Widerstand gegen Stromtrasse: Ramelow sucht Gespräch mit Merkel

Thüringen geht auf Konfrontation zur Bundesnetzagentur. Ministerpräsident Bodo Ramelow kündigte am Dienstag in Erfurt weiteren Widerstand gegen Pläne an, die Suedlink-Stromtrasse durch Teile Thüringens zu verlegen. (Archivfoto)
Thüringen geht auf Konfrontation zur Bundesnetzagentur. Ministerpräsident Bodo Ramelow kündigte am Dienstag in Erfurt weiteren Widerstand gegen Pläne an, die Suedlink-Stromtrasse durch Teile Thüringens zu verlegen. (Archivfoto)
Foto: Martin Schutt / dpa
  • Thüringer Ministerpräsident kämpft weiter gegen Stromtrassen-Pläne
  • Kritik am Verhalten der Bundesnetzagentur
  • Nun will Bodo Ramelow mit Bundeskanzlerin Angela Merkel sprechen

Thüringen geht auf Konfrontation zur Bundesnetzagentur. Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) kündigte am Dienstag in Erfurt weiteren Widerstand gegen Pläne an, die Suedlink-Stromtrasse durch Teile Thüringens zu legen. Es stoße bei der rot-rot-grünen Landesregierung auf Unverständnis, dass Thüringens Alternativvorschlag einer - wie im Gesetz vorgesehenen - geradlinigen Trassenführung von Nord nach Süd von der Bundesnetzagentur verworfen worden sei. „Das ist eine Zumutung. Ich bin nicht gewillt, das zu akzeptieren“, sagte Ramelow.

Protest gegen Stromtrassen-Planung: Ramelow will Merkel sprechen

Ramelow will über die Trassenplanung sowie ungenutzte Kapazitäten der in Thüringen vorhandenen Pumpspeicherwerke mit der neuen Bundesregierung reden. „Ich werde bei Bundeskanzlerin Merkel um ein Gespräch nachsuchen.“ Dabei solle es um die nicht vollständige Auslastung der neu gebauten 380-Kilovolt-Trasse durch Thüringen nach Bayern gehen sowie um den Zukauf von Strom aus Österreich und Norwegen, statt die Pumpspeicher in Thüringen zu nutzen.

Kommunen und Initiativen Kämpfen gegen Pläne

Die Landesregierung, aber auch Kommunalpolitiker und Initiativen wollen verhindern, dass mit Suedlink eine dritte neue Stromtrasse zum Transport von Windstrom durch das Land gebaut wird. „Die Lasten der Energiewende müssen fair verteilt werden“, sagte Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne).

SuedLink-Trasse durch Westthüringen?

Die gut 700 Kilometer lange SuedLink-Trasse soll im Zuge der Energiewende Windstrom nach Süddeutschland leiten. Die Pläne der Netzbetreiber Tennet und TransnetBW sehen vor, Nord- und Westthüringen in die Route einzubeziehen. Notfalls werde das Land gegen den Planfeststellungsbeschluss, der 2020/21 erwartet wird, klagen. „Ich bin da zäh“, sagte Ramelow.

Wirtschaft kritisiert Thüringer Landesregierung

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft in Berlin kritisierte die Landesregierung und warf ihr vor, das Projekt zu blockieren. „Es ist absolut kontraproduktiv, dass Landespolitiker Wind machen gegen die zentrale Infrastruktur der Energiewende“, erklärte Verbandsgeschäftsführer Stefan Kapferer.

Bundesnetzagentur lehnt Alternativvorschlag ab

Die Bundesnetzagentur hatte den Thüringer Vorschlag, der durch Osthessen geht, als fundiert bezeichnet. Er wurde jedoch von ihr nicht akzeptiert, weil er einen deutlich höhere Anzahl an Konfliktstellen aufweise als der Trassenkorridor-Vorschlag der beiden Netzbetreiber Tennet und TransnetBW. Entsprechend äußerte sich der Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, im Januar.

Landesregierung will Widerstand und Protest unterstützen

Ramelow und Siegesmund kündigten an, die Landesregierung werde den Widerstand in den betroffenen Regionen unterstützen. Das gelte auch für eine Protestaktion, die in der Osterzeit in der Gemeinde Fambach im Landkreis Schmalkalden-Meiningen geplant sei.