Eine Thüringer Stripperin packt aus: So ist der Job wirklich

Foto: Axel Heyder

Keinen Winkel, den Lucienne nicht kennt in Thüringen. „Hinter jedem Dorf gibt es immer noch ein Kleineres.“ Oft war die junge Frau in verlassenen Gegenden unterwegs. Auf Waldwegen, einsamen Straßen, in kleinen Hütten. Auf dem Weg zu einem Junggesellen-Abschied, zu einer Geburtstagsfeier. Um sich auszuziehen. Als Job. Fünf Jahre hat sie gut davon gelebt – und vor allem viel Positives erfahren. „Ich wurde zum Highlight des Abends, das gibt einem immer ein gutes Gefühl.“

Aber Strippen ist anders, als viele denken. Und gehört nach Ansicht der jungen Frau nicht in diese Schmuddelecke, in die es geschoben wird. „Ich weiß gar nicht, warum die Leute immer so ein Problem mit Nacktheit haben?“ Ich wurde dazu erzogen, zu meinem Körper zu stehen. Mich für nichts davon zu schämen, auch wenn nicht alles perfekt ist.“ Etwas, das sie anderen Frauen gern mit auf den Weg geben würde.

Mit 18 Jahren fing Lucienne an zu strippen

So wirklich erotisch findet sie Strippen eigentlich nicht. „Meine Show hat Elemente von Comedy. Es ist Unterhaltung und am Ende bin ich nackt. Ja und?“ Bei jedem Saunabesuch würde man mehr zu sehen bekommen, als bei ihrer Show. Sie habe ihr Tricks, es gibt eine Choreografie und ein „Opfer“, das Geburtstagskind, der angehende Bräutigam, der Firmenchef oder einer, der sonst immer die große Klappe hat.

Mit 18 kam sie als Go-Go-Tänzerin zum Strippen, zuvor hat sie bereits gemodelt. Zwei, drei mal zuschauen habe ihr gereicht, um sich das anzueignen. „Ich komme aus der Akrobatik, kann mich also bewegen und der Einstieg fiel mir leicht.“ Wenn sie ihre Hüllen fallen lässt, ist sie in einer Rolle unterwegs. „Das bin nicht ich. Nicht wie im privaten Leben, ich schlüpfe in eine andere Person.“ Und bei den Äußerlichkeiten dürfen die Auftraggeber gern mitreden: Krankenschwester, Polizistin, Schülerin, Lehrerin oder Domina stehen zur Auswahl.

Gruseliger Abend im Wald

Nichts zu sagen haben die Jungs dann allerdings während der Show. „Hier ist es wichtig, dass ich die Kontrolle behalte. Sonst geht's nicht. Vor allem dann, wenn jemand über die Stränge schlagen will.“ Sie habe nichts gegen Körperkontakt: „Es geht nicht ohne und gehört wohl dazu“, sagt die 28-Jährige, die nur noch gelegentliche Aufträge annimmt. „Aber wenn, dann nur nach meinen Regeln.“ Gegen unkontrolliertes Grapschen, weiß sie sich zu wehren. „Meist ist aber immer einer in der Gruppe dabei, der die Kontrolle behält, bei dem ein gewisser Beschützer-Instinkt noch funktioniert.“

Einmal habe sie sich gegruselt. Sie war mit dem Auto unterwegs, das sie noch nicht lange hatte. Und dann, Sprit alle, mitten im Wald. In einer Waldhütte warteten ein paar Jungs auf ihre Show, ein Junggesellen-Abschied. „Das hätte schief gehen können, aber die Jungs waren zum Glück richtig cool. Am Ende haben sie sogar aus dem Notstromaggregat Benzin abgezapft, damit ich wieder weggekommen bin.“

Sex als Stripperin? Nur selten

Insgesamt überwiegen gute Erfahrungen, geben ihr sogar ein gewisses Selbstbewusstsein, was nicht heißt, dass es nicht auch eine Kehrseite gibt: unangenehme E-Mails, Kommentare auf ihrer Facebook-Seite und in selten Fällen sogar Gestöhne am Telefon. Anrufe mitten in der Nacht. „Inzwischen weiß ich, wenn einer zwei Sekunden noch nichts gesagt hat, lege ich einfach wieder auf und geh nicht mehr ran.“ Auch die immer gleichen Fragen sind anstrengend: Warum, wieso, weshalb und machst Du auch mehr? Sind die Brüste echt? Sie könnte vorbereitete Antwortkarten verteilen.

Stripperinnen werden bewundert. „Wer allerdings glaubt, dass ich in dieser Zeit besonders viel Sex hatte, täuscht sich. In dieser Rolle will ich niemanden privat kennenlernen. Und dann hat man das Problem, dass man ja immer am Wochenende unterwegs ist. Da bleiben Freundschaften auf der Strecke. Und wenn ich mal jemanden kennengelernt und erzählt habe, was ich mache, war das nicht gerade beziehungsförderlich.“

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Foto: imago/alimdi
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