Neues Projekt: Künftige Polizisten lernen Umgang mit kultureller Vielfalt

Benjamin Bloch, Direktor der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (links) und Professor Thomas Ley, Leiter des Fachbereiches Polizei an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung in Meiningen, unterschreiben den Kooperationsvertrag.
Benjamin Bloch, Direktor der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (links) und Professor Thomas Ley, Leiter des Fachbereiches Polizei an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung in Meiningen, unterschreiben den Kooperationsvertrag.
Foto: Axel Heyder
  • Thüringer Polizei kooperiert mit Zentralwohlfahrtsstelle der Juden
  • Künftige Beamte sollen für Rassismus sensibilisiert werden
  • Vereinbarung läuft bis 2019

Neue Wege in der Ausbildung für Polizisten geht die Thüringer Fachhochschule für öffentliche Verwaltung in Meiningen. Zusammen mit dem Projekt "Perspektivwechsel Plus" der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST) soll zukünftiges Führungspersonal bei der Thüringer Polizei für Antisemitismus und Rassismus sensibilisiert werden. Auch die Kompetenz der Führungskräfte, mit diesen Problemen im polizeilichen Alltag konstruktiv umzugehen, wird gefördert.

Die Kooperationsvereinbarung unterzeichneten Professor Dr. Thomas Ley, Leiter der Fachhochschule und Benjamin Bloch, Direktor der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden bei einem exklusiven Pressegespräch mit Thüringen24 in Erfurt. Die Kooperation gilt für den Zeitraum 2016 bis 2019.

"Wir wollen immun machen gegen jede Form der Intoleranz", sagt Benjamin Bloch. Mit speziell hier entwickelten Schulungen sollen die angehenden Polizisten im höheren Dienst den Umgang mit kultureller Vielfalt im Einsatz lernen und Rassismus erkennen. "Es geht zum Beispiel um Haltungen und das Sprachbewusstsein beim Umgang mit Flüchtlingen oder Migranten", sagte Professor Ley in Erfurt.

Kampf gegen Antisemitismus

Das Projekt ist bisher einmalig in Deutschland. Die neuen Lerninhalte sind bereits im Studienplan festgeschrieben. Dabei geht es nicht nur um Durchführung von Schulungen, sondern um Verstetigung dieser wichtigen Lerninhalte im Lehrplan.

Für das Projekt "Perspektivwechsel Plus" und die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden ist es nicht der erste Kontakt mit der Thüringer Polizei. Das Projektteam gab bereits vereinzelt Weiterbildungskurse an der Fachhochschule in Meiningen. Auch mit der Uni Jena hat die ZWST seit November ein Kooperationsabkommen geschlossen. Der Name des gemeinsamen Projektes lautet „Diversity Trainings für Studierende der Erziehungswissenschaft“. Darin geht es um die Durchführung und Verstetigung von Bildungs- und Erziehungskonzepten im Lehrplan.

Konkret sollen Lehramtsstudierende sowie Studierende der Erziehungswissenschaft/Sozialpädagogik im Hinblick auf Diversitätsorientierung und Diskriminierungsprävention ausgebildet werden. Die erste, fünf Module umfassende Seminarreihe, hatte eine große Resonanz unter den Studierenden und ist erfolgreich angelaufen, sagt Projektleiterin Marina Chernivsky von der Zentralwohlfahrtsstelle.

Die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland ist, ähnlich wie die Caritas für die Katholiken oder die Diakonie für die Menschen evangelischen Glaubens, ein Spitzenverband der freien Wohlfahrtspflege und eine Wohlfahrtseinrichtung für Juden in der Bundesrepublik. Sie bietet den Gemeinden professionelle soziale Arbeit an und kümmert sich um die Jugendbildung. Seit vielen Jahren engagiert sich die Zentralwohlfahrtsstelle auch in der Arbeit gegen Antisemitismus und Diskriminierung. Für den kleinsten Wohlfahrtsverband in Deutschland ist der Kampf für eine demokratische Gesellschaft eine Selbstverständlichkeit.