Riverboat (MDR): Zuschauer wittern Verschwörung – Jörg Kachelmann mit deutlicher Ansage

Direkt nach der ersten Riverboat-Sendung nach der Sommerpause kam es zum Eklat. Moderator Jörg Kachelmann sah sich zu einer Richtigstellung genötigt.
Direkt nach der ersten Riverboat-Sendung nach der Sommerpause kam es zum Eklat. Moderator Jörg Kachelmann sah sich zu einer Richtigstellung genötigt.
Foto: imago images / STAR-MEDIA

Das Riverboat (MDR) kehrt zurück und das gleich zu Anfang mit einem richtigen Aufreger: Ausgerechnet der kritische Beitrag des letzten DDR-Innenministers über die Spaltung von Ost und West hat in der Aufzeichnung gefehlt. Zumindest vorerst.

Die Zuschauer sind erbost und laufen auf Twitter und Facebook Sturm. Doch Riverboat-Moderator Jörg Kachelmann lässt die „Verschwörungstheoretiker“ eiskalt auflaufen.

Riverboat: Zensur-Vorwurf beim MDR – Kritischer Beitrag offline

„Da wollte ich mir den letzten DDR-Innenminister Diestel in der Mediathek der Sendung Riverboot ansehen und muss feststellen, dass seine Fragerunde rausgeschnitten wurde. Was ist da passiert?“, fragt ein User auf Twitter und lässt damit die Gerüchteküche brodeln.

„Wenn der MDR jetzt auch schon kritische Kommentare verbannt dann ist das ein Skandal und traurig zugleich.“, schreibt ein anderer auf Facebook. „Kein Skandal, sonder der traurige Normalfall. Meinungsfreiheit in unseren Staatsmedien? Seit Pegida vorbei“, antwortet ihm Harry S.

„Wir haben einen Staatsfunk der Meinungsfreiheit nicht zulässt“, heißt es an anderer Stelle weiter. Auch Günther H. stinkt das zum Himmel: „Wie bei Fb,es wird keine Kritik zugelassen! Ist mir beim MDR auch schon passiert,überall ZENSUR!!!!!“, schreibt er in seinem Kommentar.

Ex-DDR-Minister Peter-Michael Diestel kritisiert Politik und Ost-Klischees

Aber was war passiert?

Geladen waren zum Riverboat am Freitag Gäste wie André Rieu, Stefan Effenberg, Giovanni Zarrella und eben Dr. Peter-Michael Diestel – dem letzten Innenminister der DDR und heutigem Anwalt und Vollblut-CDUler.

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Riverboat im MDR: Das waren die Gäste

  • André Rieu (Musiker)
  • Kai Pflaume (Moderator)
  • Elisabeth Lanz (Schauspielerin)
  • Dr. Peter-Michael Diestel (der letzte DDR-Innenminister und Anwalt)
  • Stefan Effenberg (Ex-Nationalspieler)
  • Giovanni Zarrella (Schlagersänger)
  • Dr. Dr. Sabine Merz (Direktorin des Zoo Erfurt)

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In der Sendung von Freitag nahm Diestel kaum ein Blatt vor dem Mund. Auch nicht gegenüber der eigenen Parteigenossen und dem politischen Umgang mit Ostdeutschen.

Diestel: AKK hat nie einen Schuss gehört

So äußerte Diestel seinen Unmut darüber, dass manche Politiker Posten übernehmen, obwohl sie davon keinerlei Ahnung haben würden. Über Merkels potentielle Nachfolgerin Annegret Kramp-Karrenbauer sagt er etwa: „Ich weiß nur, dass sie jetzt wohl Bundesverteidigungsministerin ist und genauso viel militärische Erfahrung hat wie ihre drei, vier Vorgänger – also gar keine“. Im Studio bricht Gelächter aus.

