Nach Landtagswahlen: Thüringen vor radikalem Umbruch – doch eine Sache macht Hoffnung

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Was Brandenburg und Sachsen seit diesem Sonntag bereits hinter sich haben, steht Thüringen noch bevor. Ein radikaler politischer Umbruch. Das haben die Wahlen in den Nachbarländern gezeigt.

Was in den 30 Jahren seit der Wiedervereinigung galt, ist Geschichte. Eine Erinnerung, die mit den Jahren verblassen wird. Die Zeiten, in denen es klare Regeln und klare Mehrheiten im politischen Geschäft gab, sind vorbei. Endgültig.

Landtagswahlen zeigen: Die AfD ist in der Mitte angekommen

Die AfD ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Selbst Verstrickungen in die klar rechtsradikale Szene hielten die Brandenburger nicht davon ab, den AfD-Spitzenkandidaten Andreas Kalbitz zu wählen.

Die AfD hält sich nicht an parlamentarische Gepflogenheiten oder an fairen Wettbewerb. Sie sieht andere Parteien nicht als politische Gegner sondern als ideologische Feinde. Mit diesem Denken hat sie über ein Viertel der Wähler in Brandenburg und Sachsen überzeugt. Auch in Thüringen wird sie im Oktober einen Erfolg feiern.

Die AfD sucht nicht die besseren Argumente

Die aktuellen Umfragen sprechen eine deutliche Sprache. Die AfD liegt auch in Thüringen bei 20 Prozent - und wäre damit doppelt so stark, wie bei der vergangenen Landtagswahl 2014.

Die Wähler der AfD mag das freuen. Und doch vergiftet diese Denkweise die Parlamente - das Herz der deutschen Demokratie. Die AfD will nicht die besseren Argumente liefern, sie will das aktuelle System überwinden.

Björn Höcke will nur den „vollständigen Sieg“

Das machte Thüringens AfD-Chef Björn Höcke 2017 in einer Rede in Dresden deutlich, als er sagte: „Ich weise dieser Partei einen langen und entbehrungsreichen Weg. Aber es ist der einzige Weg, der zu einem vollständigen Sieg führt, und dieses Land braucht einen vollständigen Sieg der AfD und deshalb will ich diesen Weg – und nur diesen Weg – mit euch gehen, liebe Freunde!“ Nur dieser Weg. Jeder andere Weg ist schlecht. So denkt Höcke.

Dieses Denken bringt die AfD nun in den Thüringer Wahlkampf. Er wird die Gesellschaft noch weiter auseinandertreiben. Schon jetzt leben die Menschen, auch innerhalb Thüringens, in komplett unterschiedlichen Welten.

Der Wahlkampf dürfte dreckig werden

Der Student in Erfurt kann die Lebenswirklichkeit eines 45-jährigen Familienvaters auf dem thüringischen Land nicht verstehen.

Andere Parteien wissen das ebenso gut wie die AfD. Doch die AfD nutzt dieses Gefälle, um gezielt Stimmung gegen einzelne Gruppen zu machen. Das wird Thüringen nun noch härter als 2014 erleben müssen. Der Wahlkampf wird dreckig - und er wird Thüringen spalten.

Michael Kretschmer macht Hoffnung

Doch noch gibt es einen Rest Hoffnung auf gesellschaftlichen Zusammenhalt. Der sächsische CDU-Ministerpräsident Michael Kretschmer hat gezeigt, dass ein engagierter Wahlkampf, auf Augenhöhe mit den Wählern, die Menschen überzeugen und zusammenführen kann. Thüringen darf also noch hoffen.

Gegen den Trend in Bund und Ländern führte Kretschmer die CDU aus dem Umfragetief (24 Prozent) heraus und hievte sie auf respektable 32 Prozent. Das Konzept Volkspartei ist so schwach wie nie - aber noch lebt es. Und die Thüringer können es beweisen.