoschek nicht nur den mahnenden Zeigefinger, sie will auch „jedem Mut machen, der Fremdenfeindlichkeit und Faschismus entgegen tritt“.

Martin Pollok – Vorreiter für freiheitliche Willensbildung im Journalismus

Den zweiten Thüringer Verdienstorden erhält Martin Pollok, der sich an diesem Tag ausnahmsweise an der anderen Seite des Rednerpults wiederfindet. Er arbeitet seit über 25 Jahren als Journalist und engagiert sich daneben als ehrenamtlicher Landessprecher des Demokratischen Aufbruchs. Als „Vorreiter der Ausgestaltung freiheitlicher Willensbildung“ bezeichnet ihn der ehemalige Funkhausdirektor des MDR Thüringen Werner Diestel.

Nach der friedlichen Revolution half Pollak den Deutschen Fernsehfunk mit aufzubauen. Mit dem Verdienstorden wird zum einen seine „adäquate Fernsehberichtserstattung aus dem Parlament“ ausgezeichnet, wie der Ministerpräsident hervorhebt, zum anderen sein Engagement im Katholikenrat und der Landespressekonferenz. Als Journalist ist Martin Pollok überzeugt: „Man muss den Finger in Wunden stecken, aber dabei nötige Distanz und Respekt wahren. Dem Unwort Lügenpresse kann ein Journalist nur mit gut recherchierter und neutraler Arbeit entgegenwirken“.

Unbezahlte Arbeit – unbezahlbar

„Jeder dritte Bürger ist in Thüringen ehrenamtlich tätig und leistet Bleibendes für unser Land“, betont Ministerpräsident Bodo Ramelow. „Diese Arbeit ist unbezahlt und zugleich unbezahlbar“. Seit 16 Jahren erhalten Bürger des Freistaats für hervorragende Verdienste für das Land und die Bevölkerung den Verdienstorden. Das Malteserkreuz ist die höchste Verdienstauszeichnung, die der Freistaat Thüringen vergibt.