Baby mit Fehlbildungen – Mutter: „Niemand hat gesehen, dass Hanna eine Hand fehlt“

Die kleine Hanna aus Gotha wurde 2015 geboren. Auch ihr fehlt eine Hand.
Die kleine Hanna aus Gotha wurde 2015 geboren. Auch ihr fehlt eine Hand.
Foto: Privat

Gotha. Babys, die mit fehlgebildeten Händen zur Welt kommen – ein Thema das deutschlandweit gerade für Schlagzeilen sorgt. Jetzt hat sich eine weitere Mutter aus Thüringen gemeldet. Es ist bereits der dritte Fall, der alleine im Freistaat bekannt wurde.

Baby ohne Hand geboren – der dritte Fall in Thüringen

„Meine Schwangerschaft verlief gut, niemand hat gesehen, dass Hanna eine Hand fehlt“, erzählt uns die junge Mutter aus Gotha. Erst als die kleine Hanna am 16. Juli 2015 in Thüringen das Licht der Welt erblickte, kam auch die Fehlbildung des Babys ans Licht.

„Man sagte uns, dass es eine Peromelie der rechten Hand sei“ – eine Form der Fehlbildung wie ein amputationsartiger Stumpf also.

Kinder mit Missbildungen – mögliche Ursachen

Solche Fehlbildungen können einerseits genetisch veranlagt, durch Infektionen, Sauerstoffmangel oder etwa Mangelernährung hervorgerufen werden. Aber auch Medikamente können die Ursache sein. Das wohl bekannteste Beispiel für derartige medikamentöse Nebenwirkungen zeigte sich in den 60er Jahren, als damals der Contergan-Skandal aufgedeckt wurde. Weltweit kamen rund 10.000 conterganggeschädigte Kinder mit schweren Missbildungen zur Welt.

Keine Hilfe für Hannas Familie

Die junge Familie aus Gotha wurde nach dieser Diagnose mit ihrem Baby in ein Krankenhaus nach Erfurt überwiesen. Dort aber habe man ihr nicht wirklich weiterhelfen können, so Lisa.

Als Hanna dann ein Jahr alt war, kam sie zur Untersuchung nach Hamburg in ein Katholisches Krankenhaus. „Dort sagte man uns, dass es das Poland-Syndrom ist mit einer Peromelie.“ Das Poland-Syndrom bezeichnet eine Fehlbildung an der Brustdrüse und großem Brustmuskel, das einhergehen kann mit Finger- und Armfehlbildungen.

In Hamburg wurde die Familie dann zunächst vertröstet. „Wir sollten uns nochmal dort vorstellen, wenn Hanna fünf Jahre alt ist“, erzählt Lisa unserer Redaktion – Hanna ist jetzt vier.

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Fehlgebildetes Baby aus Gotha: Faktor Umwelt?

Eine weitere Untersuchung in Magdeburg konnte auch keine eindeutige Ursache feststellen. „Ein Gentest zeigte auch nicht Auffälliges“, so Lisa.

Die Eltern wussten einfach nicht mehr weiter. Doch dann stieß Lisa auf einen Bericht. Dort habe sie gelesen, dass zwischen 2014 und 2015 in Frankreich 15 Kinder mit dieser „Krankheit“ geboren wurden. Das einzige, was die Familien eint, war, dass sie in der Nähe von Feldern gewohnt haben sollen, so Hannas Mutter.

Seither stelle sie sich die Frage, ob vielleicht etwas aus der Umwelt Einfluss auf die Entwicklung ihres Kindes genommen hat. „Ich war in der Schwangerschaft oft mit auf dem Traktor. Ihr Vater ist Landwirt“.

Familie aus Gotha hat Hoffnung

Lisa hofft nun sehr, dass man mehr darüber herausfindet. Denn bisher hieß es von betroffenen Kliniken, dass keine ethnischen, kulturellen oder sozialen Gemeinsamkeiten der Herkunftsfamilien zu sehen seien.

Mit Blick auf das schwere Los, das diese junge Familie aus Gotha gezogen hat, versichert Lisa: „Trotz allem: Meine Tochter kommt mit diesen Handicap sehr gut zurecht und macht alles, was Kinder ohne Handicap auch machen.“

Hand-Fehlbildungen in Deutschland: immer mehr Fälle bekannt

Die erste Meldung über eine auffällige Anzahl an Neugeborenen mit fehlgebildeten Händen, erstattete diese Woche eine Klinik in Nordrhein-Westfahlen. Dort sind zwischen Juni 2019 und Anfang September 2019 drei Kinder mit einer einseitigen Handfehlbildung geboren worden.

Kurz darauf meldeten sich auch zwei Familien aus Thüringen, die ebenfalls betroffen sind. Hier >> zum vollständigen Bericht.