Mega-Dinner für eine offene Gesellschaft: Mischt euch ein!

Tische und Stühle vor die Tür! Am 17. Juni ist Tag der offenen Gesellschaft.
Tische und Stühle vor die Tür! Am 17. Juni ist Tag der offenen Gesellschaft.
Foto: Imago Stock&People

Soziologe Professor Dr. Harald Welzer ist Mitbegründer der Initiative Offene Gesellschaft. Er lädt dazu ein, am 17. Juni gemeinsam zu tafeln, um ein internationales Zeichen für Gastfreundschaft, Vielfalt und Freiheit zu setzen. Motto des Aktionstages ist #dafür.

Herr Welzer, Sie sorgen sich um die offene Gesellschaft. Werden die Deutschen immer verschlossener?
Nein. Ich glaube eigentlich, dass die große Mehrheit in den vergangenen Jahrzehnten immer offener geworden ist. Aber es gibt diverse neue rechte Angriffe auf die offene Gesellschaft und das sollte Anlass zur Besorgnis geben.

Was verstehen Sie unter einer offenen Gesellschaft?
Die offene Gesellschaft ist die Form des demokratischen Verfassungsstaates, wie wir ihn haben. Sie muss nicht erfunden werden, denn es gibt sie auf der Basis des Grundgesetzes. Stattdessen geht es darum, sie stärker zu kommunizieren und zu verteidigen gegen falsche Vorstellungen davon, wie eine moderne Gesellschaft aussieht und funktioniert.

Welche falschen ­Vor­stellungen meinen Sie?
Eine offene Gesellschaft ist zum einen nicht eine Multikulti-Bunter-Teller-­Gesellschaft, die sich keine Rechenschaft darüber ablegt, was ihre gesetz­lichen Standards sind. Sie ist zum anderen aber auch nicht das, was von rechten Gruppierungen als der „­Untergang des Abendlandes“ ­bezeich­net wird. Die offene ­Gesellschaft ist die Form von europäischer Nachkriegsgesellschaft, die den Menschen Freiheit und dabei enorm hohe Sicherheit garantiert.

Heißt offen nicht auch weniger sicher?
Das Gegenteil ist der Fall. Wenn man das historisch betrachtet, haben wir nirgendwo mehr Lebenssicherheit für den Einzelnen. Deshalb ist es total falsch, wenn manche Politiker Freiheit gegen Sicherheit ausspielen. Einfaches Beispiel: Sie leben heute in der Türkei unsicherer als in Deutschland – weil sie dort von staatlicher Willkür abhängen können. Das ist im Rechtsstaat nicht möglich.

Warum ist eine offene ­Gesellschaft so wichtig?
Weil wir es als Privileg ­begreifen können, in so einer Gesellschaft zu leben. Hier hat jeder die Freiheit, zu leben, wie er möchte. Jeder kann mitgestalten – verbunden mit der rechtlichen Sicherheit, dass man keiner Willkür unterworfen ist. Zusätzlich leben wir in einer Gesellschaft mit dem höchsten Lebensstandard, den es je in der Menschheits­geschichte gegeben hat.

17. Juni: Das größte Dinner der Welt

Wie kann man zum Erhalt der offenen Gesellschaft beitragen?
Es gibt in diesem Jahr ein erstaunlich erhöhtes Politikinteresse, was sich an der gesteigerten Wahlbeteiligung deutlich macht, aber auch an Initiativen wie unserer – wahrscheinlich auch angestoßen durch das schlechte Beispiel von Donald Trump. Das braucht eine offene Gesellschaft: ein aktives politisches Gemeinwesen, Leute, die sich einmischen.

Was genau planen Sie am 17. Juni?
Wir planen ein bundesweites Ereignis, das symbolisch für die offene Gesellschaft steht. Stattfinden soll deutschlandweit in der Summe ein riesengroßes Dinner, zu dem alle – von Privatleuten über Institutionen bis hin zu ­Unternehmen – um 17 Uhr ihre Tische und Stühle rausstellen und Menschen zum Essen einladen. Zu diesem Essen veranstalten sie Events rund um die offene Gesellschaft, die von Debatten über Performances bis hin zu Konzerten reichen. Es wäre doch toll, wenn dieses Ereignis das größte Dinner der Welt für die offene Gesellschaft würde!

17. Juni: Tag der offenen Gesellschaft

Wie kann man ­mit­machen?
Man kann mitmachen, indem man sich selbst mit seinen Freunden, seinen Arbeitskollegen oder mit der Firma mit einer Tafel beteiligt und diese auf www.die-offene-gesellschaft.de/17juni anmeldet. Dort ist auch zu sehen, wer wo mitmacht. Die Durchführung obliegt jedem selbst, wir geben die logistische Hilfe­stellung. Toll wäre, wenn die Leute an den Tischen darüber nachdenken, was die nächste Aktion für die offene Gesellschaft sein könnte. Es gibt Tischdecken mit unserem Logo drauf, die man sich an 100 Stellen deutschlandweit abholen kann. Auf diese könnte man seine Ideen schreiben. Wir wollen einen Fonds einrichten, um die tollsten zu prämieren.

Mehr Infos:

  • FAQs, Tipps, Infos und ­Material zum Mitmachen: www.die-offene-gesellschaft.de/17juni
  • Weiterlesen im Buch "Wir sind die Mehrheit. Für eine offene Gesellschaft" von Harald Welzer (FISCHER Taschenbuch)