Wegen Rechtsextremismus in der AfD: Höcke-Vize kündigt Rückzug an

Björn Höcke muss sich mit Vorwürfen seiner Stellvertreterin in Thüringen auseinandersetzen.
Björn Höcke muss sich mit Vorwürfen seiner Stellvertreterin in Thüringen auseinandersetzen.
Foto: Martin Schutt / dpa
  • Höckes Stellvertreterin warnt vor Rechtsextremen in der AfD
  • Vize-Vorsitzende Steffi Brönner will zurücktreten

Neuer Ärger für Thüringens AfD-Vorsitzenden Björn Höcke: Seine Stellvertreterin Steffi Brönner wirft der Landespartei vor, rechtsextremes Gedankengut „salonfähig“ werden zu lassen. Die AfD besetze in Thüringen „zentrale Funktionen mit Personen, die in ihrer Vergangenheit tief im rechtsextremistischen Bereich tätig“ gewesen seien, sagte sie der „Thüringer Allgemeinen“.

Personalie mit rechtsextremem Hintergrund

Der „Thüringer Allgemeinen“ sagte Brönner zudem: „Die AfD besetzt in Thüringen zentrale Funktionen mit Personen, die in ihrer Vergangenheit tief im rechtsextremistischen Bereich tätig waren.“ Die AfD-Politikerin wirft Parteikollegen vor, dass keiner der Funktionsträger in diesem Zusammenhang von Unwissenheit sprechen könne. „Eine ganz normale zweiminütige Internetrecherche zeigt die entsprechende Vergangenheit auf. Es drängt sich für mich unweigerlich der Verdacht auf, dass diese Personen bewusst in entsprechende Funktionen berufen worden sind.“

Brönner, die sich selbst zum wertkonservativen Lager der AfD zählt, appelliert an die eigene Parteiführung, einzuschreiten. Brönner: „Wir dürfen das nicht länger so laufen lassen. Das sind Tendenzen, mit denen ich mich nicht länger identifizieren kann.“

AfD soll sich von rechtem Gedankengut abgrenzen

Brönner rechnet damit, dass ihre Kritik an der Partei zu einem Parteiausschlussverfahren führen könnte und will in diesem Fall die AfD verlassen.

Update: Inzwischhen hat AfD-Sprecher Torben Braga den Rücktritt bestätigt.

Rechtsrock-Konzerte ausschlaggebend

Auslöser für die scharfe Kritik an ihrer Partei sind laut Brönner zwei geplante Konzerte im südthüringischen Themar, die einen rechtsextremen Hintergrund haben sollen. Die Veranstaltungsfläche sei den umstrittenen Bands von einem AfD-Mitglied angeboten worden sein. Der Mann habe laut einem AfD-Sprecher die Partei mittlerweile verlassen.

In einem parteiinternen Schreiben, dass der „Thüringer Allgemeinen“ vorliegt, warnt Brönner die Spitze der Bundes-AfD, nicht untätig zu bleiben. Es sei wichtig, so Brönner, dass sich die AfD „klar von rechtsextremem Gedankengut, Rechtsrock-Veranstaltungen, Werten, Vorstellungen von Personen, die diese Konzerte veranstalten und besuchen, deutlich abgrenzen, und zudem diese Werte und Gesellschaftsvorstellungen nicht teilen.“

Chat-Protokolle sorgten für Aufsehen

Der Streit in der Partei um die künftige Ausrichtung dauert schon seit Monaten an und gipfelte zuletzt in der Auseinandersetzung zwischen der Bundessprecherin Frauke Petry und dem Thüringer Landessprecher und Fraktionschef Björn Höcke.

In Sachsen-Anhalt sorgten jüngst veröffentlichte Chat-Protokolle einer AfD-internen Whatsapp -Gruppe für Aufsehen. Darin hatte Landeschef und Bundesvorstandsmitglied André Poggenburg „Deutschland den Deutschen gefordert“, ein weiteres Parteimitglied sprach sich indirekt für die Abschaffung der Pressefreiheit aus. Sachsen-Anhalt prüft bereits eine Beobachtung des Landesverbands durch den Verfassungsschutz.

Laut jüngstem Meinungstrend des Instituts INSA für „Bild“ hat die AfD gegenüber Vorwoche in der Wählergunst um einen halben Prozentpunkt zugelegt und käme aktuell auf neun Prozent.