Körperverletzung im Amt? Ehemalige Gefängnisleitung kassiert Anzeigen

Gegen die ehemalige Jugendgefängisleiterin werden schwere Vorwürfe erhoben.
Gegen die ehemalige Jugendgefängisleiterin werden schwere Vorwürfe erhoben.
Foto: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa
  • Seelsorger erhebt schwere Vorwürfe gegenüber Gefängnisleitung
  • Ermittlungen wegen Körperverletzung und unterlassener Hilfeleistung
  • Pfarrer empfindet Haftbedingungen menschenunwürdig

Der protestantische Gefängnisseelsorger der Jugendstrafanstalt Arnstadt hat schwere Vorwürfe gegen die ehemalige Anstaltsleitung erhoben. In der Anzeige gehe es unter anderem um Körperverletzung im Amt und unterlassene Hilfeleistung, sagte eine Sprecherin der Erfurter Staatsanwaltschaft am Dienstag. In der Sache sei inzwischen ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden.

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Nach Gefängnisausbruch versetzt

Die frühere Leiterin, gegen die sich die Anzeige richtet, ist im Zuge eines Ausbruchs dreier Häftlinge Ende vergangenen Jahres bereits versetzt worden. Pfarrer Hosea Heckert ist nach eigenen Angaben seit Dezember auch wegen gesundheitlicher Probleme nur noch auf dem Papier Seelsorger in dem Jugendgefängnis. Zuerst hatte die „Thüringer Allgemeine“ über die Anzeige berichtet.

91 Strafanzeigen in JSA

In Arnstadt soll demnach allein im vergangenen Jahr in 91 Fällen "wegen des Verdachts der Körperverletzung oder Erpressung zum Nachteil von Mitgefangenen“ Strafanzeige erstattet worden sein.

"Menschenunwürdige Bedingungen für Gefangene"

"In seiner Anzeige und einer 20-seitigen Petition an den Landtag beschreibt Hosea Heckert angebliche Schikanen von Häftlingen", heißt es in der Zeitung. "Psychisch auffällige Gefangene würden unter menschenunwürdigen Bedingungen weggesperrt. Schwere Krankheiten seien zu spät erkannt worden." Er berichtete von dem Fall eines an Krebs erkrankten Häftlings, der lange auf eine Behandlung warten musste. Zudem seien kaputte Gegenstände wie Bettlaken nicht ausgetauscht worden - mit dem Argument, dies sei zu teuer.

Anstaltsleiterin warf Pfarrer Missbrauch vor

Zuletzt sei ihm von der ehemaligen Anstaltsleitung sogar eine sexuelle Beziehung zu einem Gefangenen vorgeworfen worden. Dabei habe er sich einfach sehr um einen traumatisierten Häftling bemüht, erklärte Heckert. Er wolle seine Anzeige nicht als Pauschalkritik an allen JSA-Mitarbeitern verstanden wissen, sagte Heckert. „Es gibt dort sehr viele verantwortungsbewusste Kollegen.“

Immer wieder Streit zwischen Leiterin und Pfarrer

Justizminister Dieter Lauinger (Grüne) räumte am Dienstag ein, dass es in der Vergangenheit immer wieder Diskussionen zwischen der Anstaltsleitung in Arnstadt und dem Pfarrer gegeben habe. Wo immer möglich sei die Justiz dem Pfarrer aber entgegen gekommen. Einmal habe die Anstaltsleitung ihm beispielsweise untersagt, Aushänge im Gefängnis zu machen. Diese Entscheidung habe das Justizministerium dann aber korrigiert.