Einmal rocken bitte: Diese Jungs sind keine Träumer mehr

Heavy Metal, Indierock, Drum’n’Bass, HipHop sind die Einflüsse von EmaRocken. Hier die Band 2014 live in Saalfeld.
Heavy Metal, Indierock, Drum’n’Bass, HipHop sind die Einflüsse von EmaRocken. Hier die Band 2014 live in Saalfeld.
Foto: EmaRocken

Im Frühjahr 2017 erscheint das neue Album „Licht & Schatten“ der Deutschrockband EmaRocken aus Wölfis. In ihrem Proberaum erzählen die Musiker unserem #onstage-Autor Tobias Marx, wie die Band aus einer abendlichen Idee geboren wurde und schnell die Bühnen der Nachwuchswettbewerbe eroberte.

Elektrisch, derb verzerrt und laut oder akustisch anschmiegsam und wohlklingend - mit deutschen Texten: So beschreibt die Band ihre Musik auf ihrer Website. EmaRocken, das sind Klipper (Gesang), Luke Barnes, Magg und Nick (Gitarren), Henne (Bass) und Buggy (Schlagzeug), Henne und Nick singen auch zweite Stimmen.

Vor sechs Jahren formte sich aus einem ideenreichen Abend mit Bier und Jammen innerhalb von drei Monaten eine fünfköpfige Band. Als Klipper eines Tages krank war und nicht singen konnte, half Nick bei einem Gig aus, ein anderes Mal ersetzte er Henne am Bass und so wuchs er in die Band hinein, die nun aus sechs Musikern besteht, von denen drei Gitarre spielen. Die Band ist lokal im Raum Gotha verankert, was auch im Bandnamen durchscheint: EmaRocken bedeutet „einmal rocken“. Die Geschichte der Band ist im Song „Emarocken“ verarbeitet, der auf Youtube zu finden ist.

Zwischen Freiheit und Freestyle

EmaRocken proben einmal pro Woche in einer Scheune, die sie selbst zu einem stattlichen Proberaum ausgebaut haben. Die Einflüsse der Musiker sind unterschiedlich: Heavy Metal, Indierock, Drum’n’Bass, HipHop. Klipper hat zwar zu seinen Texten meist schon fertige Songs im Ohr, die aber im Proberaum gemeinsam entwickelt werden. Manchmal improvisiert er auch auf musikalische Grundgerüste, wenn die Instrumentalisten eine funktionierende gemeinsame Basis gefunden haben. Als ehemaliger HipHop-Freestyler fällt ihm das leicht, er spielt gern mit dem Klang und den Rhythmen der Sprache.

Klipper hat ein gutes Ohr und gibt Bescheid, wenn Frequenzen dominieren oder Rhythmen wechseln sollten. Die Gitarristen achten jedenfalls darauf, sich nicht gegenseitig zu doppeln. Jeder Gitarrist bringt seinen eigenen Stil mit ein und die Rolle der Leadgitarre wechselt. Jene Songs, die auf Texten von Nick basieren, klingen anders, man erkennt den Stil an den Lyrics und an den Gesangslinien, sagen die Instrumentalisten der Band. Nick selbst sagt: „Bei mir geht es viel um Freiheit, das eigene Leben in die Hand nehmen.“ Die Songs entwickeln sich über eine ganze Weile im Proberaum weiter, bevor sie vor Publikum präsentiert werden. Jeder ist am Songwriting beteiligt und der Erfolg der Band als Ganzes steht im Vordergrund.

„TOTAL VERROCKT“ in Wölfis

Jede Band ist rechtlich eine Gemeinschaft bürgerlichen Rechts, aber die wenigsten nutzen die Vorteile, die damit einhergehen. EmaRocken haben zusammen mit Sebastian Fischer einen GbR-Vertrag aufgesetzt und treten als ordentliche Geschäftspartner auf. Fisch kümmert sich um das Booking und rechnet Gagen und Fahrtkosten ab. Klipper kümmert sich als Mediengestalter um die Werbung und die Internetauftritte der Band.

