Horrorfund in Thüringen: Totes Baby entdeckt

Bei Geschwenda in Thüringen wurde die Leiche eines Babys gefunden.
Bei Geschwenda in Thüringen wurde die Leiche eines Babys gefunden.
Foto: Marcus Scheidel

Grausige Entdeckung am Ostersamstag: Beim Ausflug mit ihren Hunden finden zwei Spaziergänger bei Geschwenda im Thüringer Wald eine Babyleiche. Der Fund weckt Erinnerungen an ähnliche Vorfälle vergangener Jahre.

Geschwenda. Nach dem Fund einer Babyleiche in Geschwenda in Thüringen sind Todesursache und Geschlecht des toten Säuglings weiter unklar. Die rechtsmedizinische Untersuchung habe vorläufig nur ergeben, dass das Kind lebend zur Welt gekommen sei, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Erfurt, Hannes Grünseisen, der Deutschen Presse-Agentur.

Totes Baby in Thüringen: Leiche stark verwest

Sein Alter werde auf höchstens drei Monate geschätzt. Belastbarere Angaben seien wegen des schlechten Zustandes des Leichnams vorerst nicht möglich. Weitere Untersuchungen sollen folgen.

Spaziergänger finden Babyleiche bei Geschwenda

Zwei Spaziergänger mit Hunden hatten das tote Baby am Samstagabend gegen 20.45 Uhr bei Geschwenda (Ilm-Kreis) im Thüringer Wald entdeckt und die Polizei gerufen. Es ist nicht der erste derartige Vorfall in Thüringen.

Totes Kind lag an einem Steilhang

Das tote Baby lag laut Staatsanwaltschaft an einem Steilhang in einem Waldstück. Laut Landespolizeidirektion in Thüringen war es bekleidet. Die Kleidungsstücke sollen nun zu DNA-Untersuchungen herangezogen werden, auch feingewebliche Untersuchungen sind geplant. Nähere Angaben dazu, wie die Leiche vorgefunden wurde, machten die Ermittler zunächst nicht.

Geschwenda liegt nahe der Abfahrt Gräfenroda der Autobahn 71 (Erfurt-Schweinfurt). Der Fundort an dem Steilhang selbst ist nach Einschätzung von Beobachtern abgelegen und mit dem Auto kaum zu erreichen.

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Einsatzkräfte der Polizei waren die Nacht hindurch bis in den frühen Nachmittag des Ostersonntags mit der Suche nach Spuren am Fundort beschäftigt, wie die Landeseinsatzzentrale sagte. Der Bereich war großräumig abgesperrt.

Nicht der erste Fund im Ilm-Kreis

In Thüringen waren in den vergangenen Jahren mehrfach tote Babys entdeckt worden. Wiederholt kam es im Ilm-Kreis zu solchen Funden. Dort war etwa Anfang 2016 in Ichtershausen bei Arnstadt die Leiche eines kleinen Jungen gefunden worden, der laut rechtsmedizinischer Untersuchung bei der Geburt noch gelebt hatte. Später wurden die sterblichen Überreste eines weiteren Neugeborenen in der Region entdeckt. Die in Müllsäcken verpackten Leichname waren von einer jungen Frau zur Welt gebracht worden, die später wegen unterlassener Hilfeleistung zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde.

Wiederholt haben Funde toter Babys in Thüringen für Aufsehen gesorgt. Einige Fälle:

  • Januar 2016: Auf einem ehemaligen Fabrikgelände in Ichtershausen bei Arnstadt (Ilm-Kreis) werden die in Müllsäcken verpackten Leichen zweier toter Neugeborener entdeckt. Die zum Zeitpunkt des Fundes 29 Jahre alte Mutter wird später wegen Totschlags durch Unterlassen zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt. Offen blieb im Prozess, ob sie oder der Vater der Kinder oder beide die Babys nach der Geburt in ihrer Wohnung ihrem Schicksal im Freien überließen.
  • März 2015: In einer Wohnung im ostthüringischen Altenburg wird ein totes Baby gefunden. Nach Erkenntnissen der Ermittler ertrank das Mädchen. Die Mutter sagt vor Gericht, sie sei bei der Geburt in der Badewanne in Ohnmacht gefallen - und danach sei das Kind tot gewesen. Sie wird wegen Totschlags zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt.
  • November 2014: Auf einem Dachboden in Benshausen in Südthüringen werden zwei tote Babys entdeckt. Der Tod der beiden Jungen liegt da bereits einige Jahre zurück. Die Mutter soll eines der Kinder kurz nach der Geburt in ihrer Wohnung mit einem Kissen erstickt haben. Der zweite Junge wurde nach Aussage der Mutter tot geboren. Ob das stimmt, konnte nicht mehr festgestellt werden. Die Frau wird zu vier Jahren Haft verurteilt.
  • November 2009: Eine 23-Jährige tötet in Weimar ihr Neugeborenes und stirbt kurz darauf an den Folgen der Geburt.
  • Oktober 2007: In einem Müllcontainer wird ein totes, neugeborenes Mädchen in Neudietendorf (Kreis Gotha) entdeckt. Seine Mutter gibt zu, es in eine Plastiktüte gesteckt und dort abgelegt zu haben. Wegen einer Persönlichkeitsstörung ist sie vermindert schuldfähig und wird zu drei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt.
  • April 2007: In der Tiefkühltruhe einer Erfurter Wohnung entdeckt ein Jugendlicher zwei Babyleichen. Seine Mutter gibt an, die Kinder 2002 und 2004 zur Welt gebracht zu haben, wobei die Kinder gestorben seien. Das Gericht hält das für unmöglich und verhängt zwölf Jahre Haft.
  • Januar 2007: Der neue Besitzer eines Hauses in Thörey (Ilm-Kreis) findet beim Aufräumen die Leichen von drei Babys in einer Garage. Die damals 21 Jahre alte Mutter der Kinder gesteht, sie zwischen 2002 und 2005 im Alter von 16, 17 und 19 Jahren bekommen zu haben. Das Gericht bezweifelt ihre Version, dass sie schon tot geboren worden seien, und verurteilt sie zu neun Jahren Jugendhaft.

(mvg/dpa)