Nach Rechtsrock in Themar: Stell' dir vor, es ist ein Nazi-Konzert und keiner geht hin ...

Themar: Einigen Bands, die bei den Rechtsrock-Konzerten auftreten wollten, hat die Polizei einen Strich durch die Rechnung gemacht.
Themar: Einigen Bands, die bei den Rechtsrock-Konzerten auftreten wollten, hat die Polizei einen Strich durch die Rechnung gemacht.
Foto: dpa

Nach dem Rechtsrock-Festival in Themar sehen Experten die Zeit solcher Großveranstaltungen dem Ende nahe.

Das konsequente Eingreifen der Polizei am vergangenen Wochenende beim Rechtsrock-Konzert in Thüringen habe den Trend bestärkt, sagte ein Sprecher des Thüringer Projekts Mobit gegen Rechtsextremismus der Deutschen Presse-Agentur.

Rechtsrock in Themar: Deshalb sind die Konzerte für viele Rechte unbeliebter geworden

„Es zeichnet sich ab, dass Großveranstaltungen dieser Art für einen großen Teil der Szene nicht mehr interessant sind.“ Dass Besucher solcher Konzerte inzwischen nicht ungestört seien, mache solche Konzerte für viele unattraktiv.

Grund sind nach Einschätzung von Mobit die harten und breit kommunizierten Behördenauflagen sowie etwa im Fall von Themar das Durchgreifen der Polizei beim Durchsetzen dieser Regeln.

------------------------------------

• Mehr Themen:

Große Sorge um Angela Merkel: Dritter Zitteranfall vor laufenden Kameras

Aufregung beim Sportfest in Erfurt: Kinder laufen mit T-Shirts einer rechtsextremistischen Partei auf

Wetter in Thüringen: Experten mit erschreckender Bilanz – doch die Prognose wird noch düsterer

Kleiner Hund sucht ein Zuhause: Tierheimat Thüringen hat eine wichtige Botschaft

-------------------------------------

Das Projekt Mobile Beratung in Thüringen. Für Demokratie – gegen Rechtsextremismus (Mobit) beobachtet seit Jahren rechtsextreme Entwicklungen in Thüringen und veröffentlich regelmäßig auch eigene Zählungen zu Veranstaltungen der rechtsextremen Szene.

Auch in Sachsen kamen nur relativ wenige Besucher zu Rechtsrock-Konzerten

Schon im sächsischen Ostritz habe sich gezeigt, dass nur relativ wenige Besucher zu Rechtsrock-Konzerten kämen, wenn sie damit rechnen müssten, permanent von der Polizei beobachtet zu werden, sagte der Mobit-Sprecher. Auch Alkoholverbote würden die Konzerte zunehmend unattraktiv machen.

Sowohl in Ostritz als auch in Themar hatte die Polizei Alkohol auf dem Veranstaltungsgelände der Rechtsextremen beschlagnahmt, um Alkoholverbote umzusetzen. Zudem hatte die Polizei in Themar am Freitag die Auftritte zweier rechtsextremer Bands abgebrochen, nachdem diese mutmaßlich verbotene beziehungsweise nicht-angemeldete Lieder gespielt hatten.

------------------------------------

• Mehr zu dem Thema:

Rechtsrock in Themar: Konzert wird Fall für die Gerichte – aus diesem Grund

Protest gegen Rechtsrock in Themar: Ramelow feiert den Widerstand

Thüringen: Polizei bricht Rechtsrock-Konzerte ab und beschlagnahmt Bier

-------------------------------------

In diesem Jahr waren zu dem Rechtsrock-Konzert in Themar deutlich weniger Besucher gekommen als im vergangenen Jahr. Nach Angaben der Polizei waren vergangenen Samstag über den Tag verteilt etwa 920 Menschen auf dem Gelände der rechtsextremen Veranstalter.

Rechtsrock in Themar: Nur noch etwa die Hälfte der Besucherzahl im Vergleich zum Vorjahr

Im Vorjahr waren nach damaligen Polizeiangaben noch mehr als 1700 Besucher gleichzeitig auf dem Festivalgelände. Wie viele es über den Tag verteilt waren, hatte die Polizei damals nicht erfasst.

Rechte Szene sei aber dennoch nicht weniger gefährlich

Dass sich diese Tendenz abzeichne, bedeutet aber nicht, dass die rechte Szene weniger gefährlich werde, sagte der Mobit-Sprecher. Auch ändere dieser Trend nichts daran, dass Thüringen weiterhin eine Hochburg für rechtsextreme Musikveranstaltungen sei.

Thüringens Innenminister hofft, dass die Großveranstaltungen verschwinden

Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) hofft, dass zumindest die Großveranstaltungen bald aus dem Freistaat verschwinden. Die kleineren Konzerte seien schwieriger zurückzudrängen. „Das sind nämlich Versammlungen in geschlossenen Räumen“, sagte Maier. Da sei es unter anderem schwieriger, strenge Auflagen zu erteilen.

Doch die Zahl der rechten Musikveranstaltungen steigt

Nach der jüngsten Mobit-Statistik gab es 2018 in Thüringen 71 rechte Musikveranstaltungen – so viele wie nie zuvor seit Beginn der Zählung in den 2000er Jahren. Vier dieser Veranstaltungen klassifizierten die Demokratieberater als Großveranstaltungen. Dagegen waren davon 45 Liederabende. Deren Zahl lag am Beginn der 2010er-Jahre noch bei sechs bis sieben pro Jahr. (dpa)