Björn Höcke: AfD singt im Live-Video „Deutschland, Deutschland über alles“ und Höcke macht mit

Thüringer AfD-Chef Björn Höcke hat bei einem Treffen der AfD-Gruppierung „Der Flügel“ eine Rede gehalten. Im Anschluss stimmte der Chor "Deutschland, Deutschland über alles" an. (Archivbild)
Thüringer AfD-Chef Björn Höcke hat bei einem Treffen der AfD-Gruppierung „Der Flügel“ eine Rede gehalten. Im Anschluss stimmte der Chor "Deutschland, Deutschland über alles" an. (Archivbild)
Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Thüringen/Bayern. Unter Björn Höcke sang die AfD-Gruppierung „Der Flügel“ am Wochenende das gesamte „Lied der Deutschen“ – inklusive der ersten beiden Strophen mit den Passagen „Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt“. Live vor den Handy-Kameras. Und Björn Höcke stimmte mit ein – wenngleich auch nach einigem Zögern.

AfD stimmt nach Höcke-Rede "Deutschland, Deutschland über alles" an

Wie Welt berichtete, trat Björn Höcke am Samstag in Greding in Bayern als Redner bei „Der Flügel“ auf. Einer Gruppierung die demnach im Januar 2019 vom Verfassungsschutz als Verdachtsfall für rechtsextremistische Bestrebungen eingestuft wurde.

Per Live-Video verfolgte Gernot H. Tegetmeyer, Pegida-Redner und Rechtsaktivist, das Geschehen auf der Bühne. So dann auch die Szene, in der nach Höckes Rede schließlich „Deutschland, Deutschland über alles“ über die Lautsprecher durch den Saal schallte.

Höcke starrt auf Schuhe und singt ab zweiter Strophe mit

Rund 15 Personen standen Höcke auf dem Podium zur Seite und stimmten eifrig ein. Höcke selbst unterhielt sich zunächst mit seiner Nachbarin und starrte mit leichtem Grinsen im Gesicht immer wieder auf seine Schuhe.

Erst ab der zweiten Strophe lässt auch Björn Höcke sich mitreißen und singt deutlich mit. Selbst die technischen Pannen wurden einfach gekonnt übertönt.

Erste Strophe vom "Lied der Deutschen" schallt ab Minute 18 durch den Saal

Höcke selbst schrieb vor drei Jahren auf Facebook, er habe das „Lied der Deutschen“ im Geschichtsunterricht „stets gerne als Quelle eingesetzt, weil die Sehnsucht des Autors nach Einigung des gesamten deutschen Volkes in rechtsstaatlicher Verfasstheit die Sehnsucht eines Großteils des Bürgertums in der Zeit des Vormärz war“, zitiert die Welt.

Björn Höcke selbst habe sich bisher auf eine Anfrage der Bild-Zeitung zu den Geschehnissen noch nicht äußern wollen.

Die ersten Strophen der Nationalhymne - nicht verboten aber nicht erwünscht

1922 erklärte Reichspräsident Friedrich Ebert das von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben getextete „Lied der Deutschen“ zur Nationalhymne der Weimarer Republik. Die Nationalsozialisten behielten das Lied bei, ließen jedoch nach der ersten Strophe das heute verbotene Horst-Wessel-Lied spielen – das Parteilied der NSDAP.

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Nach dem Zweiten Weltkrieg galt das öffentliche Singen des Liedes der Deutschen in der amerikanischen Zone als untersagt. Unter Konrad Adenauer erklärte Bundespräsident Theodor Heuss das Lied im Jahr 1952 wieder zur deutschen Nationalhymne, jedoch solle bei offiziellen Anlässen nur die dritte Strophe gesungen werden.

1990 fällte das Bundesverfassungsgericht die Entscheidung, dass das Singen der ersten oder zweiten Strophe nicht verboten ist. Unter dem Schutz der Kunstfreiheit dürfte demnach das ganze Lied interpretiert werden. (aj)