Enkel-Schänder verurteilt: Video lässt keine Zweifel mehr an grauenhafter Wahrheit

Der eigene Großvater soll sich über lange Zeit an dem Kind vergangen, worunter das Opfer noch heute leide - das sieht das Gericht nun als erwiesen. (Symbolbild)
Der eigene Großvater soll sich über lange Zeit an dem Kind vergangen, worunter das Opfer noch heute leide - das sieht das Gericht nun als erwiesen. (Symbolbild)
Foto: Imago/Westend

Wegen sexuellen Missbrauchs seiner Enkelin hat das Landgericht Gera einen 56 Jahre alten Mann zu neuneinhalb Jahren Haft verurteilt. Nach der Aussage des Opfers bei der Polizei, die das Gericht als Videoaufzeichnung angesehen hatte, habe die Kammer «gar keinen Zweifel daran, dass das der Wahrheit entspricht», sagte Richter Berndt Neidhardt am Montag in der Urteilsbegründung. Anders als der Angeklagte meine, habe es kein Komplott gegeben, um ihn «in die Pfanne zu hauen».

Mädchen bricht vor Gericht in Tränen aus

Das Gericht musste auf die Videoaufzeichnung der Befragung zurückgreifen, weil das Mädchen seine Aussage vor Gericht unter Tränen abbrechen musste. Staatsanwaltschaft und Nebenklage hatten eine Freiheitsstrafe von elf Jahren gefordert, der Verteidiger des Mannes eine Strafe von sechs bis sieben Jahren.

Ursprünglich waren 161 Fälle angeklagt. Die Staatsanwältin blieb bei ihrem Plädoyer bei 147 Fällen, weil sie Zweifel daran hatte, dass sich das Mädchen eventuell an den Zeitpunkt der ersten Taten richtig erinnerte.

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Mann will von Enkelin verführt worden sein

Die Angaben des Angeklagten, wonach die Enkelin ihn zu sexuellen Handlungen aufgefordert habe, seien nicht glaubwürdig. Der Mann habe sich über lange Zeit an dem Kind vergangen, worunter das Opfer noch heute leide.

Wie Neidhardt weiter ausführte, hatte der Missbrauch «nach sicherer Überzeugung des Gerichts» im April 2010 begonnen und bis zum Oktober 2016 gedauert. In diesem Zeitraum habe sich das Mädchen etwa alle zwei Wochen bei seinem Großvater aufgehalten. Bisweilen hatte das Kind Freundinnen gebeten, es bei den Besuchen zu begleiten. Da die Kammer nicht davon ausgehen konnte, dass es tatsächlich bei jedem Besuch zu Übergriffen kam, seien die 73 Taten übrig geblieben.

Der Richter bemerkte, die Aussagen des Mädchens bei der Polizei hätten nicht den Eindruck vermittelt, dass es den Großvater über Gebühr schwer habe belasten wollen. Die Tatsache, dass es zunächst gern bei ihm zu Besuch war, später aber die Fahrten zu ihm vermeiden wollte, sei ein Hinweis darauf, dass tatsächlich etwas geschehen sei. Die Angaben des Angeklagten, er sei selbst Opfer sexueller Übergriffe des Mädchens gewesen, seien «hanebüchen». Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Verteidiger findet nur wenige Worte

Der Verteidiger des Angeklagten fand nur wenige Worte zur Entlastung seines Mandanten. Er verwies darauf, dass ein Gutachter es nicht ausgeschlossen hatte, dass der Beschuldigte eine Form von Pädophilie aufweise. Der Anwalt hielt eine Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von sechs bis sieben Jahren für angemessen. (dpa, aj)