„Lost Places“ Thüringen: Diese 10 verlassenen Orte musst du unbedingt gesehen haben

Ein echter „Lost Place“ in Thüringen verbirgt sich im Jenaer Forst.
Ein echter „Lost Place“ in Thüringen verbirgt sich im Jenaer Forst.
Foto: imago images / Karina Hessland
  • Thüringen hat zahlreiche, spannende „Lost Places“
  • Hier liest du, welche mysteriösen und verlassenen Orte es gibt

„Lost Places“ in Thüringen – Orte im Land, die vergessen wurden. Das können verlassene Bauwerke, Ruinen oder nicht mehr genutzte militärische Anlagen sein.

Die verschiedensten, geheimnisvollsten Geschichten ranken sich um die „Lost Places“. Und meist erzeugen sie eine mysteriöse Atmosphäre...

In Thüringen gibt es viele dieser „Lost Places“, da für viele alte Gebäude aus DDR-Zeiten kein neuer Investor gefunden werden konnte.

Ein weiterer Grund: Es gibt kein neues Nutzungskonzept für die Häuser. Somit gammeln die alten Gebäude vor sich hin – und entwickeln meist eine mystische Aura.

Wir haben die spannendsten „Lost Places“ für dich in Thüringen ausfindig gemacht. Aber bitte bedenke: Einige alte Bauten dürfen nicht betreten werden! Sie sind teils stark einsturzgefährdet und somit extrem gefährlich.

Die Top Ten der „Lost Places“ in Thüringen

Oertelsbruch bei Lehesten

Das alte große heruntergekommene Fachwerkhaus im Oertelsbruch bei Lehesten war früher in Besitz der Familie Oertel. Sie betrieb auf dem weitläufigen Gelände Schieferbau um 1860 mit rund 800 Arbeitern – inklusive einem Bahnhof und einem Krankenhaus.

Ende der 1920er Jahre musste die Familie in der zweiten Generation viele Einbußen durch die Weltwirtschaftskrise verkraften. Jedoch boomte zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs der Schieferbergbau wieder.

Heute liegen die Räume voller Bauschutt und der Putz brökelt an jeder Ecke. Das alte große Fachwerkhaus sieht aus, als würde es jeden Moment einstürzen. Somit verwundert es, dass der Oertelsbruch bis 2009 noch bewohnt war.

Wer das Gelände heute betreten möchte, hat leider Pech: Es ist verboten.

Burgruine Reichenfels

Wenn du schon einmal zu einer Wandertour durch Thüringen aufgebrochen bist, dürftest du an der Burgruine Reichenfels vorbei gegangen sein. Früher haben wahrscheinlich schon Adlige und Grafen auf den alten Pflastersteinen getanzt. Doch ab dem 18. Jahrhundert ließen Fürsten die Burg verkommen.

Die verlassene Festung aus dem 12. Jahrhundert gilt heute als besonderer Ort, um Hochzeiten zu feiern. Der große Innenplatz und die kleinen Hohlräume in der Festung deuten auf ein lebendiges Treiben innerhalb der Schlossmauern hin. Wer sich wie eine Prinzessin auf ihren Prinzen fühlen möchte, kann durch das alte Labyrinth schlängeln und den ein oder anderen geheimen Spot entdecken.

Automobilwerk Eisenach

Ein weiterer verlassener Industrieort ist das alte Automobilwerk Eisenach von 1896. Die ehemalige Fahrzeugfabrik wurde im Zweiten Weltkrieg verstaatlicht. Bis 1991 wurden in der Fabrik zahlreiche nahmhafte Autotypen wie der BMW 328 oder der Wartburg 353 hergestellt.

Danach wurde das Werk geschlossen – 4.500 Mitarbeiter verloren schlagartig ihren Job. Einige kleinere Gebäude auf dem Gelände wurde direkt abgerissen und auf dem eigentlichen Werkegelände steht seit 2005 ein Museum. Darin kann man bei einer Tour noch die alten Autos bewundern und sich das lebendige Treiben auf dem Riesenareal vorstellen.

Gaswerk Eisenach

Nicht nur das Autowerk steht leer, sondern auch das Gaswerk in Eisenach. Das alte Industriegebäude war seit 1898 in Betrieb und wurde 1990 eingestellt. Der Grund: Niemand brauchte mehr den Brennstoff Kohle in Eisenach. Doch das stillgelegte Gebiet sollte nicht für einen coolen Fotospot genutzt werden. Der Boden und die Gebäude sind durch Schadstoffe komplett verseucht.

Deshalb sieht das Werk stark verlassen aus: Marode Fenster und Türen, überall liegen Metallwerkzeuge rum sowie schwarz verkohlte Wände. Das Gelände wird aus dem Grund 2019 vollständig saniert.

Bad am Schwanenteich

Bei diesem „Lost Place“ ist wirklich die Zeit stehen geblieben. Das Bad der ehemaligen Sozialistischen Jugend am Schwanenteich sieht aus, als wäre es einfach irgendwann nicht mehr benutzt worden. 1958 wurde das Freibad mit einem großen Schwimmbecken und einem Sprungturm von der DDR-Führung gebaut. Im Rahmen der Aufbauarbeiten in der DDR bauten vor allem Arbeiter und Jugendliche die Freizeitstätte auf.

