Jungfrau Männlich Deluxe: Tanzbarer Punk, nicht nur für Festivalmädchen

Band der Woche: Jungfrau Männlich Deluxe
Band der Woche: Jungfrau Männlich Deluxe
Foto: J.M.D

J.M.D. aus Mühlhausen haben sich endlich entschieden, wofür ihr Name steht: Jungfrau Männlich Deluxe! Am 26. Januar 2016 sind sie live in der Engelsburg in Erfurt zu sehen. In ihrem Proberaum in Kirchworbis sprachen die Musiker von Jungfrau Männlich Deluxe mit #onstage-Reporter Tobias Marx über ihre Bandgründung, das zweite Album „Festivalmädchen“ und ihre Zukunftspläne.

Endlich steht der Name fest

Jungfrau Männlich Deluxe aus Worbis machen Alternative Punk-Rock: Nico am Bass, Matze am Schlagzeug und Jacob an Gitarre und Gesang. Auf Facebook schreiben sie: „J.M.D wurde im Sommer 2012 mangels alternativer Beschäftigungen gegründet.“ Die Einflüsse der Musiker sind einhellig gemischt: Post Punk und Metal. Der Bandname J.M.D. hatte seinen Ursprung in der ersten Besetzung der Band.

Seitdem Nico Anfang 2015 die Stelle des Bassisten eingenommen hatte, waren die drei auf der Suche nach einer neuen Bedeutung für ihren Namen: Jeder mag Donuts? Jäger mit Damenbart? Jutta mag’s deftig? Im Dezember 2016 haben sie sich dann entschieden für Jungfrau Männlich Deluxe!

Immer erst live

Wie kommt die Musik zustande? Jacob bringt Ideen und Texte mit in den Proberaum und gemeinsam machen sich dann alle Musiker über die Zutaten her. „Aber was am Ende daraus entsteht, ist wirklich meist etwas komplett Anderes, als ich es mir vorgestellt habe“, sagt Jacob. Die Akkordstrukturen bleiben aber in der Regel bestehen, die Jungs „jammen“ sich in den Song hinein und jeder findet seine Linien bis alles passt und groovt.

Da kann auch mal aus einem angedachten Punk-Song eine halbe Reggea-Nummer werden, die Musiker überraschen sich immer wieder gegenseitig. Bevor ein Song als abgeschlossen erklärt werden kann, wird er immer erst live gespielt, um zu testen: Nimmt es das Publikum mit? Nimmt es die Musiker selbst mit? So entstehen übers Jahr immer wieder neue Songs, es gibt also bereits Material für ein weiteres Album.

Die Abkürzung des Bandnamens wird zwar englisch ausgesprochen, die Texte sind aber deutschsprachig. Jacob reißt Themen an, ohne explizit zu werden. Der Song "Schlange" geht wild ab, es geht um One-Night-Stands, der Text kommt aber ohne schmutzige Sprache aus. Gitarre und Bass verweben sich in einem Wechselspiel von schnellen und ruhigen Passagen. Im Song "Rückenwind" geht es sehr indirekt um einen Selbstmord, man kann aber auch Anderes darin finden, eine Sehnsucht zum Beispiel. Der Song baut sich langsam und monoton auf, bis er ausbricht.

Festivalmädchen

Eine feste Aufgabenverteilung gibt es bei Jungfrau Männlich Deluxe nicht. Jeder holt mal einen Gig heran oder kümmert sich um eine der Internetpräsenzen. Einnahmen aus Konzerten stecken sie in die Albumproduktionen und sind stolz darauf, plus minus Null herauszukommen und kein privates Geld dafür angefasst zu haben.

Das erste Album „Auf Messers Schneide“ haben Jungfrau Männlich Deluxe 2014 selbst produziert, in der Garage von Freunden. Im Mai 2016 veröffentlichte die Band das zweite Album namens Festivalmädchen in der Kulturfabrik Mühlhausen. Eingespielt wurden die acht Songs an einem Wochenende im Atomino-Studio bei Erfurt - erst gleichzeitig die Instrumente, um ein Live-Gefühl für die Platte zu bekommen, den Gesang dann aber extra. Overdubs haben sie nicht verwendet, die Aufnahmen klingen genauso, wie die echte Band live auch klingt.

Kaufen kann man eines der 500 gepressten Alben bei Konzerten der Band oder man schreibt Jungfrau Männlich Deluxe über Facebook an. Das erste Video namens „Klammeraffe“ haben die Jungs in Handyqualität recht spontan aufgenommen und sagen, dafür ist es ganz gut geworden. Im neuesten Video wird der Titelsong des aktuellen Albums in Bildern umgesetzt.

Song: “Festivalmädchen” auf Youtube:

J.M.D. Festivalmädchen

Tanzbarer Punk

Beim Album-Release spielten Jungfrau Männlich Deluxe alle Songs ihres Repertoires und kamen damit auf zweieinhalb Stunden. Ansonsten werden die Set-Listen an die Bedürfnisse der Veranstalter angepasst. Ungefähr 20 Konzerte spielen die Musiker pro Jahr und versuchen, alles mitzunehmen was geht. „Die Möglichkeiten sind begrenzt“, sagen sie. Bandwettbewerbe meiden sie aber trotzdem. In Mitteldeutschland sind sie unterwegs, zu dritt passen sie mit Instrumenten gerade so in ein Auto.

Im Sommer spielten J.M.D auf der Becks-Stage beim Open Flair Festival. Das Bühnenkonzept formuliert die Band so: „Spaß haben und die Auftritte genießen - jeder macht, was er will, wir lassen kaum Pausen zwischen den Songs und wir dissen uns gern gegenseitig auf der Bühne!“ In der Musik gibt es zahlreiche Mit-Sing-Stellen und das Publikum tanzt gerne mit.

Nein zu Bauchschmerzen

Für dieses Jahr ist die Band schon fleißig am planen und die Musiker hoffen natürlich, dass noch mehr Veranstalter und Bands auf sie aufmerksam werden, um noch mehr Gigs zu spielen. Für 2017 ist eine neue Website geplant und eine kleine Tour angedacht, um die Reichweite der Band zu erhöhen. Wo die Band in fünf Jahren sein wird, wissen die Musiker noch nicht: „Wenn aus der Band langfristig nichts wird, dann geht das Leben halt anders weiter“, sagen die drei. Den Knebelvertrag einer Plattenfirma hat die Band jedenfalls schon abgelehnt – Jungfrau Männlich Deluxe sagen lieber Nein zu Bauchschmerzen!

Der nächste Konzerttermin ist am 26. Januar in der Engelsburg Erfurt.

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