Merkel in Apolda beschimpft - Thüringens CDU-Chef reagiert gelassen

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) tritt beim Wahlkampf der CDU-Thüringen in Apolda auf dem Gelände der Landesgartenschau auf.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) tritt beim Wahlkampf der CDU-Thüringen in Apolda auf dem Gelände der Landesgartenschau auf.
Foto: Jens Kalaene/dpa
  • Bundeskanzlerin Angela Merkel wirbt in Apolda um Wiederwahl
  • Kritiker beschimpfen Merkel bei ihrem Auftritt auf dem Gelände der Landesgartenschau

Nach den Anfeindungen in Sachsen ist der Auftritt von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auch in Thüringen von heftigen Beschimpfungen begleitet worden. Rund 30 Menschen - unter ihnen Fremdenfeinde - riefen während des Wahlkampf-Auftaktes der Landes-CDU am Donnerstag "Hau ab", "Lügenpack", "Heuchler" oder "Volksverräter". Auf einem Transparent stand "Grenzen hoch und Schotten dicht", auf einem anderen "Wer CDU wählt, wählt unbegrenzte Einwanderung von Scheinasylanten".

Zeitgleich demonstrierten vor dem Gelände der Landesgartenschau in Apolda nach Polizeiangaben 74 Anhänger des Thüringer Ablegers der asyl- und fremdenfeindlichen Pegida-Bewegung Thügida. Die Polizei sprach insgesamt jedoch von einem ruhigen Verlauf des Abends.

Mohring zu Pöblern: "Wenn jemand spricht, lässt man ausreden"

Merkel selbst sagte mit Blick auf die Pöbler vor der Bühne nur: "Ja, kennen wir ja schon.» CDU-Landeschef Mike Mohring sagte in seiner Heimatstadt: "Die Freiheit unserer Gesellschaft macht aus, dass jeder seine Meinung sagen darf." Vor 27 Jahren - also in der DDR - wären diese Menschen ihm zufolge verhaftet worden. "Heute, in der Freiheit, dürft ihr laut sein und wir haben nichts dagegen." Am Ende des Abends gab er den Pöblern noch mit auf den Weg: «Wenn jemand spricht, lässt man ausreden und brüllt nicht dazwischen."

Merkel kritisiert Gebietsreform

Am Nachmittag war Merkel bereits im sächsischen Annaberg-Buchholz heftig beschimpft worden. Mehr als 100 Menschen aus dem Dunstkreis der asyl- und fremdenfeindlichen Pegida-Bewegung und Anhänger der AfD empfingen die Kanzlerin mit einem Trillerpfeifen-Konzert und riefen: "Haut ab, haut ab!".

Mohring nutzte die Gelegenheit, erneut gegen den Koalitionsbeschluss zum Fahrplan der Gebietsreform zu schießen. "Wir wollen, dass Apolda und die anderen Kreisstadt bleiben. Deswegen sind wir gegen diese Gebietsreform von Rot-rot-grün." Auch Merkel verurteilte die Reform der Linkskoalition: "Die macht Vielfalt kaputt, die macht Traditionen kaputt, die zentralisiert und die gibt uns nicht die Chance, sich zu entfalten."

Umstrittener SPD-Politiker soll die Gebietsreform voranbringen

Die Gebietsreform für Thüringen soll 2019 im Landtag beschlossen werden. (Archivfoto)
Die Gebietsreform für Thüringen soll 2019 im Landtag beschlossen werden. (Archivfoto)
Foto: Imago / Pictureteam

Vor einigen Jahren wurde ihm ein Zwangsverwalter zur Seite gestellt, um die Finanzen seines Landkreises zu ordnen. Jetzt soll Landrat Harald Zanker die Gebietsreform für den Innenminister regeln. Bei manchem löst das Irritationen aus.

Mehr lesen