"Gefährliche Verzahnung": Über 100 Rechte, Hooligans und Türsteher aus Thüringen marschierten in Chemnitz

Über 100 Thüringer aus dem rechten Spektrum sollen im August nach der tödlichen Ausschreitung auf die Straße gegangen sein. CDU-Politiker Raimond Walk sieht eine große Gefahr für dne Freistaat. (Archivbild)
Über 100 Thüringer aus dem rechten Spektrum sollen im August nach der tödlichen Ausschreitung auf die Straße gegangen sein. CDU-Politiker Raimond Walk sieht eine große Gefahr für dne Freistaat. (Archivbild)
Foto: Hendrik Schmidt/dpa
Ende August war es in Chemnitz zu schweren Ausschreitungen gekommen - teils mit Hetze und Angriffen gegen Ausländer. Zu den Demonstrationen reisten auch Rechtsextreme aus Thüringen an. CDU-Politiker Raimond Walk sieht darin ein "hohes Potenzial rechtes Gedankenguts" im Freistaat und warnt vor der Verzahnung verschiedener Szenen.

Bei den teils gewalttätigen Ausschreitungen in Chemnitz Ende August diesen Jahres waren mindestens 115 Teilnehmer aus der rechtsextremen Szene in Thüringen vor Ort. Das geht aus einer Antwort des Thüringer Innenministeriums auf eine Kleine Anfrage des Abgeordneten Raimond Walk (CDU) hervor.

Tödliche Auseinandersetzung in Chemnitz

Demnach nahmen unter anderem rund 25 bis 30 Vertreter vom "Bündnis Zukunft Hildburghausen" sowie etwa 30 von der rechten Kleinpartei "Der III. Weg" an einer Versammlung am 27. August teil. Einen Tag zuvor hatte es eine tödliche Auseinandersetzung zwischen Deutschen und Ausländern gegeben, bei der ein 35 Jahre alter Deutscher starb.

Angriffe auf Ausländer in Chemnitz

An den Tagen nach dem Ereignis am Rande eines Stadtfestes war es zu teils gewalttätigen Ausschreitungen gekommen. Überwiegend rechte Demonstranten waren durch die Stadt gezogen und hatten gegen Ausländer gehetzt. Einige wurden sogar angegriffen.

Erfurter Hooligans, Türsteher und NPDler bei Chemnitz-Demo

Nach Erkenntnissen des Innenministeriums waren am Tag nach der tödlichen Auseinandersetzung auch etwa 60 bis 70 Vertreter aus der Hooliganszene Erfurt "Jungsturm" bei Demonstrationen dabei. Zudem reisten Teilnehmer aus den Gruppen "Althools" und "Parolis", die das Innenministerium der Problemfanszene zurechnet sowie aus dem Umfeld der Erfurter Türsteherszene und des NPD-Landesverbands nach Chemnitz. Hier fehlen den Behörden aber Informationen darüber, wie viele Teilnehmer aus diesen Gruppen dabei waren. Auch an rechten Kundgebungen in Köthen (Sachsen-Anhalt), die bundesweit Schlagzeilen machten, nahmen Thüringer Rechtsextreme teil.

Walk: "Großes Potenzial für rechtes Gedankengut in Thüringen"

"Dass eine dreistellige Zahl bekannter Rechtsextreme an den Demonstrationen in Chemnitz und Köthen teilnahmen, zeigt einmal mehr, dass in Thüringen nach wie vor eine großes Potenzial für rechtes Gedankengut existiert", erklärte Walk. Er hält die "Verzahnung Rechtsextremer zur Hooligan- und zur Türsteherszene" für gefährlich. Sie zeige, dass Thüringen einen "effizienten Verfassungsschutz und eine starke Polizei" brauche.

Thüringer Polizei in Chemnitz und Köthen im Einsatz

Zur Unterstützung schickte Thüringen Hunderte Einsatzkräfte nach Chemnitz und Köthen, die laut Innenministerium in diesen beiden Städten mehr als 5400 Einsatzstunden leisteten.

Social Media als Mobilisierungs-Plattform

Bei der Mobilisierung für die Demonstrationen spielen nach Einschätzung des Thüringer Innenministeriums soziale Medien im Internet eine wichtige Rolle. Sie fungierten als Katalysator, wie es in der Antwort zu der Kleinen Anfrage hieß.