Diese Thüringerin fordert Andrea Nahles bei der SPD heraus

Sie will die SPD wieder zu einer „stolzen Partei“ machen. Simone Lange (41) bewirbt sich um den Parteivorsitz – gegen Andrea Nahles.
Sie will die SPD wieder zu einer „stolzen Partei“ machen. Simone Lange (41) bewirbt sich um den Parteivorsitz – gegen Andrea Nahles.
Foto: Michael Staudt / dpa

Flensburgs Oberbürgermeisterin ist offen, bürgernah und beliebt in der Stadt. Vielen gilt Simone Lange als Hoffnungsträgerin der Nord-SPD, die für Erneuerung steht. Jetzt will die gebürtige Thüringerin auch die Bundespartei aufmischen.

Mit diesem Coup hat sich Flensburgs Oberbürgermeisterin Simone Lange quasi über Nacht bundesweit in die Schlagzeilen katapultiert: Am späten Montagabend kündigte die gebürtige Thüringerin in einem offenen Brief an die SPD-Mitglieder ihre Kandidatur für den SPD-Bundesvorsitz an. Damit könnte die 41-Jährige gegen Fraktionschefin Andrea Nahles antreten, die den Parteivorsitz eigentlich vorzeitig übernehmen sollte.

Umfrage zur Kandidatur von Simone Lange:

Simone Lange will SPD-Mitglieder einbeziehen

Dabei hat Lange persönlich nichts gegen Nahles. „Ich halte zuvorderst den Weg für falsch“, sagte Flensburgs Oberbürgermeisterin der Deutschen Presse-Agentur. Bei so einer wichtigen Frage sei es wichtig, die Mitglieder einzubeziehen, findet die Verwaltungschefin. Ihre Bewerbung sieht sie als Angebot. „Vielleicht gibt es ja noch mehr Angebote, auch das fände ich gut.“

Thüringerin regiert Flensburg

Das Einbeziehen, der Dialog, die Beteiligung von Menschen ist Lange auch in ihrem Amt als Oberbürgermeisterin von Schleswig-Holsteins drittgrößter Stadt wichtig. Durch ihre Bürgernähe und ihre offene Art hat die verheiratete Mutter zweier Töchter auch die politische Konkurrenz in der Stadt an der dänischen Grenze von sich überzeugt. Bei der Oberbürgermeisterwahl im Sommer 2016 wurde die SPD-Politikerin auch von CDU und Grünen unterstützt. Gleich im ersten Wahlgang setzte sich Lange mit 51,4 Prozent gegen den Amtsinhaber und zwei weitere Bewerber durch. Innerhalb kürzester Zeit wurde die zierliche Frau, die gerne mal ihre Haarfarbe wechselt, zu einer beliebten Verwaltungschefin.

Armutsproblem als Thema für die SPD

In die SPD trat Lange 2003 ein. Die Frage, wie man die Gesellschaft „beieinander halten“ kann, sei damals ein Antrieb gewesen, sagte sie der dpa. Die Probleme von damals seien immer noch da; Kinderarmut, die Schere zwischen Arm und Reich. „Wir haben offenbar nicht die richtigen Instrumente gehabt, um dies zu ändern.“ Vielleicht brauche es mutigere Ideen und Debatten darüber. „Das ist mein Antrieb, lasst uns Neues probieren.“

Helferin in der Flüchtlingskrise

Respekt erwarb sich die Sozialdemokratin auch auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise im Herbst 2015, als sie sich gemeinsam mit anderen Helfern unermüdlich am Transitbahnhof Flensburg um gestrandete Flüchtlinge kümmerte. Dort war die damalige Landtagsabgeordnete nur die „Simone“.

Simone Lange kommt aus Rudolstadt

Lange wurde 1976 in Rudolstadt in Thüringen geboren. Wenn ihr in Flensburg Menschen von dort begegnen, verwickelt sie diese gerne mal in ein Gespräch. Nach dem Abi studierte sie an der Verwaltungsschule in Kiel-Altenholz. Von 1999 bis 2012 arbeitete Lange als Kripobeamte bei der Flensburger Polizei, zuletzt im Bereich Wirtschaftskriminalität. Zudem war sie in der Kommunalpolitik aktiv.

SPD-Abgeordnete in Kiel

2012 zog sie für die SPD in den Kieler Landtag ein. Dort kümmerte sie sich um Polizeipolitik, war stellvertretende Vorsitzende des Innen- und Rechtsausschusses. Im Landesparlament machte sich Lange mit ihrer fachlichen Kompetenz schnell einen Namen. Abgeordnetenkollegen und Mitarbeiter schätzten außerdem besonders ihre Offenheit und Freundlichkeit.

Lange als Hoffnungsträgerin

In der Nord-SPD galt Lange bereits vor Ihrem Vorstoß in Richtung Bund als Hoffnungsträgerin. Im kommenden Jahr wird hier der Landeschef neu gewählt. Lange gilt als eine der potenziellen Nachfolgekandidaten von Amtsinhaber Ralf Stegner, auch wenn sie sich zu dem Thema jetzt nicht äußern will. Mit ihrem Coup am Montagabend wird sich ihr Bekanntheitsgrad deutlich erhöht haben.

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Gemeinden in Thüringen gehen einen Bund fürs Leben ein: Für rund 242.000 Thüringer sollen sich in den nächsten Monaten die Kommunalstrukturen durch freiwillige Fusionen ihrer Gemeinden und durch Eingemeindungen ändern. (Symbolfoto)
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