Angriffsversuch von Neonazis auf Lesung in Eisenach?

  • Bericht über versuchten Angriffsversuch von Neonazis auf Lesung in Eisenach
  • Polizei liegen keine Berichte über Straftaten vor

Laut einer Meldung soll es am Donnerstagabend zu einem versuchten Angriff von etwa zehn Neonazis auf eine Lesung in Eisenach gegeben haben. Doch da Zeugen die Aussage verweigern, kann die hinzugerufene Polizei den Vorfall nicht bestätigen oder dementieren.

Was war geschehen?

Im Rosluxx, einem Jugend- und Wahlkreisbüro der Partei Die Linke, las der Fotojournalist Sören Kohlhuber aus seinem Buch "Retrofieber". Der Untertitel des Buches: "Wenn Neonazis die ostdeutschen Straßen zurückerobern." Nach der Alarmierung der Polizei erfolgte eine größere Suchaktion der Beamten mit mehreren Einsatzwagen. "Die genannte Personengruppe wurde im gesamten Stadtgebiet nicht festgestellt", heißt es von der Polizei. Die Ermittlungen laufen wegen des Verdachts auf Landfriedensbruch.

Kohlhuber berichtet von Erfahrungen

Kohlhuber berichtet in dem Buch von seinen Erlebnissen und Erfahrungen, die er im Jahr 2015 bei fast 50 rechten Aufmärschen in den neuen Bundesländern machte. Dies geschah in einer Zeit, in der unter anderem Neonazis aus den 90er-Jahren darauf hofften, die Straßen wieder zurückerobern zu können, um gegen Asylsuchende zu hetzen.

Vermummte Angreifer

Laut dem Journalisten waren alle am versuchten Überfall beteiligten Neonazis bis auf einen vermummt. Der Angriffsversuch, der gegen 21 Uhr stattfand, konnte laut Kohlhuber abgewehrt werden. Der Fotojournalist teilt gegenüber Thüringen24 mit, dass die Neonazis mit Flaschen und laut anderen Augenzeugen mit einem Schlagstock bewaffnet waren. Die Mobile Beratung in Thüringen (Mobit) teilte auf Twitter mit, dass es keine Verletzten gab. Die Polizei suchte nach dem Angriffsversuch die Gegend ab. An der Lesung nahmen etwa 30 Personen teil.

Zeugen verweigern die Aussage

Die Landeseinsatzzentrale bestätigte gegenüber Thüringen24 am Donnerstagabend zwar zunächst den Polizeieinsatz in Eisenach, aber auch am Freitag ist die Informationslage dürtig. Laut Polizei konnte nur einer der Veranstaltungsgäste als Zeuge gewonnen werden. Die bisherige Vernehmung habe jedoch keine Hinweise auf irgendeine Straftat oder eine mögliche Provokation durch Neonazis ergeben.

Zeugenhinweise nimmt die Polizei in Eisenach unter der Telefonnummer (03691) 26 11 24 entgegen.

Parallelen zum Vorfall in Ballstädt

Der Vorfall weckt in Thüringen Erinnerungen an einen Überfall durch Neonazis in Ballstädt. Dort griff im Februar 2014 eine Gruppe Rechtsextremer eine Kirmesgesellschaft an. Es gab mehrere Verletzte. Die Angreifer konnten identifiziert werden und stehen derzeit in Erfurt vor Gericht.

Korrekturhinweis: Wir haben in einer ersten Version des Artikels geschrieben, dass es sich um einen Angriff handelt. Zu einem Gewaltausbruch kam es nach bisherigen Erkenntnissen jedoch nicht.