Protest-Brief: Eklat um Kinderfilm im Kika

Archivaufnahme des Landesfunkhauses in Erfurt, Sitz des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) und des Kinderkanals (KiKa).
Archivaufnahme des Landesfunkhauses in Erfurt, Sitz des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) und des Kinderkanals (KiKa).
Foto: imago/Bild13
  • Im Thüringer Landtag hat sich Protest gegen die Ausstrahlung eines Kindesfilms formiert
  • Grünen-Abgeordnete verurteilen die Darstellung der Roma in „Nellys Abenteuer“
  • Volksgruppe werde klischeehaft und stereotyp dargestellt

Thüringer Landtagsabgeordnete der Grünen haben sich gegen die unkommentierte Ausstrahlung eines Spielfilms im Kinderkanal von ARD und ZDF (KiKA) ausgesprochen. „Nellys Abenteuer“ stelle Roma klischeehaft und stereotyp dar, heißt es in einem am Donnerstag veröffentlichten offenen Brief. Verfasserinnen sind Madeleine Henfling und Astrid Rothe-Beinlich.

Roma als Kriminelle und Trickbetrüger dargestellt

Die SWR-Kino-Koproduktion zeige Roma unter anderem als Kleinkriminelle, Trickbetrüger, Bettler und Kindesentführer. „Auf unzulässige Art und Weise wird dabei eine Menschengruppe auf eine Zugehörigkeit, nämlich Roma zu sein, reduziert“, so der Text. Auch die Bundesvorsitzende Simone Peter unterzeichnete das Schreiben.

Film wurde mit fast einer Million Euro gefördert

„Nellys Abenteuer“ erhielt laut Angaben des offenen Briefes eine staatliche Förderung in Höhe von ca. 935.000 Euro. Alleine aus Thüringen förderte die Mitteldeutsche Medienförderung die Produktion mit 275.000 Euro. "Ein staatlich geförderter Film sollte ethischen Maßstäben entsprechen und auch einer von Diversität geprägten Gesellschaft gerecht werden. Mindestens jedoch bedarf er einer Einordnung und kultursensiblen Begleitung", heißt es in dem Schreiben.

Ausstrahlung sollte zurückgezogen werden

In seiner jetzigen Form sollte der Film zurückgezogen und nicht ausgestrahlt werden, sagte Fraktionssprecherin Mona Walter. Zumindest sollte vor dem Film eine Sondersendung auf die Problematik hinweisen.

Kritik des Zentralrates der Roma und Sinti

In einem vom Zentralrat der Sinti und Roma in Auftrag gegebenem Gutachten heißt es über den Film: „Hängen bleibt jedoch das Bild von den kriminellen, unzivilisierten, disziplinlosen und triebgesteuerten Roma, die keine Moral kennen.“ Der SWR-Programmdirektor des Südwestrundfunks, Christoph Hauser, hat sich nach Sender-Angaben bereits in einem Gespräch an den Zentralrat gewandt. Demnach zeige der Film, wie die Protagonistin Vorurteile überwinde. Die Geschichte beruhe auf gegenseitiger kultureller Wertschätzung. Den Vorwurf, der Film beinhalte rassistische und gegen Roma gerichtete Züge, wies er zurück. „Nellys Abenteuer“ werde wie geplant im KiKa und SWR gesendet.

SWR will sich der Diskussion stellen

Der Sender stelle sich gerne einer Diskussion über den Film, ergänzte der SWR-Sprecher Wolfgang Utz. Das setzte allerdings voraus, dass die Zuschauer die Möglichkeit haben, den Film zu sehen. „Nur wer den Film gesehen hat, kann sich ein fundiertes Urteil bilden.“

Medienförderung: Projekt wurde intensiv und umfänglich geprüft

Die Mitteldeutschen Medienförderung betonte, die Projekte würden intensiv und umfänglich geprüft. „Bei der Entscheidung spielen sowohl inhaltliche und künstlerische als auch wirtschaftliche Faktoren eine entscheidende Rolle“, erklärte deren Geschäftsführer Claas Danielsen. „Dabei bleibt immer die künstlerische Freiheit gewahrt. Eine Zensur findet nicht statt.“ Der Film sei als Komödie angelegt, die mit verschiedenen Klischees über Sinti und Roma genauso wie über Deutsche spiele. Diese würden im Laufe des Films aufgebrochen. „Wie der Kinderkanal KiKa mit der Ausstrahlung des Films umgeht, obliegt der redaktionellen Freiheit des Senders“, so Danielsen.

„Nellys Abenteuer“ wird am 18. November im KiKa ausgestrahlt

Der Kinderfilm „Nellys Abenteuer“ soll am 18. November auf dem KiKA laufen, am 3. Dezember beim SWR. Erzählt wird die Geschichte einer 13-Jährigen, die es mit ihrer Familie nach Rumänien verschlägt. Der KiKA mit Sitz in Erfurt äußerte sich zunächst zu dem Brief.

63-Jähriger schlägt mit Faust zu: Opfer will mit Messern zustechen

In Marksuhl hat ein 35-Jähriger am späten Mittwochabend versucht, mit zwei Messern auf einen 63-Jährigen einzustechen. (Symbolfoto)
In Marksuhl hat ein 35-Jähriger am späten Mittwochabend versucht, mit zwei Messern auf einen 63-Jährigen einzustechen. (Symbolfoto)
Foto: imago/AFLO
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