Extremismus-Teufelskreis: Wie Rechte den islamistischen Terror fördern

In einer Gesellschaft in denen Muslime sich nicht aufgenommen fühlen, erhöht sich laut Verfassungsschutzpräsident das Risiko der Radikalisierung.
In einer Gesellschaft in denen Muslime sich nicht aufgenommen fühlen, erhöht sich laut Verfassungsschutzpräsident das Risiko der Radikalisierung.
Foto: Montage: Imago/Ipon/Zuma Press
  • Verfassungsschutzpräsident über Wechselwirkung von Rechtsextremismus und Islamismus
  • Gesellschaftliche Abgrenzung als Risiko für Extremismus
  • Programme gegen Rechts bisher mäßig erfolgreich

Islamisten und Rechtsextremisten begünstigen sich nach Ansicht des Thüringer Verfassungsschutzpräsidenten Stephan Kramer gegenseitig. „Sie sind sozusagen nützlich in dem Teufelskreis, in dem sie sich gegenseitig bedienen“, sagte Kramer der Deutschen Presse-Agentur am Rande einer Tagung über Rechtsextremismus und Islamismus in Mainz, die an diesem Mittwoch endet.

Rechte fördern Islamismus

„Im Grunde genommen führen die ‚Nazis‘ dazu, dass sich die Muslime in der Gesellschaft nicht aufgenommen fühlen.“ Islamisten versuchten, deutlich zu machen, dass nur der islamistische Kampf Sinn und Zweck für Muslime sein könne, da sie in unserer Gesellschaft nicht anerkannt seien.

Wechsel zwischen radikalen Gesinnungen

Kramer stellt die Frage, ob eine Zusammenarbeit der Gruppen möglich ist oder gar ein Wechsel von Anhängern. „Es gibt nicht wenige Fälle - Nordrhein-Westfalen kennt einige -, wo erklärte Rechtsextremisten plötzlich als Islamisten wieder aufgetaucht sind“, sagte Kramer. „Das ist natürlich eine Frage, inwiefern möglicherweise der niedergehende militante Rechtsextremismus nicht aufgeht im Islamismus, weil die Anhänger aufgrund ihrer Radikalisierung Anknüpfungspunkte im Islamismus finden können.“

"Langer Atem gegen Rechts"

Der Verfassungsschutzpräsident räumte ein, dass bisherige Programme gegen Rechtsextremismus „nicht so fürchterlich erfolgreich sind“. Er will aber daran festhalten. „Vor allem braucht man einen langen Atem.“ Neben Bildung und Erziehung müsse auch eine Identität vermittelt werden in Deutschland, um Emotionen zu schaffen. Kramer war von 2004 bis 2014 Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland.

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