Thüringer erinnern an Opfer der NS-Pogrome - Gedenkstein geschändet

In Thüringen wurde an verschiedenen Orten der Pogromnacht von 1938 gedacht. Kurz zuvor wurde in Arnstadt eine jüdische Gedenktafel beschmiert. (Symbolfoto)
In Thüringen wurde an verschiedenen Orten der Pogromnacht von 1938 gedacht. Kurz zuvor wurde in Arnstadt eine jüdische Gedenktafel beschmiert. (Symbolfoto)
Foto: imgao/Pictureteam

Am 9. November 1938 brannten in Deutschland Synagogen, wurden Juden getötet und in Lager gebracht. Die NS-Pogrome gelten als Auftakt der systematischen Judenvernichtung. Thüringen erinnert an die Opfer und warnt vor neuer rassistischer Gewalt und Hetze.

Mit Kranzniederlegungen, Gottesdiensten und Ausstellungen haben Thüringer Bürger und Holocaust-Überlebende am Donnerstag der Opfer der antijüdischen NS-Pogrome vor 79 Jahren gedacht. In Erfurt mahnte der Vorsitzende der Jüdischen Landesgemeinde, Reinhard Schramm, vor einem Wiedererstarken von Antisemitismus, Rassismus und rechter Gewalt.

Deutschlands historische Verantwortung

Heutige Übergriffe seien zwar nicht mit denen der NS-Zeit zu vergleichen, aber auch damals habe es mit Hass und Ausgrenzung begonnen. Landtagspräsident Christian Carius erinnerte an Deutschlands historische Verantwortung, jeden Versuch eines neuen Rassismus' und Antisemitismus' abzuwehren.

"Bewahrung demokratischer Grundwerte"

Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) sagte zu dem vom Nationalsozialismus staatlich organisierten Massenmord an Juden: „Wir wollen erinnern und niemals vergessen.“ Der 9. November 1938 sei „auch eine moralische und politische Verpflichtung zur Bewahrung unserer demokratischen Grundwerte.“ Ramelow sprach in Eisenach an der Synagogen-Gedenkstätte. Danach erinnerten Eisenacher Bürger in einem Gedenkmarsch zum Bahnhof an das Schicksal vieler Juden der Stadt, von denen - wie in ganz Thüringen - nur wenige den Holocaust überlebten.

Gestapo organisierte Massenmord

Am 9. November 1938 brannten deutschlandweit mehr als 1400 Synagogen und Betstuben sowie 7500 Geschäfte, Wohnungen und Gemeindehäuser. Die Gestapo verhaftete etwa 30.000 deutsche Juden und brachte sie in Lager. Allein nach Buchenwald wurden fast 10.000 Juden deportiert, viele starben. Die von den Nazis zynisch genannte „Reichskristallnacht“ gilt als der Auftakt zur systematischen Verfolgung und Vernichtung der Juden; rund sechs Millionen Juden waren es am Ende des Zweiten Weltkriegs.

Rechte Vergehen bestrafen

Auf dem jüdischen Friedhof kritisierte der Gemeinde-Vorsitzende Schramm, dass „Heil Hitler“-Rufe auf dem rechten Rock-Konzert im südthüringischen Themar bislang nicht geahndet worden seien. In Jena seien Rechte grölend durch die Straßen gezogen und hätten die christliche Junge Gemeinde nach Auschwitz gewünscht.

Gedenktafel beschmiert

Am Gedenktag wurde auch bekannt, dass unbekannte Täter in Arnstadt eine zweiteilige Tafel des jüdischen Gedenksteins mit einem unbekannten Tatwerkzeug beschädigten. Laut Polizei kommt der Zeitraum 1. September bis 8. November für die Tat in Betracht.