Wildes Tier rennt in Thüringen vor Kamera – das könnte jetzt tödlich enden

Thüringens einziger standorttreuen Wölfin könnte es jetzt an den Kragen gehen. Denn sie soll sich nicht arttypisch verhalten. (Symbolbild)
Thüringens einziger standorttreuen Wölfin könnte es jetzt an den Kragen gehen. Denn sie soll sich nicht arttypisch verhalten. (Symbolbild)
Foto: Swen Pförtner / dpa

Ohrdruf. In Thüringen fordern Schäfer jetzt den Abschuss der Ohrdrurfer Wölfin. Denn die würde sich völlig untypisch verhalten und die eigene Art gefährden.

Eine Aufnahme aus einer in ihrem Revier auf dem Bundeswehrübungsplatz Ohrdruf platzierten Fotofalle zeigt drei Wolfskinder – zwei schwarz, einer grau.

Die Nachricht vom dem neuen Mischlingsnachwuchs hat kritische Reaktionen hervorgerufen.

Schäfer und CDU: Wölfin sollte geschossen werden

Sie hat zum zweiten Mal Nachwuchs bekommen, das sei für Europa völlig untypisch, meint der Chef der Agrargenossenschaft Thörey, Siegmar Arnold gegenüber dem MDR.

Thüringens Schäfer fordern nun den Abschuss des Muttertiers.

Laut Landwirtschafts-Sprecher der CDU würden die Schäfer der Umgebung von Ohrdruf zudem berichten, dass die Wölfin eine ausgefeilte Jagdstrategie entwickelt habe, die es ihr ermöglicht, selbst als sicher geltende Wolfszäune zu überwinden.

Diese Technik gebe sie an ihren Nachwuchs weiter. „Damit wird die Wölfin mit ihrem artuntypischen Verhalten zur Gefahr nicht nur für die umgebende Landwirtschaft“, so der Sprecher Malsch. Auch das rechtfertige nach Meinung der CDU die Erteilung einer Abschussgenehmigung.

Der Naturschutzbund Nabu sieht das jedoch anders.

Nabu: Streunende Hunde sollten gefangen werden

Silvester Tamás, Wolf-Experte beim Naturschutzbund (Nabu) Thüringen, forderte etwa, dass deutlich energischer gegen Hunde vorgegangen werden müsse, die auf und um das bekannte Wolfrevier auf dem Bundeswehrübungsplatz bei Ohrdruf umherstreunten.

Diese Hunde müssten gezielt gefangen werden, um eine Paarung mit der Wölfin zu verhindern. „Wäre das schon frühzeitig beachtet worden, wäre es nicht zum ersten Hybrid-Wurf gekommen und man hätte Kosten sparen können“, sagte Tamás am Mittwoch.

Foto bestätigt: Wieder Wolf-Welpen in Thüringen

Die Wölfin bei Ohrdruf hatte sich 2017 mit einem Haushund gepaart und sechs Wolf-Hund-Mischlinge, sogenannte Hybriden, zur Welt gebracht. Vier von ihnen wurden mit Genehmigung der Naturschutzbehörde aus Artenschutzgründen erschossen. Es sollte vermieden werden, dass die Tiere abwanderten, sich weiter fortpflanzten und so den Genpool der streng geschützten Art Wolf verwässerten. Was aus den anderen Mischlingen wurde, ist bisher nicht bekannt.

Möglicherweise ist einer der Söhne der Vater eines neuen Wurfes der Wölfin. Eine Aufnahme aus einer Fotofalle auf ihrem Revier zeigt mindestens drei Jungtiere, die ihrer Optik nach laut Experten vermutlich wieder Mischlinge sind. Ihr Alter wird aktuell auf zwei bis drei Monate geschätzt.

Wolfsjungen sollen eingefangen werden

In Abstimmung mit der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Wolf plant das Umweltministerium nun wieder, die Tiere lebend mit sogenannten Kastenfallen zu fangen. Sollte das gelingen, würden sie in den Alternativen Bärenpark nach Worbis gebracht werden.

Diesen Plan hatte das Umweltministerium bereits für den ersten Mischlingswurf der Wölfin verfolgt. Das gelang bisher aber nicht. Vier der sechs Mischlinge aus dem ersten Wurf wurden inzwischen mit Genehmigung der zuständigen Naturschutzbehörde aus Artenschutzgründen erschossen.

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Wolf-Hybride verwässern gefährdeten Genpool

Die Hybride sollen aus der freien Wildbahn entfernt werden, damit sie nicht den Genpool der - als stark gefährdet eingestuften - Art Wolf verwässern.

Die Aufnahme der Welpen stammt von 20. Juli. Ein genetischer Beleg dafür, dass es sich um Hybride handelt, liegt aber nicht vor. (dpa, aj)