Nazi-Anzeige im Amtsblatt Hildburghausen: "Ein Wort des Führers" ohne Kommentar sorgt für Empörung

Ein Screenshot der NS-Anzeige  im Amtsblatt. Die Linken-Politikerin Katharina König-Preuss empört sich auf Twitter.
Ein Screenshot der NS-Anzeige im Amtsblatt. Die Linken-Politikerin Katharina König-Preuss empört sich auf Twitter.
Foto: Screenshot: Katharina König-Preuss auf Twitter
Eine unkommentierte Anzeige aus der Zeit des Nationalsozialismus im Amtsblatt bringt einer Stadt in Südthüringen und ihrem Bürgermeister harte Kritik ein. Auch seine Partei spricht von einem schweren Fehler.

Hildburghausen. Wegen der Veröffentlichung einer historischen Nazi-Anzeige im Amtsblatt ist die Stadt Hildburghausen in die Kritik geraten. Die Anzeige aus der Zeit des Nationalsozialismus kündigt eine Trauerfeier für die Opfer eines alliierten Luftangriffes vom 23. Februar 1945 auf die Stadt an. Im abgebildeten Ablaufplan ist von einem «Terrorangriff» die Rede. «Ein Wort des Führers», lautet einer der Programmpunkte. Über der Anzeige im Amtsblatt der Stadt Hildburghausen erinnert der Bürgermeister, Holger Obst (CDU), in einem kurzen Text an die Luftangriffe - die NS-Anzeige bleibt dabei unkommentiert.

NS-Anzeige im Amtsblatt Hildburghausen - ohne Kommentar

«Kein Wort über Ursache, kein Wort über die #Shoa», kritisierte die Landtagsabgeordnete Katharina König-Preuss (Linke) bei Twitter. Der Bürgermeister kündigte an, «den Vorgang auszuwerten». Die Anzeige hätte besser gekennzeichnet und eingeordnet werden müssen, erklärte er am Sonntag. Man wolle es in Zukunft «besser machen», sagte er. Laut einem Bericht der Zeitung «Freies Wort» kritisierte Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) die Veröffentlichung als «unerträglich».

Die Thüringer CDU sprach in einer Mitteilung von einem «schweren Fehler». «Die Veröffentlichung derartiger Quellen ohne klare und kritische Einordnung verbietet sich von selbst», erklärte Generalsekretär Raymond Walk. Es sei richtig und notwendig, dass Hildburghausens Bürgermeister den Fehler einräume und eine Wiederholung ausschließen wolle. (dpa, aj)