Thüringen: „Lost Places“-Experte enthüllt krasseste Geheimtipps: „Wirklich beeindruckend“

Der „Lost Places“ Fotograf Markus Schmidt enthüllt im Interview seine geheimen Details über die spannendsten Orte in Thüringen.
Der „Lost Places“ Fotograf Markus Schmidt enthüllt im Interview seine geheimen Details über die spannendsten Orte in Thüringen.
Foto: Markus Schmidt
  • Der Fotograf Markus Schmidt ist Experte für „Lost Places“
  • Im Interview verrät er seinen Lieblingsort in Thüringen
  • Warum die Bilder wichtig für die Bürger sind, liest du hier

Der Fotograf Markus Schmidt (29) aus Jena in Thüringen hat sich auf „Lost Places“ spezialisiert. Für ihn lösen die verlassenen Orte regelrecht eine Fantasiewelt im Kopf aus, was gewesen sein könnte. Und genau diese Atmosphäre will er mit seiner Kamera einfangen.

Bevor Thüringen24 mit ihm spricht, ist Markus Schmidt frisch aus England von einer Fotoreise zurück. Zuvor knipste er mehrere Monate am Niederrhein für seinen neuen Bildband.

In Thüringen ist er sehr aktiv als Fotograf und hat einen Bildband über die verlassen Gebäude in seiner Heimat veröffentlicht. Thüringen24 hat er erzählt, welcher „Lost Place“ ihn noch schocken kann.

Thüringen24: Der besondere Trend, verfallene Gebäude abzulichten, scheint total in zu sein. Was fasziniert dich an „Lost Places“?

Markus Schmidt: Wenn ich ein altes Gebäude betrete, ist da erstmal der Nervenkitzel. Man weiß ja vorher nie genau, was einen erwartet. Bei manchen Orten denkt man auch nur so: „Was ist denn hier passiert? Warum hat der eine Videothek im Obergeschoss?“ Wenn ich einen „Lost Place“ besucht habe, dann beschäftige ich mich danach immer ganz ausführlich mit der Entstehung und den Menschen, die da gelebt haben könnten.

Viele Bürger betrachten die Orte als Schandflecken in ihrer Stadt. Ich sehe sie mehr die Geschichte dahinter und will zeigen, dass sie nicht nur hässlich sind. Man kann so viele Geschichten von diesen Orten erzählen.

Wie hast du die „Lost Places“ entdeckt?

Das hat mit dem Geocachen als Jugendlicher angefangen. Die coolsten und schwierigsten Caches lagen alle in den verlassenen Orten. Man musste klettern und sich viel durch dunkle Räume arbeiten. Da kam ich dann zum ersten Mal mit dem Thema in Berührung. Als der Verlag dann auf mich zu kam, kamen die alten Bilder wieder hoch. Da hatte ich dann Lust auf die Kooperation.

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Da aus der DDR-Zeit noch viele leerstehende Gebäude ohne neues Nutzungskonzept überbleiben, gibt es gerade in Thüringen viele verlassene Orte. Was ist dein Lieblingsort in Thüringen?

Das ist richtig schwer zu sagen (überlegt erstmal einen Moment). Also es fällt mir als erstes die Sophienheilstätte in Bad Liebenstein ein. Die ist echt richtig schön - bis sie vom Vandalismus zerstört wurde. Die Geschichte dahinter hat mich irgendwie total berührt. Wo die Geschichte noch eindrucksvoller ist, ist das Sanatorium Schwarzeck in Bad Blankenburg. Vom Kurhaus zum Hotel und dann zur Disco – wirklich beeindruckend.

Dann gibt es noch so ein Haus von einem ehemaligen Hundezüchter. Da habe ich wirklich gedacht „Hier hat ein gruseliger Irrer gehaust“. Das war wirklich heftig und da hatte ich auch echt ein bisschen Bammel.

Man muss aber immer dazu sagen, dass die "Lost Places" meist einem Mieter, der Stadt oder einem Verein gehören. Die kümmern sich um die alten Gebäude und entwickeln neue Nutzungskonzepte.

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Was hat dich letztendlich überzeugt ein Buch über die Orte zu veröffentlichen?

Als erstes ist der Verlag auf mich zu gekommen, weil es wenige Fotografen gibt, die die „Lost Places“ in ihrer ganzen Form abbilden. Mir war vor allem wichtig zu zeigen, dass das alles Orte und Gebäude sind, die nicht einfach nur verfallen sollten. Der Verfall könnte so schön sein, aber die meisten Gebäude sind leider vom Vandalismus betroffen. Es ist wichtig, die Geschichten dieser Orte zu erzählen.

Viele Leute klauen auch einfach Sachen aus den historischen Gebäuden, randalieren oder beschmieren die Wände. Die menschliche Gewalt macht aus den besonderen Orten dann diese „Schandflecken“.

Wenn die alten Gebäude mit Gewalt zerstören wurden, wie kannst du dir dann den Trend um die „Lost Places“ erklären?

Viele landen durch das Geocachen an den besonderen Orten. Immer mehr Menschen interessieren sich dafür. Die Nachfrage ist echt groß. Doch dieser Hype um Fotos in den verlassenen Gebäuden ist immer noch ein Negativtrend. Die Menschen können sich in den einsturzgefährdeten Gebäuden verletzen. Es ist also sehr gefährlich, die verlassenen Orte nur zum Spaß zu betreten. Zudem ist es unbedingt notwendig, eine Genehmigung zum Betreten dieser Orte zu haben. Um es klar zu sagen: Ohne Genehmigung bringt man sich in Lebensgefahr und macht sich strafbar. Der sogenannte Trend ist eine harte Grauzone.

Markus Schmidt veröffentlicht am 21. Oktober sein neues Buch "Verlassene Orte am Niederrhein". Erhältlich bei Amazon im Sutton Momentaufnahmen Verlag für 21,99 Euro.