Neonazi-Konzert in Themar: Es gibt doch Bier

Am Wochenende werden wieder zahlreiche Neonazis in Themar erwartet. (Archivfoto von 2017)
Am Wochenende werden wieder zahlreiche Neonazis in Themar erwartet. (Archivfoto von 2017)
Foto: Michaela Rehle / REUTERS
  • Generelles Alkoholverbot in Themar gekippt
  • Gericht lässt Bier am Abend bei Neonazi-Konzert zu

Ein striktes Alkoholverbot beim Neonazi-Festival im südthüringischen Themar ist vom Verwaltungsgericht Meinigen gekippt worden. Demnach dürfen bei dem Rechtsrock-Konzert ab 20 Uhr Bier und Bier-Mischgetränke konsumiert werden. Das geht aus einem Beschluss des Gerichts vom Freitag hervor, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Zuvor hatte der Landkreis Hildburghausen ein generelles Alkoholverbot während der Versammlung als Auflage für die Veranstaltung erlassen. Dagegen wehrte sich der Veranstalter juristisch. Gegen die Entscheidung können Rechtsmittel eingelegt werden. Der Landrat war über die Entscheidung des Gerichts informiert.

Gericht kippt Themar-Auflagen

Auch eine Auflage zur Teilnehmerzahl hielt vor Gericht nicht Stand. Der Landkreis wollte die Besucherzahl auf 1000 Menschen beschränken. Er begründete dies mit der geringen Veranstaltungsfläche von 990 Quadratmetern sowie mit den Erfahrungen beim Konzert im vergangenen Jahr, als Tausende Rechte kamen und zwischenzeitlich Platzängste und Panik entstanden seien. Das Verwaltungsgericht hob diese Auflage am Freitag auf - für die Argumente fehlten laut Beschluss die Belege.

Mehrere Hundert in Themar erwartet

Das Festival findet am Freitag und Samstag statt. Der Thüringer Verfassungsschutz erwartet 1500 Teilnehmer zu dem Festival, das als politische Versammlung mit 800 Teilnehmern angemeldet worden war.

Landrat: „Man lässt uns im Stich“

In einer ersten Reaktion kündigte Hildburghausens Landrat Thomas Müller (CDU) an, gegen die Entscheidung keine Rechtsmittel einzulegen. Zuständig wäre das Oberverwaltungsgericht in Weimar. Müller zeigte sich enttäuscht: „Man lässt uns im Stich.“

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Geht von Betrunkenen in Themar Gefahr aus?

Die Entscheidung des Gerichts gegen ein generelles Alkoholverbot bringe Menschen in Gefahr, erklärte Sandro Witt, Vorstandsvorsitzender der Mobilen Beratung für Demokratie und gegen Rechtsextremismus in Thüringen (Mobit). „Das Gericht riskiert mit dieser Entscheidung die körperliche Unversehrtheit der eingesetzten Polizistinnen und Polizisten und der demokratisch Demonstrierenden. Das ist verantwortungslos“, hieß es in einer Mitteilung von Mobit.

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Gericht sieht keine Gefährdung

Das Verwaltungsgericht begründete seine Entscheidung unter anderem damit, dass durch einen Alkoholkonsum ab 20 Uhr nicht von einer Gefährdung der öffentlichen Sicherheit auszugehen sei.