Quarantäne um Ferienlager: 46 Betroffene mit Brechdurchfall - noch kein Virus nachgewiesen

28.06.2018: Rettungskräfte stehen vor dem Ferienzentrum Rauenstein. Über 40 Kinder und Betreuer hatten über Übelkeit, Bauchschmerzen und Brechdurchfall geklagt. Der Auslöser der Erkrankungen wurde als Norovirus identifiziert. (Archiv)
28.06.2018: Rettungskräfte stehen vor dem Ferienzentrum Rauenstein. Über 40 Kinder und Betreuer hatten über Übelkeit, Bauchschmerzen und Brechdurchfall geklagt. Der Auslöser der Erkrankungen wurde als Norovirus identifiziert. (Archiv)
Foto: News5/Ittig/dpa
  • Mindestens 46 Personen in Ferienlager Rauenstein klagen über Brechdurchfall
  • Ursache der Beschwerden gegenwärtig nicht bekannt - Virusnachweise negativ
  • Vor zwei Wochen waren im gleichen Schullandheim 45 Kinder an Norovirus erkrankt

Rund um ein Ferienlager im thüringischen Rauenstein (Kreis Sonneberg) ist erneut eine Quarantäne-Zone verhängt worden. Die Zahl der Betroffenen hat sich im Verlauf des Tages erhöht: Bis zum Donnerstagnachmittag klagten 44 Jugendliche aus Brandenburg und zwei ihrer Betreuer über Brechdurchfall, wie ein Sprecher des Landratsamts Sonneberg am Donnerstag mitteilte.

Zwei Jugendliche aus Ferienlager Rauenstein in Klinik gebracht

Zunächst seien nur 20 betroffen gewesen. Ärzte und Sanitäter behandelten fast alle Betroffenen vor Ort. Zwei Jugendliche wurden aufgrund von Vorerkrankungen zur weiteren Behandlung in ein Krankenhaus gebracht. Die Ursache war auch am späten Nachmittag noch unklar. Innerhalb eines ersten Befunds von vier Stuhlproben konnten im beauftragten Suhler Labor bis dato keine Viren (Norovirus, Rotavirus, Adenovirus, Astrovirus) nachgewiesen werden. Weitere Untersuchungen zur Krankheitsursache laufen. Vereinzelt sollen manche Betroffene schon am 10. Juli Symptome gezeigt haben.

Fotos: Norovirus-Ausbruch im gleichen Ferienlager vor zwei Wochen

Ferienzentrum Rauenstein wieder unter Quarantäne

Das Ferienzentrum sei nun vorsorglich unter Quarantäne gestellt, hieß es weiter. Niemand könne das Gelände also unkontrolliert verlassen oder betreten. Die Betroffenen seien vorsichtshalber isoliert untergebracht worden, sagte der Eigentümer der Anlage, Matthias te Kampe.

Wieder Norovirus im Ferienlager Rauenstein?

Vor zwei Wochen waren in dem Ferienlager 45 Menschen, darunter viele Schüler, am Norovirus erkrankt. Einige von den Gästen aus Berlin und Frankfurt/Main mussten im Krankenhaus behandelt werden. Die Anlage wurde geschlossen, von einer Spezialfirma gereinigt und desinfiziert. Am Montag dieser Woche öffnete das Ferienlager wieder.

200 Jugendliche in Thüringer Feriencamp

Laut Landratsamt befinden sich 214 Jugendliche unter anderem aus Frankfurt/Oder sowie den Landkreisen Oder-Spree und Märkisch-Oderland in Brandenburg im Alter zwischen 13 und 16 Jahren halten sich seit dem 9. Juli in der Ferienanlage auf. Sie gehören zu einer evangelischen Jugendgruppe und hätten eigentlich erst am 18. Juli abreisen sollen. Eine Heimreise mit Bussen wird nach Einschätzung des Landratsamts vermutlich frühestens am Freitagmorgen möglich.

Großeinsatz der Helfer vom Landkreis Sonneberg

Zahlreiche Rettungskräfte sind vor Ort, um den Betroffenen zu helfen, darunter Kräfte der Rettungsdienste, des Deutschen Roten Kreuzes, des Sanitäts- und Betreuungszuges des Landkreises Sonneberg, der Feuerwehren der Region und der Polizei. Notärzte sowie der Amtsarzt des Landkreises Sonneberg leiten die medizinische Versorgung und Begutachtung der Erkrankten. Landrat Hans-Peter Schmitz und Bürgermeister Jürgen Köpper unterstützen die Einsatzkräfte vor Ort.

Welche Maßnahmen hat das Gesundheitsamt seit dem Erstfall am 28. Juni 2018 unternommen? Wie war der weitere Verlauf bis zum heutigen Tag?

Es folgt die Darstellung des Landratsamtes Sonneberg im Wortlaut:

"Aufgrund der nachgewiesenen Norovirus-Erkrankungen vom 28. Juni 2018 wurde das Ferienzentrum Rauenstein durch das Landratsamt Sonneberg noch am selbigen Tag bis auf weiteres geschlossen.

Am 29. Juni erließ das zuständige Gesundheitsamt des Landkreises Sonneberg gegenüber dem Betreiber der Ferienanlage nach den Vorschriften des Infektionsschutzgesetzes einen Bescheid und ordnete hierin Maßnahmen zur Verhinderung von Infektionsgefahren vor einer Wiederbelegung an. Vor einer Neuaufnahme von Gästen war demnach insbesondere eine umfassende und fachgerechte Desinfektion aller Flächen und Gegenstände durch eine Spezialfirma durchzuführen. Außerdem wurde durch die Behörde die Durchführung konkreter Hygienemaßnahmen angeordnet.

Das Gesundheitsamt stand mit dem Eigentümer während dieser Zeit mehrfach im Kontakt und hat unter anderem bei der Vermittlung einer fachlich geeigneten Spezialreinigung unterstützt. Die Desinfektionsmaßnahmen wurden durch eine Fachfirma vom 5. bis 6. Juli 2018 durchgeführt.

Am 6. Juli 2018 hat die Behörde dem Betreiber der Ferienanlage ergänzende Auflagen erteilt. Demnach durfte die Anlage nach Abschluss der Desinfektion für zwölf Stunden nicht betreten werden. Anschließend musste eine Endreinigung der kompletten Anlage erfolgen. Alle Flächen und Gegenstände sowie das Geschirr musste gereinigt bzw. in ein Tauchbad gelegt werden. Wäsche und sonstige Textilien durften erst nach einer chemisch-thermischen Desinfektion durch eine zertifizierte Wäscherei sowie der erforderlichen Endreinigung in die Räumlichkeiten verbracht werden.

Nach Erfüllung der Auflagen konnte die Anlage wieder für den Betrieb freigegeben werden. Am 9. Juli führte das Gesundheitsamt eine Nachkontrolle durch und erteilte dem Betreiber weitere Auflagen bezüglich der Fertigstellung eines Rahmenhygieneplans. Daraufhin reisten am 9. Juli die gegenwärtigen Gäste aus Brandenburg an."