Einmal im Jahr organisieren die Musiker von EmaRocken das Festival „TOTAL VERROCKT“ in Wölfis, bei dem die Band auch selbst auftritt. Entstanden ist es 2012 aus einem erfolgreichen Benefizkonzert und das Festival ist seitdem jedes Jahr gut besucht. Auf der Bühne stehen befreundete Bands aus der Region, womit auch das lokale Netzwerk gepflegt wird. Die Einnahmen aus dem Festival steckte die Band in die Tonstudioaufnahmen. Die Musiker haben es aus dem anfängertypischen Zustand „pay to play“ herausgeschafft, die Kosten der Band sind mindestens gedeckt.

„Licht & Schatten“ kommt im Frühjahr

Im Jahr 2011 veröffentlichte die Band ihre erste Single namens „Blind Date“, 2012 folgte dann „Einen ganzen Sommer lang“. Die zweite Single schrieben EmaRocken für einen Wettbewerb der Verkehrswacht und gewannen mit dem zweiten Platz einen Satz Winterreifen, den sie dann verkauften, um sich Sommerreifen zu besorgen.

In einer alten Dorfkneipe drehte die Band 2013 ihr erstes Musikvideo zum Song „Mensch ärgere dich nicht“. Das erste Album „Weiße Wände“ kam ebenfalls 2013 heraus und nun steht das zweite Album in den Startlöchern: „Licht & Schatten“ wird im Frühjahr 2017 erscheinen und dafür sucht die Band noch nach einem neuen Label. Aufgenommen wurde es im Ground Control Studio Erfurt, wie auch die vorhergehenden Veröffentlichungen. Das Cover zum neuen Album gibt es schon, entworfen wurde es von Klipper.

EmaRocken: Keine Nachwuchsband mehr

So 20 Konzerte spielen EmaRocken durchschnittlich pro Jahr im mitteldeutschen Raum, darunter auch Akustik-Sets. Bis nach Polen ist die Band schon gekommen, die Musiker betonen aber: „Konzerte weiter weg zu spielen lohnt sich nicht.“ Nachdem die Band in den ersten beiden Jahren sehr viel auf der Bühne stand, konzentrierten sich die Musiker nun auch mehr auf die Produktion des zweiten Albums: „Beim ersten Album haben wir uns zu wenig Zeit genommen und hätten wesentlich mehr herausholen können“, sagen sie. „Wir haben alle Wettbewerbe mitgenommen und waren immer recht erfolgreich“, sagen die Jungs von EmaRocken.

So klingen EmaRocken:

EmaRocken - steh auf und leb

2013 erreichten sie beim Thüringen Grammy den dritten Platz und gewannen mit „Steh auf“ in der Kategorie „Bester eigenkomponierter Song“. Bandwettbewerbe bieten zwar berauschende Auftrittserlebnisse – vor allem, weil gute Tontechnik und viel Publikum da sind – aber im Nachhinein fühlen sich die Musiker vornehmlich abgezockt und verheizt: „Am Anfang war das Euphorie, vor allem, weil wir meistens unter die ersten drei gekommen sind, aber jetzt würden wir das nicht mehr machen, wir sind auch keine Nachwuchsband mehr.“

Der Sound wird sich verändern

Auf der Website heißt es: „Was 2010 als amateurhaftes Projekt anfing, ist mittlerweile zur handfesten und gestandenen Band geworden, was nicht zuletzt auf die in den Jahren gesammelte Bühnen- und Studioerfahrung sowie die Weiterentwicklung jedes einzelnen Bandmitgliedes zurückzuführen ist.“ Es gab einmal die Vision, von der Band leben zu können, das hat sich aber in den vergangenen zwei Jahren geändert: „Wir sind auf alle Fälle keine Träumer mehr. Aber die Erfolgserlebnisse haben uns die Kraft gegeben, das als Hobby durchzuziehen.“

Luke Barnes plant auch bereits seinen Rückzug aus der Band: „Ich war nun 18 Jahre auf der Bühne und jetzt habe ich einfach genug davon.“ Die anderen Musiker sind sich einig, dass es zwar mit zwei Gitarren einfacher wird, Songs zu schreiben, dass aber auch Luke Barnes Stil und vor allem seine Gitarrensoli fehlen werden und sich der Sound der Band verändern wird.

EmaRocken im Internet:

Home: http://emarocken.com

Facebook: facebook.com/EmaRocken

Youtube: EmaRockenMusic

Soundcloud: emarocken