Wechselt Südthüringen nach Bayern?

Einige Südthüringer können sich einen Wechsel von Thüringen nach Bayern vorstellen.
Einige Südthüringer können sich einen Wechsel von Thüringen nach Bayern vorstellen.
Foto: dpa
  • Wechselt Landkreis Sonneberg von Thüringen nach Bayern?
  • Verein hat benötigten Unterschriften für ein Volksbegehren gesammelt
  • Anerkennung des fränkischen Erbes ist Ziel des Vereins „Henneberg-Itzgrund-Franken“

Diese Zugehörigkeit kann man hören: Wer südlich vom Rennsteig in Thüringen unterwegs ist, merkt beim Dialekt der Anwohner schnell, hier geht’s ins Fränkische. Doch genau dieser Umstand wird laut dem Verein „Henneberg-Itzgrund-Franken e.V.“ tabuisiert. „Damit muss endlich Schluss sein! Das Bundesland der Dichter und Denker muss sich endlich und eindeutig zu seiner kulturräumlichen und historischen Vielfalt bekennen“, fordert der Verein auf seiner Webseite. Er hat ein Volksbegehren angestoßen, bei dem die Bürger des Landkreises Sonneberg über einen Wechsel von Thüringen nach Bayern abstimmen sollen. Die nötigen Unterschriften – mindestens ein Prozent der Wahlberechtigten im betreffenden Gebiet – hat der Verein bereits zusammen.

Innenministerium entscheidet über Volksbegehren

„Wir konnten mit recht wenig Aufwand bis zum Ablauf der Frist Ende April mehr als 1000 Unterschriften sammeln. Das sind gut doppelt so viele wie benötigt“, teilte Martin Truckenbrodt, erster Vorsitzender des Vereins, auf Anfrage von Thüringen24 mit. Jetzt werden die Unterschriften in den Einwohnermeldeämtern der betroffenen elf Gemeinden und Städte geprüft. Im Anschluss gehe der Antrag an das zuständige Bundesinnenministerium. „Ich denke, das wird Anfang Juni passieren. Danach warten wir auf den Bescheid zu unserem Antrag“, so Truckenbrodt. Ob es jedoch wirklich ein Volksbegehren geben wird, ist noch unklar, da die Rechtslage für diesen konkreten Fall ist aus Sicht des Vereins nicht eindeutig ist.

Wirtschaftliche und kulturelle Verbindung zu Bayern

Sollte das Bundesinnenministerium die Gesetzeslage ähnlich einschätzen wie der Verein, „dann ist die Chance, dass der Antrag zugelassen wird, recht hoch“, sagt Truckenbrodt. „Denn die im Grundgesetz geforderte landsmannschaftliche Zugehörigkeit – in unserem Fall zu Franken – ist eindeutig gegeben.“ Dazu reiche ein Blick in die Geschichtsbücher. Hinzu kommen die sehr starken und offensichtlichen wirtschaftlichen Verflechtungen insbesondere mit Coburg und Kronach. So gehört unter anderem der Landkreis Sonneberg der Metropolregion Nürnberg und dem Tourismusverband Franken an. „Es wird aber auch entscheidend sein, inwieweit die zwei betroffenen Bundesländer wirklich Mitspracherechte besitzen. Auch dies ist aus unserer Sicht im Grundgesetz nicht klar geregelt“, führt er weiter aus.

Wechsel nach Bayern gar nicht das Ziel

Trotz der ganzen Bemühungen für ein Volksbegehren ist „ein Wechsel unserer Region in den Freistaat Bayern kein erklärtes Ziel unseres Vereins“, betont Truckenbrodt. Stattdessen geht es darum, dass die Region als Franken anerkannt wird. Die Thüringer Landesregierung tue genau das aus Sicht des Vereins nicht. Ganz im Gegenteil: „Die Fränkische Geschichte wird nicht gelehrt und bei jeder Gelegenheit verschwiegen. Fränkisches Brauchtum wird grundsätzlich als thüringisch bezeichnet. Mit fragwürdigen Namensgebungen werden Tatsachen im Interesse der Landespolitik zurechtgerückt.“

Endlich Gehör in Erfurt bekommen

Ein Ende der Tabuisierung und die Anerkennung des heutigen Südthüringen als fränkischen Teil des Freistaates hat der Verein bereits in einem offenen Brief vom 29. September 2015 gefordert. „Eine inhaltliche Antwort der Landesregierung blieb aber aus, sodass wir am 31. August im vergangenen Jahr mit der Unterschriftensammlung für das Volksbegehren gestartet haben“, berichtet Truckenbrodt. Durch das Verfahren sei nun ein wichtiges Ziel erreicht worden: „Endlich haben wir in Erfurt Gehör gefunden“, freut sich der Vereinsvorsitzende. Schöner wäre es aber gewesen, wenn der Schritt Richtung Volksbegehren dafür nicht nötig gewesen wäre.

Mehr Infos zu dem Verein „Henneberg-Itzgrund-Franken“ und dem Volksbegehren gibt es auf der Website des Vereins.