Kitas in Thüringen: Neue Studie zeigt Erschreckendes

In Kitas in Thüringen herrscht Personalmangel - laut einer Studie ist das hochproblematisch.
In Kitas in Thüringen herrscht Personalmangel - laut einer Studie ist das hochproblematisch.
Foto: Monika Skolimowska / dpa

Thüringen. Kitas in Thüringen und ganz Deutschland wurden wieder unter die Lupe genommen. Eine Studie offenbart Erschreckendes. Besonders der Osten leide demnach unter einem großen Problem.

Für eine kindgerechte Betreuung werden nach Einschätzung der Bertelsmann Stiftung in Thüringen Tausende zusätzliche Erzieher gebraucht. Von dem Personalschlüssel, den die Stiftung fordert, ist aber nicht nur der Freistaat weit entfernt.

Kitas in Thüringen leiden unter Personalnot

Nach einer Berechnung der Bertelsmann Stiftung sind in Thüringen in den nächsten Jahren 9100 zusätzliche Erzieher in den Kitas und Krippen nötig. Zwar sei das Personal in den Kitas zwischen 2008 und 2018 um fast 50 Prozent gestiegen, jedoch sei auch die Zahl der Kita-Kinder von 77.779 auf 93.581 nach oben gegangen, wie die Bertelsmann Stiftung am Donnerstag mitteilte.

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Rechnerisch musste sich Anfang März vergangenen Jahres im Schnitt eine Fachkraft um 5,5 ganztagsbetreute Kinder in Krippengruppen kümmern. Damit habe sich die Personalsituation gegenüber dem Jahr 2013 kaum verändert, als rechnerisch noch 5,4 Kinder auf eine Fachkraft kamen.

In Kindergartengruppen habe sich die Situation sogar verschlechtert. Demnach musste sich eine Fachkraft im Jahr 2013 rechnerisch um 11,2 Kinder kümmern, im vergangenen Jahr lag der Wert bei 11,6. Für eine kindgerechte Betreuung empfiehlt die Bertelsmann Stiftung, dass in Krippengruppen maximal drei und in Kindergartengruppen 7,5 Kinder auf eine pädagogische Fachkraft kommen.

Kitas in Thüringen im Ländervergleich

Im Ländervergleich steht Baden-Württemberg beim Personalschlüssel am besten da, gefolgt von Niedersachsen, Hamburg, Schleswig-Holstein, Bremen und Bayern. Thüringen schneidet bei Kindern über drei Jahren besser als Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern, jedoch schlechter als Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Berlin ab. Bei Kindern unter drei steht der Freistaat unter den ostdeutschen Bundesländern am besten da.

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Kritik an Bertelsmann-Studie

Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) kritisierte die Studie. Sie ignoriere unter anderem, dass in Thüringen 96 Prozent der Kinder in den Kindergarten gingen und bis zu zehn Stunden betreut würden. Auch die Quote bei der Ganztagsbetreuung sei hoch. „Der Osten Deutschlands hat bei der frühkindlichen Bildung einen klaren Qualitätsvorsprung, Bertelsmann blendet das aber einfach aus“, erklärte Holter. Außerdem monierte er, dass die Daten veraltet seien.

GEW: Mehr Erzieher müssen her

Die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Thüringen wies darauf hin, dass die jüngsten Verbesserungen beim Personalschlüssel in der Studie nicht berücksichtigt wurden. Thüringens GEW-Vorsitzende Kathrin Vitzthum machte klar, dass für eine Verbesserung der Betreuung in den Kitas auch mehr Erzieher ausgebildet werden müssten.

„Es müssen deutlich mehr junge Menschen dafür gewonnen werden, die Erzieherinnenausbildung zu beginnen“, erklärte Vitzthum. Das Thüringer Bildungsministerium geht davon aus, dass in den nächsten Jahren fast ein Viertel der Erzieher in Thüringen in Rente geht. (dpa ,aj)