Rätselraten um totes Tier auf A9 beendet – das sagen die Experten

Der überfahrene Wolf wurde am Fahrbahnrand bei Bad Klosterlausitz gefunden.
Der überfahrene Wolf wurde am Fahrbahnrand bei Bad Klosterlausitz gefunden.
Foto: Autobahnpolizeiinspektion Thüringen
Nach wie vor ist in Thüringen nur ein Wolf mit festem Revier im Freistaat nachgewiesen. Doch andere Artgenossen ziehen auf Wanderschaft immer wieder durch das Bundesland. Straßen können ihnen dabei gefährlich werden, wie sich nun wieder gezeigt hat.

Thüringen. Bei dem kurz vor Silvester bei Bad Klosterlausnitz gefundenen Tierkadaver handelt es sich tatsächlich um einen Wolf. Das Berliner Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung habe bei einer Untersuchung festgestellt, dass es sich um eine noch nicht ausgewachsene Wölfin handle, sagte ein Sprecher des Thüringer Umweltministeriums auf dpa-Anfrage.

Wölfin kam bei Verkehrsunfall auf der A9 ums Leben

Das Institut habe auch den bereits vermuteten Verkehrsunfall als Todesursache bestätigt. Weitere Analysen, die etwa Auskunft über die genaue Herkunft des Tieres geben könnten, stünden noch aus. Das Tier war an einem Autobahnrand an der A9 entdeckt worden.

Immer wieder Wolfssichtungen

Die streng geschützten großen Beutegreifer können nach Expertenangaben auf Wanderschaft weite Strecken zurücklegen. Immer wieder berichten Zeugen von Sichtungen der inzwischen zum Politikum gewordenen Tiere auch weit entfernt vom Revier der einzigen nachgewiesenen Wölfin Thüringens auf einem Truppenübungsplatz bei Ohrdruf.

Thüringens Wölfin aus Ohrdruf

Die ausgewachsene Wölfin dort zeugte mit einem Haushund Nachwuchs. Einige der Mischlinge wurden abgeschossen; der Genpool der Art Wolf sollte so geschützt werden. Möglicherweise leben aber noch einige der sogenannten Hybriden bei ihrer Mutter.

Straßenverkehr bedroht Wölfe

Experten verweisen immer wieder darauf, dass sich die Wölfin in Ermangelung eines anderen Wolfs mit einem Hund paarte. Unter anderem sei das dichte Straßennetz Grund dafür, dass noch kein anderer Wolf zur Wölfin durchgedrungen sei. Laut Naturschutzverband Nabu ist der Straßenverkehr neben der Jagd die größte Bedrohung für die Tiere in Deutschland.

«Die Tiere haben es nicht einfach», sagte auch der Wolfsexperte des Nabu Thüringen, Silvester Tamàs. Seiner Einschätzung nach ist auch ein jüngst aus einem hessischen Wildpark entlaufener Wolf kein potenzieller Partner für die Ohrdrufer Wölfin. «Auch wenn er es tatsächlich bis zu ihr schaffen sollte und sie ihn wollen würde, wäre Nachwuchs unwahrscheinlich», so Tamàs. Denn oft seien Wildpark-Tiere ohnehin kastriert. Wohl gelte aktuell für Wölfe aber die sogenannte Ranzzeit und sie seien auf Partnersuche. (dpa, aj)