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Nach SPD-Austritt: An diesem Ex-AfD-Mann hängt die Koalition

Oskar Helmerich
Der Rechtsanwalt und SPD-Abgeordnete Oskar Helmerich sitzt am 24.04.2008 in Erfurt neben einer Mandantin im Gerichtssaal. (Archivfoto) Foto: Martin Schutt/dpa
  • Nach Marion Rosins Austritt aus der SPD hat Rot-Rot-Grün nur eine Stimme Mehrheit
  • AfD-Abgeordneter Oskar Helmerich tritt in SPD ein und hält zur Koalition
  • Ehemaliger AfD-Mann bezeichnet die Alternative als faschistoide Partei

Ist die rot-rot-grüne Koalition der Thüringer Landesregierung in Gefahr? Vor einer Woche wechselte die SPD-Landtagsabgeordnete Marion Rosin überraschend ihre Fraktion und lief zur CDU über. Die rechnerische Mehrheit der Koalition von einem Sitz zu Beginn der Legislaturperiode besteht aber dennoch, da der Abgeordnete Oskar Helmerich im Juli 2015 aus der AfD austrat und seither für die SPD im Landtag sitzt. Kann sich R2G auf den 57-Jährigen verlassen?

Aufgewachsen in einer SPD-Familie unter CSU-Wählern

„Ich sehe mich nicht als derjenige, der Anlass für Spekulationen darüber gibt, ob in meiner Person ein Risiko besteht“, sagt Helmerich auf Thüringen24-Anfrage. „Ich stehe zur Koalition und unterstütze sie beziehungsweise die SPD.“ Der ehemalige AfD-Abgeordnete war 2014 zwar über den zweiten Listenplatz der Thüringer Alternative für Deutschland in den Landtag eingezogen, aber eigentlich sei er ein bekennender Sozialdemokrat. „Ich bin in einem bayrischen Dorf großgeworden, in dem es um unsere Familie herum nur CSU-Wähler gab, doch unsere Familie machte ihr Kreuzchen immer bei der SPD“, so Helmerich, der aus einfachen Arbeiterverhältnissen stammt und sich als Rechtsanwalt hochgearbeitet hat.

AfD-Eintritt wegen Unzufriedenheit über Bundespolitik

Seine politische Karriere startete er deshalb im Juni 2013 bei der Alternative für Deutschland, weil er mit der Euro-Rettungspolitik, den Bankenrettungen und der Steuerpolitik nicht einverstanden war. Hier habe die Regierung Gesetze gebrochen oder aber für „schreiendes Unrecht“ gesorgt, so der Jurist.

Die Alternative für Deutschland „ist eine faschistoide Partei“

Dass er nun für die SPD im Thüringer Landtag sitze, mache ihn nicht zu einem Wendehals, betont Helmerich. Auch missachte er nicht den politischen Auftrag seiner Wähler, wie der ehemalige AfD-Abgeordnete nun immer häufiger öffentlich kritisiert werde. „Die AfD ist eine faschistoide Partei“, sagt Helmerich rückblickend auf die beunruhigende Entwicklung der Alternative unter Björn Höcke. Als Wendehals hätte er sich höchstens dann bezeichnen lassen, wenn er aus einer demokratischen Partei in eine andere eingetreten wäre. „Erstens habe ich ein freies Mandat und zweitens ist es die Pflicht eines jeden Abgeordneten, die Demokratie zu verteidigen“, sagt Helmerich und konstatiert bei der AfD eine starke Tendenz, die demokratische Grundordnung des Landes abschaffen zu wollen.

Rosins Wechsel zur CDU gibt Helmerich Rätsel auf

Dass Rosin die Thüringer SPD verlassen habe, gibt Helmerich Rätsel auf: „Ich konnte nie feststellen, dass Frau Rosin benachteiligt wurde. Im Gegenteil, alle Vorschläge, die sie eingebracht hat, wurden diskutiert.“ Ihren Wechsel müsse die neue CDU-Abgeordnete mit ihrem Gewissen ausmachen. „Wir leben in einem freien Land, da kann prinzipiell jeder seine Partei wechseln. Doch für Loyalität spricht das nicht„, so Helmerich weiter.

„Die SPD ist und bleibt meine Partei“

„Bevor ich aus der SPD austrete, treten eher die elf anderen Landtagsabgeordneten aus“, meint der 57-Jährige. „Die SPD ist und bleibt meine Partei.“