Rechtsrock in Themar: Neonazis wollen wiederkommen

In Themar haben sich am Samstag (29.07.2017) zum zweiten Mal binnen zweier Wochen Neonazis zu einem Rechtsrock-Konzert versammelt.
In Themar haben sich am Samstag (29.07.2017) zum zweiten Mal binnen zweier Wochen Neonazis zu einem Rechtsrock-Konzert versammelt.
Foto: Sebastian Haak / dpa
  • Themar wieder Anlaufpunkt für Neonazis
  • Protest gegen Rechtsrock-Festival mit verschiedenen Aktionen
  • Straftaten bei "Rock für Identität"

In Südthüringen haben am Samstag erneut Hunderte Menschen gegen ein Musikfestival samt Kundgebung der rechten Szene protestiert. Die Polizei bezifferte die Teilnehmerzahl der verschiedenen Protestaktionen in Themar auf rund 460. Demgegenüber standen 1050 Teilnehmer* der rechten Versammlung, hieß es. Zugleich wurden auf dem Rechtsrock-Konzert 36 Straftaten festgestellt - von Verstößen gegen das Versammlungsrecht über das Tragen von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen bis hin zu Urkundenfälschung.

Neonazis, Polizei und Gegenprotest - Fotos aus Themar:

Politik mit Gegenprotest in Themar zufrieden

Themars Bürgermeister Hubert Böse zeigte sich zufrieden mit dem bunten Protest: „Ich bin sehr glücklich.“ Landrat Thomas Müller (CDU) sagte: „Wir wollen deutlich machen, dass Themar und unser Landkreis Hildburghausen nicht braun sind.“ Die Rechten bei dem Konzert spiegelten nicht die Gesinnung der Menschen in der Region wider. Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) bezeichnete die Veranstaltung der Rechten auf Twitter als „Konzert des Grauens“. Er hoffe, dass viele Menschen dagegen Gesicht zeigten.

Neues Konzert in Themar deutlich kleiner

Erst vor zwei Wochen hatten rund 6000 Anhänger der rechten Szene aus dem In- und Ausland in der Stadt ein Konzert besucht. Es gilt als bundesweit größtes Rechtsrock-Konzert des Jahres. Bei dem neuerlichen Szenetreffen am Samstag gingen die Behörden im Vorfeld von weitaus weniger Teilnehmern aus - gerechnet wurde mit bis zu 1000 Besuchern.

Neonazis wollen wiederkommen

Doch es könnte nicht das letzte Konzert dieser Art gewesen sein. Der Organisator sagte am Samstag: „Themar ist so schön - da kann man noch ganz oft was machen in den nächsten Jahren.“ Ein anderer Redner bezeichnete Thüringen als Rechtsrock-Hochburg: „Und wir werden alles tun, dass das so bleibt.“

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500 Polizeibeamte in Themar

Die Polizei war mit einem größeren Aufgebot im Einsatz. Ziel sei es, Störungen zu verhindern, Beeinträchtigungen für Anwohner zu mindern und die verschiedenen Lager strikt zu trennen, hieß es. Dazu waren rund 500 Beamte auch aus Bayern und Sachsen-Anhalt sowie der Bundespolizei im Einsatz.

Wie der Protest gegen Rechts aussah

Die Gegner des Neonazi-Festivals hatten sich unter anderem zu einer Andacht in der Kirche und einem Familienfest mit Hüpfburg und anderen Spielangeboten für Kinder auf dem Markt versammelt. Zudem zogen Demonstranten in die Nähe des Konzertgeländes am Rande der 3000-Einwohner-Stadt, um dort gegen die Rechten anzusingen und ein Friedensgebet abzuhalten.

Bilder vom vergangenem Rechtsrock-Festival in Themar:

Landtagsabgeordnete beobachten Geschehen in Themar

Das Engagement der Menschen vor Ort sei „herausragend und beispielgebend“ gewesen, erklärten die Landtagsabgeordneten Sabine Berninger und Katharina König-Preuss (beide Linke) sowie Madeleine Henfling (Grüne), die als Teil einer parlamentarischen Beobachtungsgruppe vor Ort waren. Den Polizeieinsatz nannten sie angemessen: „Jedoch ist fraglich, ob bei mehr Teilnehmern rechts die Einsatzstrategie aufgegangen wäre.“

Kritik: Konzert war keine politische Versammlung

Gleichzeitig betonten Berninger, König-Preuss und Henfling, aus ihrer Sicht habe es sich um keine politische Versammlung, sondern um ein kommerzielles Konzert gehandelt. „Einlasskontrollen, Eintrittskarten und der Eintrittspreis von 30 Euro sprechen eine eindeutige Sprache“, hieß es in einer Erklärung. Davon hätten sie sich bei einem Rundgang über das Gelände unter Polizeischutz überzeugt. Dass die Reden dem Auftritt der Bands vorangestellt waren, zeige, dass sie lediglich als „Alibi“ für den Versammlungscharakter gedient hätten.

*Hinweis: Am Sonntagmittag hat die Polizei die Teilnehmerzahl bei „Rock für Identität“ korrigiert. Ursprünglich war von 1500 Menschen die Rede, tatsächlich sollen es aber 1050 gewesen sein.