Massenkarambolage in Thüringen: Jörg Kachelmann teilt gegen Autofahrer und Politik aus

Auf der A71 hat sich eine schwere Massenkarambolage ereignet. Jörg Kachelmann sieht die Schuld bei den Autofahrer und der Politik.
Auf der A71 hat sich eine schwere Massenkarambolage ereignet. Jörg Kachelmann sieht die Schuld bei den Autofahrer und der Politik.
Foto: Ittig/NEWS5/dpa

A71. Sie war der Auftakt zu gleich drei dramatischen Unfällen in Thüringen binnen zweier Tage: die Massenkarambolage auf der A71 zwischen Suhl und Meiningen. Plötzlicher Hagel, so hieß es, habe die Autofahrer überrascht und das Unglück auf der Autobahn verursacht. Jetzt äußert sich Wetter-Experte und TV-Moderator Jörg Kachelmann mit deutlichen Worten zu dem Massenunfall.

Jörg Kachelmann zu Massenkarambolage auf A71 in Thüringen: Plötzlich? Blödsinn!

Kachelmann, der für nicht gerade zimperliche Tweets bekannt ist, meldete sich auf Twitter schon relativ bald zu den Vorgängen auf der A71 nahe Schwarza zu Wort und streute erste Zweifel, ob das Unwetter wirklich so plötzlich über die Autofahrer hereingebrochen war. Es fällt unter anderem das Wort "Blödsinn".

Mittlerweile hat der "Riverboat"-Moderator die Ereignisse vom Sonntag detaillierter analysiert und sieht sich bestätigt: "Die Hageleis-Glätte kam nicht ,plötzlich'", schreibt er.

Kachelmann rekonstruiert Hagel-Wetter auf A71 bei Schwarza

Auf kachelmannwetter.com listet er minutiös auf, wie sich das Wetter am Sonntag zur Zeit der Massenkarambolage auf der A71 entwickelte. Sein Fazit: 10 bis 15 Minuten lang habe es an der Stelle immer stärker geregnet, dann gegraupelt und gehagelt. Gleichzeitig sank die "Sichtweite nahe Null", wie der Meteorologe schreibt.

Waren Autofahrer auf A71 für die Wetterverhältnisse zu schnell unterwegs?

Soll heißen: Die Verkehrsteilnehmer hatten genug Zeit, sich auf die schwierigen Bedingungen einzustellen und abzubremsen – haben es aber nicht getan. "Die Unfallstrecke ist nicht durch ein Tempolimit beschränkt. Das führt regelmäßig dazu, dass Autos auf solchen Strecken signifikant schneller fahren bei für diese Bedingungen völlig ungeeigneten Geschwindigkeiten", schreibt Kachelmann. "So war auch auf der A71 wie immer nichts plötzlich, sondern nur der übliche Effekt, wenn viel zu schnell gefahren wird, weil man es kann."

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Jörg Kachelmann fordert Tempolimit

Neben den Autofahrern sieht der Wetter-Fachmann aber auch die Politik in der Schuld. "Nichts wäre passiert bei einem Tempolimit", twittert Kachelmann, der sich immer wieder für eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen ausspricht. Einige Politiker würden den Verzicht auf ein Limit aber "Freiheit" nennen, sagt der Meteorologe sarkastisch.

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Das ist Jörrg Kachelmann:

  • 1958 in der Schweiz geboren
  • Erste Wettervorhersagen für die ARD ab 1994
  • 2010: Verdacht der Vergewaltigung ´– 2011: Freispruch
  • Seit Oktober 2018 erneute Moderation der MRD-Talkshow Riverboat

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"Vertrottelter Autofahrer": Kachelmann teilt nach Unfall auf A71 aus

All seinen Unmut über die Massenkarambolage fasste Jörg Kachelmann in einem Tweet wörtlich so zusammen: "Wie immer: Der Hagelschauer war nicht plötzlich, er war ortsfest. Damit das passiert, bedarf es eines Landes, in dem man >130 fahren darf. Und mindestens eines vertrottelten Autofahrers, die mit viel mehr in den Vorhang reinfährt und dann bremst, wenn er die Graupeldecke sieht."