Heute steht das Bad ungenutzt und verwachsen in der Natur am restaurierten Schwanenteich. Der ist sogar begehbar. Im April 2019 dann endlich der lang ersehnte Spatenstich für einen Neubau des Freibades, den die Bürger sich seit Jahren sich gewünscht hatten.

Kostenpunkt: rund 6,2 Millionen Euro. Dafür soll es dann aber auch eine Rutsche geben.

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Fachklinik Bad Liebenstein

Was früher als schönstes Hotelgebäude und später als renommiertes Lazarett diente, ist heute nur noch ein verrottetes altes Schloss. Es galt zur seiner Eröffnung als prunkvolles „Hotel Charlotte“ - als schönstes Gebäude in ganz Liebenstein. Dort residierten in den 1860er Jahren nahmhafte Opernsänger und Pianisten.

Von dem Glanz ist leider nichts mehr übrig. Die einst eindrucksvolle Veranda ist nur noch ein dreckiger Eingang in eine verlassene Welt. Dahinter: abgerissene Vorhänge, Graffitti soweit das Auge reicht und Schimmel in den kaputten Räumen.

Hotel Fürstenhof Eisenach

Das Hotel Fürstenhof in Eisenach gehört auch zu den Hotels, die ihren Glanz leider verloren haben. Was einst der größte Veranstaltungsort in Thüringen mit 1800 Personen war, ist heute auch nur noch Schutt und Asche. Es wirkt, als hätte man einmal das Halloween-Komittee durch das prunkvolle Hotel geschickt. In den 1920er Jahren im Obergeschoss gar ein Casino beheimatet.

Von dem großen Festsaal ist nicht mehr viel übrig. Die ehemaligen goldenen Kronleuchter hängen trostlos von der Decke. Die Stadt will dem jetzigen Pächter mit Fördergeldern zumindest einen Komplett-Abriss erparen.

Sanatorium Waldhaus

In Sülzhayn steht ein leeres Sanatorium am Rande eines Waldes. Es wirkt so, als würde sich die Natur das Haus zu Eigen machen. Moos, Baumranken und zerfressenes Holz zieren die marode Inneneinrichtung. Das Sanatorium war als Erholungsstätte gedacht.

1932 gab es dort 90 Betten, die schon lange nicht mehr Im Haus stehen. Die Stadt plant seit 2016 das Sanatorium abzureißen und ein Dorfzentrum zu errichten, denn in dem Gebäude kann sich wirklich niemand mehr wohlfühlen.

Villa Roeseschen Hölzchen

Den letzten „Lost Place“ den wir noch für euch gefunden haben: Die Villa am Roeseschen Hölzchen. Die am Berghang gelegene alte Villa aus dem Jahr 1888 ist nur über einen kleinen wackligen Holzweg zu erreichen. Immer wieder wurden neue Baupläne von dem Eigentümer gestellt, aber die Stadt lehnte ab.

Sie will neue Mietwohnungen auf dem 3000 Meter großen Grundstück bauen. Dabei steht die heruntergekommene Villa nur im Weg. Außerdem ist der Fakt, dass man sie nicht erreichen kann, der Stadt ein Dorn im Auge. Auch hier holt die Natur sich am Waldrand ihren Platz zurück: Das Holz ist überall morsch im Haus und sieht es so aus, als könnte es jeden Moment zusammen brechen.

Kinderheim „Hilde Coppi“

Eine Szene wie aus einem Horrorfilm: Schwarze verblasste Abdrücke von kleinen Patschehändchen an einer Steinwand, die im Dunkeln liegt. Mit der Taschenlampe kann man das Bild im verlassenen ehemaligen Kinderheim „Hilde Coppi“ in Schleusingen entdecken. Auf dem Boden liegen teilweise noch Kinderschuhe und manchmal erspäht man Tische mit verschimmeltem Kinderspielzeug. In den Wänden des 1892 erbauten Gebäudes hallen die Stimmen der Weisen im zweiten Weltkrieg noch nach.

Einem Forschungsbericht der Stadt Thüringen zufolge haben viele damalige Bewohner immer noch nicht die Eindrücke ihrer Heimzeit bewältigt. Es gibt etliche Spekulationen um das Heim: Kinderarbeit, Experimente mit Menschen und Misshandlungen sollen dort stattgefunden haben. Für eine weitere Gänsehaut sorgt das Gerücht, dass das Heim nach der Schließung 1994 ein bekannter Treffpunkt von rechten Gruppen gewesen sein soll. Wenn das wahr sein sollte, wird sich die enthauptete Namensgeberin und Widerstandkämpferin Hilde Coppi wahrscheinlich im Grab umdrehen.

Fotospot für Entdecker

Auch wenn die „Lost Places“ alle leer stehen, ein guter Fotospot sind sie allemal. Wie der Fotograf Markus Schmidt in einem Interview mit dem MDR erklärt, stecken unzählige Geschichten hinter den maroden Türen. Er fände es sehr schade, dass die teils prunkvollen Gebäude wie Villen oder Schlösser einfach so verkommen würden.

Ein anderer Aspekt die Häuser aufzusuchen: Geocaching. Das ist eine virtuelle Schnitzeljagd, bei der man mit Tipps und Rätseln bestimmte Koordinaten finden soll. (el)