Kulturhauptstadt Europa: Mit DIESER Stadt will Thüringen den Titel holen

Kulturhauptstadt Europa – dieses Jahr könnte der Titel nach Thüringen gehen.
Kulturhauptstadt Europa – dieses Jahr könnte der Titel nach Thüringen gehen.
Foto: Imago Images/Imagebroker

Wie jedes Jahr werden jetzt wieder zwei europäische Städte zur Kulturhauptstadt. Sie zeigen den Reichtum und die Vielfalt der Kulturen, werden für ihre Bewohner und Touristen attraktiver. An der nächsten Runde beteiligen sich gleich fünf Ost-Städte – und auch Thüringen geht ins Rennen.

Die genauen Konzepte und Visionen werden streng gehütet, im Wettbewerb um die Kulturhauptstadt Europas geht es um viel.

Kulturhauptstadt Europa: Thüringen schickt Stadt ins Rennen

Für den Titel im Jahr 2025 bewerben sich acht deutsche Städte, davon fünf in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, plus Hannover, Nürnberg und Hildesheim. Nur eine Stadt wird den Titel am Ende tragen, zusammen mit einer Stadt in Slowenien. Magdeburg hat am Donnerstag sein Geheimnis gelüftet. Als Stadt des Vakuums will die sachsen-anhaltische Landeshauptstadt den von der Europäischen Kommission unterstützten Kulturausschuss überzeugen. Wie sieht es bei den anderen Bewerberstädten aus?

Magdeburg will den Titel Kulturhauptstadt Europa

Magdeburg lässt sich von den Experimenten des Naturwissenschaftlers Otto von Guericke (1602-1686) inspirieren. Er schuf etwa die „Magdeburger Halbkugeln“ und erzeugte ein Vakuum. Bauliche Lücken und Leerstellen - und die Chancen, sie zu füllen - sollen nun bei der Bewerbung als „Stadt des Vakuums“ helfen. „Wir wollen als Stadt perfekter werden“, sagte Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD). „Out of the Void - Raus aus der Leere“ ist das 60-seitige Bewerbungsbuch der Stadt überschrieben. Es sollen etwa mehr Möglichkeiten für Kultur in der Stadt geschaffen werden, öffentliche Räume belebt werden. Stadtteilprojekte sollen für mehr gesellschaftlichen Zusammenhalt sorgen. Magdeburg will so auch sein Image verbessern.

Sachsen liefert mit gleich drei Bewerberstädten das zahlenmäßig stärkste Feld. Die Landeshauptstadt Dresden, Chemnitz und Zittau hoffen gleich drei Städte auf den nächsten Schritt - und den Titel. „Trotz unterschiedlicher Konzepte präsentieren sie alle die kulturelle Vielfalt und den Reichtum, ja auch die Verankerung des europäischen Gedankens in ganz Sachsen“, sagt Kunstministerin Eva-Maria Stange (SPD). „Ich hoffe sehr, dass es mindestens eine oder auch mehrere der sächsischen Bewerber auf die short list schafft.“ Sicher ist, dass der Freistaat eine Europäische Kulturhauptstadt 2025 in Sachsen mit bis zu 20 Millionen Euro unterstützen wird.

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Dresden, Zittau, Chemnitz – drei Bewerber aus Sachsen

Dresden will unter dem Motto „Neue Heimat Dresden“ viel mehr Menschen als bisher am Kulturmachen und -erleben beteiligen, der Digitalisierung neue Formate erschließen, die internationale Vernetzung und den Austausch zwischen Stadt und Land, Zentrum und Stadtteilen verstärken. Der Titel Europäische Kulturhauptstadt verpflichte zu weitaus mehr, „als nur zu zeigen, was man bereits hat“, sagt Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP). Angesichts des Risses, der durch Europa gehe, sei die Bewerbung „eine Einladung an alle Menschen, eine "Neue Heimat" positiv mitzugestalten“.

Zittau in Ostsachsen setzt unter dem Motto „365°Leben“ auf die Verbindung zwischen Menschen, Kommunen und Organisationen aus verschiedenen Nationen in der Region „als wichtige Nahtstellen für die EU“. Die Akteure haben das Bewerbungsbuch mit Geschichten über das Leben im ländlichen Raum, abseits der Metropolen und großer gesellschaftlicher Bühnen gespickt: anhand einer typischen, durch historische Brüche, Abwanderungsschmerz und neuen Mut getragenen Familie aus der Dreiländerregion. „Wir können mit unserer Bewerbung zeigen, dass ein vereintes Europa nicht einfach nur Vorteile hat, sondern Lebensgrundlage für ganze Landstriche ist.“

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Chemnitz, dessen Image seit den rechten Aufmärschen und fremdenfeindlichen Übergriffen nach der tödlichen Messerattacke auf einen Deutschen Ende August 2018 angeschlagen ist, stellt die Widersprüche seiner Geschichte in den Mittelpunkt: Umbrüche, Identitätssuche, den Wandel zur Stadt der Industriekultur. „Wir haben keine Angst vor Neuem, sondern sind, manchmal zwangsläufig, Experimentierfeld. Und gerade jetzt geht es um Identität, Zugehörigkeit und Umgang mit Veränderung“, sagte Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD). Das Konzept sieht vor, dass die Bürger selbst Projekte entwickeln. Auf der Homepage sind 25 Gründe aufgelistet, warum die Stadt eine gute Wahl ist - vom welthöchsten Kunstwerk bis zum „großartigsten Freundeskreis“.

Gera bewirbt sich zur Kulturhauptstadt

Thüringen geht mit einer Stadt ins Rennen: Gera. Die schrumpfende Stadt, deren Bewohner immer älter werden - dem wollen die Initiatoren mit einer Bewerbung als Kulturhauptstadt etwas entgegensetzen. „Die Zukunft der Jugend in Gera ist ein großes Thema der Bewerbung“, sagte Thomas Kiemle aus dem Organisationsteam.

Bei einem „Langen Tisch“ kamen demnach vergangene Woche Jugendvertreter zusammen, um darüber zu beraten, wie junge Menschen von einer Bewerbung der ostthüringischen Kommune zur Kulturhauptstadt profitieren könnten - und was sie einbringen könnten. Die Motivation für die Bewerbung kam von einer Gruppe junger Einwohner, die sich zur Initiative zusammengeschlossen haben.

Kulturhauptstadt Europas dürfen sich zwei Städte pro Jahr in Europa nennen. Die Kommission der Europäischen Union verleiht den Titel nach einem Wettbewerb. Für 2025 soll der Titel an eine Stadt in Deutschland und eine in Slowenien gehen. Die finale Auswahl ist für das kommende Jahr geplant. (dpa, aj)