Kommission: Schwarze und Arbeitslose werden in Thüringen diskriminiert

Ein Bild von den tagtäglichen Diskriminierungsfällen in Deutschland hat sich die Enquete-Kommission „Rassismus“ des Thüringer Landtages auf ihrer jüngsten Sitzung gemacht. (Archivfoto)
Ein Bild von den tagtäglichen Diskriminierungsfällen in Deutschland hat sich die Enquete-Kommission „Rassismus“ des Thüringer Landtages auf ihrer jüngsten Sitzung gemacht. (Archivfoto)
Foto: Imago / Pictureteam
  • Thüringer Landtag beschäftigt sich mit Rassismus und Diskriminierung im Alltag
  • Enquete-Kommission hört Betroffene an
  • Der Alltag sei demnach "mit Diskriminierung durchsetzt"

Die Enquete-Kommission „Rassismus“ des Thüringer Landtages hat sich in einer Anhörung ein Bild von tagtäglichen Diskriminierungsfällen in Deutschland gemacht. Vertreter verschiedener Initiativen und Vereine berichteten am Dienstag der Kommission in Erfurt von ihren Erfahrungen.

Schwarzer Arzt berichtet über Alltagsrassismus

So berichtete etwa Marco Leitzke von der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland von rassistischen Kommentaren und Einstellungen, mit denen ihm als Krankenhausarzt Kollegen und Patienten begegnen - teils ohne sich über die kränkende Wirkung ihrer Worte im Klaren zu sein.

AfD-Politiker beschimpft Becker-Sohn als "Halbneger"

Diskriminierung finde sich bereits im Kindergarten, wenn etwa beim Malen „Hautfarbe“ grundsätzlich als Beige-Rosa-Ton angemischt werde. Auch das „N-Wort“, erklärte Leitzke, gehöre noch zum Alltag in Deutschland. Dabei habe es für schwarze Menschen eine äußerst verletzende Wirkung. Erst kürzlich war etwa Noah Becker, Sohn des früheren Tennisprofis Boris Becker, auf dem Twitter-Account des AfD-Bundestagsabgeordneten Jens Maier als „Halbneger“ beschimpft worden.

Aufgabe der Kommission des Landtags

Die Enquete-Kommission soll herausarbeiten, wie Diskriminierung im Alltag das demokratische Zusammenleben in Thüringen gefährdet und Empfehlungen entwickeln, was dagegen unternommen werden kann.

Strukturelle Diskriminierung bei Flüchtlingsunterbringung

Martin M. Arnold vom Flüchtlingsrat Thüringen prangerte eine strukturelle Diskriminierung Geflüchteter in Deutschland an. In vielen Fälle sei ihre Unterbringungssituation unangebracht.

Arbeitslose werden zum gläsernen Menschen

Einem weitgefassten Diskriminierungsbegriff folgend, hatte die Kommission auch einen Verein für Arbeitslosenhilfe zur Anhörung eingeladen. Die Vereinsvertreterin Beate Jonscher berichtete, dass sich viele Antragssteller auch auf Ämtern diskriminiert fühlten, etwa durch die Pflicht zur Vorlage ungeschwärzter Kontoauszüge.

Quote sinkt dramatisch: Thüringer Kinder werden seltener geimpft

Kinder in Thüringen sind im Vergleich zum Bundesdurchschnitt weniger geimpft. Das berichtete die Techniker Krankenkasse unter Berufung auf aktuelle Daten des Robert-Koch-Instituts. (Symbolfoto)
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Foto: Marius Becker / dpa
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