Polizei setzt Pfefferspray und Schlagstöcke bei Demo ein - Dritter Weg blockiert

In Nordhausen hat die Polizei auch Pfefferspray eingesetzt. Nach eigenen Angaben wurden die Beamten massiv von Gegendemonstranten bedrängt. (Archivfoto)
In Nordhausen hat die Polizei auch Pfefferspray eingesetzt. Nach eigenen Angaben wurden die Beamten massiv von Gegendemonstranten bedrängt. (Archivfoto)
Foto: dpa
  • Dritter Weg marschiert durch Nordhausen
  • Linke Gegendemonstranten blockieren Route
  • Polizei setzt Pfefferspray und Schlagstöcke ein

In Nordhausen haben linke Gegendemonstranten am Samstag einen Aufzug von Neonazis blockiert. Dabei griff die Polizei auch zu Pfefferspray und Schlagstock, wie die Beamten am Abend mitteilten. Die Sicherheitskräfte sprachen von etwa 200 Teilnehmern auf Seiten des sogenannten Dritten Weges, das linke Lager versammelte demnach etwa 250 Anhänger.

Pfefferspray gegen Blockade in Nordhausen

Linke Gruppen versperrten im Laufe des Tages mehrfach die Route der Rechtsextremen. In der Sangerhäuser Straße kamen die Neonazis nicht weiter und setzen ihren Weg auf Vorschlag der Polizei über eine Parallelstrecke fort. An anderer Stelle gerieten jedoch die Beamten und linke Gegendemonstranten aneinander. „Bei einer der Blockaden wurden vier Kollegen massivst bedrängt, sodass sie sich nur noch durch den Einsatz von Pfefferspray und Schlagstock wehren konnten“, beschrieb eine Polizeisprecherin das Geschehen aus Sicht der Ordnungshüter. 40 linke Versammlungsteilnehmer seien daran beteiligt gewesen. Verletzt worden sei dabei nach bisherigen Erkennntissen aber niemand.

Katharina König-Preuss auf Twitter:

Kritik am Vorgehen der Polizei

Katharina König-Preuss, äußerte sich auf Twitter allerdings kritisch zu dem Vorfall. Die Landtagsabgeordnete der Linken, die am Samstag selbst in Nordhausen war, schrieb auf Twitter von „teils aggressivem Abräumen der Blockaden“. Die Gegendemonstranten seien direkt mit Pfefferspray angesprüht worden, es habe „Kicks gegen Schienbeine“ gegeben. Das Bündnis gegen Rechtsextremismus Nordhausen rief mögliche Verletzte dazu auf, zum Arzt zu gehen und die Verletzungen attestieren zu lassen.

Dritter Weg mit völkischer Ideologie in Nordhausen

Der Dritte Weg hatte unter dem Slogan „Ein Licht für Dresden“ zu einem Fackelmarsch in Gedenken an die Opfer der Luftangriffe im Zweite Weltkrieg aufgerufen. Unter anderem sprach Walter Strohmeier aus Bayern zu den Anhängern und verbreitete unverhohlen völkische Ideologien. So berief er sich auf „starkes germanisches Blut“ oder huldigte den „Helden beider Weltkriege“, die ihr Leben für Deutschland und die Nachkommen gegeben hätten. Den Zweiten Weltkrieg bezeichnete er als „antideutschen Krieg“, der Kampf sei der „Vater aller Dinge“, weshalb er seine Kameraden auch zum „äußersten Kampf“ aufrief.

König-Preuss filmt Rede des Dritten Weges in Nordhausen:

Hitlergruße und Widerstand gegen Polizei in Nordhausen

Abgesehen von den Tumulten an den Blockaden und verbalen Provokationen beider Lager blieb die Situation in Nordhausen bis zum Samstagabend weitgehend friedlich. „Wir waren mit ausreichend Beamten vor Ort“, sagte die Polizeisprecherin. Die Thüringer Polizisten wurden von Kollegen aus Sachsen-Anhalt unterstützt. Dabei nahmen die Beamten mehrere Anzeigen auf. Bei den Rechten zeigte ein Teilnehmer den Hitlergruß, ein anderer trug einen Quarzhandschuh. Auf Seiten der Gegner des Dritten Weges wurden drei Verstöße gegen das Versammlungsgesetz und sechs Fälle von Widerstand gegen die Beamten gezählt. Ein Polizist sei verletzt worden. Wie es dazu kam, war zunächst aber noch unklar.