„Das Schlimmste ist: Die Menschen sehen das. Die Menschen wissen, dass Frau Kramp-Karrenbauer – möglicherweise eine integere, kluge, feine Frau, womöglich nie einen Schuss gehört hat“, verdeutlich Diestel das Problem.

In Punkto Ost-West-Deutschland wird er noch deutlicher. Denn der Ex-DDR-Minister stört sich enorm an der Unterrepräsentiertheit von Ostdeutschen in Ministerien, in Lehrstühlen, in der deutschen Justiz. „Das geht so nicht, das ist verfassungswidrig“, ist sich der Anwalt sicher.

Diestel über Ost und West: Idioten sind gerecht verteilt

Moderator Jörg Kachelmann wirft die Ostquote in den Raum – von der aber hält Diestel so gar nichts. „Der liebe Gott hat einen Spaß gemacht. Er hat die Idioten gleichmäßig verteilt. In Ost und West. Im Westen gibt es mehr, aber da leben ja auch mehr Menschen“, so bringt Diestel das Studio erneut zum Raunen.

Demnach sollte es selbstverständlich sein, dass Ostdeutsche proportional eben die Ämter und Positionen innehaben wie Westdeutsche. Eine Ostquote sei nicht nötig, man bräuchte den Ostdeutschen nur mal zuhören, so Diestel.

„Sie sind keine Nazis. Nur unzufrieden"

Da läge eben der Hase begraben. 15 Millionen Ostdeutsche fänden sich in der Bundesrepublik einfach nicht wieder. „Jetzt sind es diese vielen verirrten Menschen, die zur AfD gehen“ 1990 habe Sachsen noch besonders bürgerlich gewählt. „Sie sind keine Nazis geworden. Sie sind nur unzufrieden. Und wir, die großen Parteien, müssen jetzt nachdenklich werden“, fordert der Ex-DDR-Minister. Die Politik müsse wieder überzeugen und vor allem mit den Menschen reden.

+++ Länderspiegel (ZDF) über Thüringen – Passant schimpft: „Gera ist beschissen!“ +++

Peter Michael-Diestel, der selbst in der DDR aufgewachsen ist, beschwert sich: „Es wird heute vermittelt, dass wir auf einem großen Misthaufen groß geworden sind und nur durch Stacheldraht und Gefängnisgitter geguckt haben. Das ist nicht so!“, stellt er klar. „Wir haben auch gelacht. Wir haben getanzt. Wir haben Blödsinn gemacht. Wir haben Kinder gezeugt – das ist für mich die DDR eben auch gewesen“, verteidigt Diestel seine Vergangenheit.

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Kritik im Riverboat – Hat der MDR zensiert?

Waren die Worte des ehemaligen Innenministers der DDR zu deutlich für das öffentlich-rechtliche Fernsehen? Hat der MDR wirklich zensiert? Nein!, lautet die klare Antwort von Riverboad-Moderator Jörg Kachelmann, der sogleich gegen den Zensur-Vorwurf wettert.

„Sind die Verschörungstheretiker schon überall?“, fragt Kachelmann auf Twitter und erklärt: Es war ein technisches Versehen. Die Sendung würde demnach per Hand und nicht automatisch in die Mediathek gestellt. „Die damit betraute Person hat das zum ersten Mal gemacht.“, heißt es weiter.

Diestel-Beitrag jetzt in der Mediathek

Am Sonntagmittag gegen 13 Uhr war die Sendung dann auch online komplett verfügbar. „Das technische Problem ist behoben, auch das Gespräch mit Dr. Diestel ist in der Mediathek,, die Verschwörungstheoretiker können sich anderen Themen zuwenden“, antwortet Kachelmann den Nutzern über seinen Facebook-Kanal. Ob diese Reaktion genügt, wird sich erst noch zeigen. >> Hier geht es zur kompletten Folge.

Am kommenden Freitag (13. September) läuft bereits die nächste Folge Riverboat. Auch ihr sorgt eine Kleinigkeit für Verwirrung (>> hier mehr dazu).