Islamisierung des Weihnachtsmarktes? Afghanen-Stand in Gera entzweit die Stadt

Auf dem Weihnachtsmarkt in Gera haben sich viele Besucher von afghanischer Musik bei einer Kundgebung gestört gefühlt. (Archivfoto)
Auf dem Weihnachtsmarkt in Gera haben sich viele Besucher von afghanischer Musik bei einer Kundgebung gestört gefühlt. (Archivfoto)
Foto: Bodo Schackow/dpa
  • Kundgebung in Gera sorgt für Aufregung
  • Afghanen hatten am Weihnachtsmarkt demonstriert
  • Facebook-Video macht die Runde
  • Zahlreiche Beschwerden – Stadt Gera äußert sich

Eine Kundgebung von Afghanen am Weihnachtsmarkt in Gera erhitzt die Gemüter. Nachdem ein Video im Internet die Runde macht und zahlreiche Kommentare nach sich zieht, sieht sich die Stadt mittlerweile zu einer Stellungnahme veranlasst.

Laute Musik am Weihnachtsmarkt in Gera

In unmittelbarer Nähe zum Geraer Weihnachtsmarkt hatte die Gemeinschaft afghanisch stämmiger Menschen einen Stand aufgebaut, nach Angaben aus dem Rathaus kamen etwa 50 Personen zu der Kundgebung. Was vielen Besuchern sauer aufstieß: Aus den Boxen schallte laute, landestypische Musik. Gäste des Marktes, die sich besinnlicher Weihnachtsstimmung hingeben wollten, war das ein Ärgernis.

Video aus Gera verbreitet sich auf Facebook

Auch auf Facebook macht sich Unmut breit. Das Video wird in verschiedenen Gruppen – auch außerhalb Geras und auch auf fremdenfeindlichen Seiten – geteilt. Kommentatoren beklagen die vermeintliche Islamisierung des Abendlandes, viele zeigen sich verärgert, einige werfen mit Schimpfwörter um sich oder rufen zur Gewalt auf. Die Linke Gera hatte sich dagegen mit den afghanischen Mitbürgern solidarisiert. Unter dem Slogan "Krieg ist keine Lösung – Frieden für Afghanistan, jetzt!" hatte die Partei zur Teilnahme an der Kundgebung aufgerufen.

Umfrage zu den Ereignissen in Gera:

Beschwerden nach Kundgebung in Gera

Bei derStadt Gera gehen nach wie vor zahlreiche Beschwerden ein. „Ich bedaure, dass sich die Besucher des Weihnachtsmarktes durch die Kundgebung gestört fühlten“, sagte Oberbürgermeister Julian Vonarb (parteilos) laut einer Mitteilung. „Zu befürchten ist, dass durch die Art und Weise der Kundgebung bei vielen Passanten das Gegenteil dessen bewirkt wurde, was bewirkt werden sollte.“

Versammlungsfreiheit: Afghanen-Demo am Weihnachtsmarkt

Allerdings sei die Kundgebung ordnungsgemäß angemeldet worden, auch für sie gelte das Recht auf Versammlungsfreiheit. Nach Ansicht Vonarbs dürfe der Weihnachtsmarkt in Gera keine Bühne für politische Botschaften sein. „Rein formal gehört der Bürgersteig allerdings nicht zum Weihnachtsmarkt, hierdurch kam es überhaupt erst zu der Situation“, heißt es in der Mitteilung der Stadt vom Dienstag.

Facebook-Video aus Gera:

Gespräche mit Verwaltung in Gera vor Kundgebung

Im Vorfeld hätten die Behörden mit den Veranstaltern der Demo außerdem eine maximale Lautstärke vereinbart. Ob die letztlich eingehalten wurde, ist unklar. Die Gemeinschaft wollte in Gera auf die schlechte Lebenssituation und unsichere Lage in Afghanistan hinweisen. (maf)