Festgehalten, missbraucht und gefilmt - neues Urteil zu Kirmes-Vergewaltigung

Der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe hat entschieden, dass das Urteil zur Gruppenvergewaltigung in Mühlhausen rechtskräftig ist.
Der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe hat entschieden, dass das Urteil zur Gruppenvergewaltigung in Mühlhausen rechtskräftig ist.
Foto: dpa
  • Bundesgerichtshof bestätigt Urteil zur Gruppenvergewaltigung auf Stadtkirmes in Mühlhausen
  • Revision zweier Beschuldigter scheitert in oberster Instanz
  • Männer müssen sich wegen gemeinschaftlichen Missbrauchs verantworten

Ein Urteil des Landgerichts Mühlhausen gegen zwei Männer wegen gemeinschaftlicher Vergewaltigung und gefährlicher Körperverletzung ist rechtskräftig. Die Haftstrafe von vier und fünf Jahren sei vom Bundesgerichtshof in Karlsruhe bestätigt worden, sagte Gerichtssprecherin Gitta Fehr-Albrado am Mittwoch in Mühlhausen. Die beiden Angeklagten im Alter von jeweils 23 Jahren waren im August 2017 verurteilt worden. Beide Verteidiger hatten Revision beim Bundesgerichthof beantragt. Sie hatten Freispruch beziehungsweise drei Jahre Haft für ihre Mandanten gefordert.

Gericht von "arbeitsteiliger" Tat überzeugt

Nach Überzeugung der Richter war das Duo Ende August 2016 während der Mühlhauser Stadtkirmes arbeitsteilig gegen das Opfer vorgegangen. Gegen ihren Willen sei die Frau in der Nähe eines Viadukts im Mühlhäuser Bahnhofsviertel an den Oberarmen festgehalten worden, während der andere sie zum Geschlechtsverkehr zwang. Ein Verteidiger hatte Freispruch, der andere drei Jahre Haft gefordert. Dessen Mandant hatte im Prozess von einvernehmlichen Geschlechtsverkehr gesprochen und sich beim Opfer entschuldigt.

Opfer setzte in Mühlhausen noch Notruf ab

Bei dem Fest im Sommer 2016 habe es einen ersten Kontakt zwischen einem der Angeklagten und dem späteren Opfer gegeben. Danach wollte die Frau einen Joint kaufen und folgte ihm an den Stadtrand. In einem Waldstück hinter dem Bahnhof habe der 23-Jährige von „Sex machen“ gesprochen und sie ausgezogen. Die 28-Jährige setzte mit dem Handy um 3.53 Uhr einen Notruf ab, mit dem die Polizei aber nichts anfangen konnte. Die Frau versuchte zu fliehen und lief dabei einem zweiten Mann in die Arme. Beide zogen sie in Richtung Bahndamm, drückten sie gegen die Böschung und vergewaltigten sie. „Einer hielt fest, der andere führte den Geschlechtsverkehr aus“, hieß es in der Urteilsbegründung.

Dritter Mann filmt mit dem Handy

Ein später gekommener dritter Mann filmte die Tat mit dem Handy und verging sich anschließend selbst an der 28-Jährigen. „Dass der Geschlechtsverkehr nicht einvernehmlich war, hat das Opfer ausgesagt und ist an den Verletzungen der Frau zu erkennen“, sagte der Vorsitzende Richter bei der Urteilsverkündung im Juli. Die Frau hatte Hämatome an den Oberarmen.

Einem Angeklagten kann Tat nicht nachgewiesen werden

Überführt wurden die beiden Männer durch die DNA-Spuren an Körper und Kleidung der Frau. Wegen des gemeinschaftlichen Vorgehens sei es ein besonders schwerer Fall. Die 28-Jährige hatte alle drei Männer identifiziert und drei Übergriffe pro Angeklagtem geschildert. Dem dritten Angeklagten konnte die Tat damals jedoch aus Sicht der Richter nicht nachgewiesen werden.