Söhne vergewaltigt und Kiste für Sklaven gebaut: Paar aus Thüringen soll Abscheuliches getan haben

Einem Paar aus Thüringen wird Abscheuliches vorgeworfen. (Symbolfoto)
Einem Paar aus Thüringen wird Abscheuliches vorgeworfen. (Symbolfoto)
Foto: Ute Grabowsky/photothek.net / imago/photothek

Meiningen. Die Zwillingsbabys einer Mutter wollte ein Ehepaar aus Thüringen für sich behalten. Vor Gericht muss sich das Paar auch wegen weiterer schwerer Vorwürfe verantworten. Die Taten und Pläne des Mannes und der Frau klingen unvorstellbar abscheulich.

In dem Prozess um Vorwürfe wegen Menschenhandels und Kindesmissbrauchs hat sich das angeklagte Ehepaar aus Thüringen zum Verfahrensauftakt zunächst nicht geäußert. Erst im Verlauf des Tages ließ die angeklagte Ehefrau mitteilen, doch Aussagen treffen zu wollen. Die Einlassung der Frau fand allerdings hinter für die Öffentlichkeit verschlossenen Türen statt. Ihre Aussagen betrafen die Intimsphäre der Frau, sagte die Vorsitzende Richterin.

Paar lockt sie ins Haus : Mutter mit Zwillingen in Thüringen verschwunden

Der Prozessbeginn am Landgericht Meiningen zog am Dienstag viele Zuschauer an. Hintergrund ist der Fall einer Zwillingsmutter, die im vergangenen Herbst mitsamt ihrer Babys zeitweise als verschwunden galt. Auch der Verteidiger des Ehemanns kündigte eine Einlassung seines Mandanten zu einem späteren Zeitpunkt an.

Die Staatsanwaltschaft legte dem Ehepaar zur Last, nach einem zuvor gemeinsam gefassten Plan die Zwillingsmutter mit ihren Babys unter dem Vorwand, sie hätten Kindersachen für sie, in ihr Wohnhaus in ein Dorf nahe Meiningen gelockt zu haben. Sie brachten die Frau demnach dazu, die Ausgehzeit zu überziehen, an die sie sich als Bewohnerin eines Mutter-Kind-Heims hätte halten sollen.

Auch diesen Umstand nutzte das Paar den Vorwürfen nach aus, um der Mutter einzureden, bei der 39-Jährigen und ihrem 45 Jahre alten Ehemann zu bleiben. Sonst würde sie ihre Kinder an das Jugendamt abgeben müssen, so die konstruierte Drohkulisse des Ehepaars.

Paar wollte Mutter nach Afrika verkaufen und ihre Kinder aufziehen

Der weitere Plan der Eheleute soll gewesen sein, die geistig leicht gehandicapte Mutter nach Afrika zu schicken, wo sie hätte zwangsverheiratet werden sollen. Das Paar glaubte, in E-Mail-Kontakt mit einem mutmaßlichen Menschenhändler zu sein. Die Zwillinge habe das Paar als eigene Kinder ausgeben und großziehen wollen. Sie sollen den damals drei Monate alten Babys bereits andere Namen gegeben haben – Alexandra und Alexander.

------------------------------------

Mehr Themen aus Thüringen:

------------------------------------

Vermisste Frau kann Haus erst nach zwei Wochen verlassen

Rund zwei Wochen lang sollen sie die Frau im Herbst vergangenen Jahres so an sich gebunden haben. Aus Heimweh, schlechtem Gewissen und dem Wunsch, wieder einmal zu duschen, habe die Mutter dann eine passende Gelegenheit genutzt, um das Haus mit ihren Kindern zu verlassen. Zeugen erkannten die Frau, die seit Tagen gesucht wurde, und alarmierten die Polizei.

Mann soll seine Söhne vergewaltigt haben – mit dem Wissen der Frau

Damit hörte die Anklageschrift aber nicht auf: Der Ehemann soll zwei seiner leiblichen Söhne in mindestens sechs Fällen zwischen Juni 2015 bis er im Oktober vergangenen Jahres in Untersuchungshaft schwer sexuell missbraucht haben. Die Mutter und Ehefrau soll davon gewusst, aber nichts dagegen unternommen haben.

Kiste gebaut: Menschen sollten als Sklaven gehalten werden

Stattdessen wirft die Staatsanwaltschaft dem Paar vor, die heute sechs und acht Jahre alten Söhne in mindestens drei Fällen in eine vom 45-Jährigen gebaute Kiste gesperrt zu haben. Die Kiste sollte dazu dienen, dort Menschen unterzubringen, die der 45-Jährige dann als Sklaven missbrauchen wollte, wie es in der Anklage hieß.

Kinder verfallen in Schockstarre

Eine Zeugin, die neben den zwei Söhnen auch zwei Töchter des Ehepaars betreut, berichtete vom Zustand der Kinder. Demnach seien alle vier etwa hinter der sprachlichen Entwicklung Gleichaltriger zurück und wiesen Auffälligkeiten auf. So verfielen die Kinder etwa in bestimmten Situationen in eine Art Schockstarre.

Auch seien die Zähne der Kinder in einem schlechten Zustand gewesen. Die Betreuerin berichtete von einem Zahnarztbesuch mit einer Tochter, bei dem der Arzt attestiert habe, dass die Zahnstümpfe im Mund der Kleinen ein Ergebnis von Gewalteinwirkung seien. Die Verhandlung soll am 4. und 13. Juni fortgesetzt werden. (dpa)