Thüringen: Nach Vergewaltigunsvorwürfen – immer häufiger Beschwerden gegen Polizisten

Immer öfter kommt Kritik an der Polizeiarbeit in Thüringen auf.
Immer öfter kommt Kritik an der Polizeiarbeit in Thüringen auf.
Foto: imago images / Karina Hessland

Erfurt. Schwere Vorwürfe gegen zwei Polizisten in Thüringen: Zwei Beamte sollen bei einer Wohnungsdurchsuchung eine junge Frau missbraucht und vergewaltigt haben (hier mehr dazu).

Das Verhalten von Polizisten sorgt in Thüringen offensichtlich häufiger für Kritik. Im ersten Halbjahr sind 94 Beschwerden bei der Polizeivertrauensstelle des Innenministeriums eingegangen. Das waren elf mehr als im gleichen Zeitraum 2018, wie Leiterin Meike Herz auf Anfrage mitteilte.

Kritik gab es etwa an langen Bearbeitungszeiten, der Verletzung von Dienstgeheimnissen und dem Auftreten gegenüber Geschädigten in Not.

Thüringen: Polizei stark in der Kritik

„Der Großteil der Polizisten macht eine gute Arbeit“, betonte Herz. Häufig werde von den Bürgern aber mehr Sensibilität angemahnt, etwa beim Überbringen von Unfall- und Todesnachrichten an Angehörige.

Auch gebe es ein Bedürfnis, dass Polizeiarbeit besser erklärt werde, zum Beispiel der Anlass für eine Kontrolle.

Herz: „Sehr häufig ist es eine Frage der Kommunikation.“ Auffallend sei, dass sich Beschwerden gerade bei Dienststellen häuften, die personell dünn besetzt seien. Hier seien die Beamten offensichtlich häufiger überlastet, was sich negativ auf ihre Arbeit auswirke.

Bürger sind sensibler geworden

Als Gründe für den Anstieg der Beschwerden vermutet Herz zum einen die wachsende Bekanntheit der Vertrauensstelle, aber auch einen gesellschaftlichen Wandel hin zu einer kritischeren Begleitung von Polizeiarbeit.

Häufig seien die Hilfesuchenenden der Polizei gegenüber aber freundlich eingestellt. Im Vordergrund stünden für sie meist weniger Konsequenzen im konkreten Fall, sondern Verbesserungen in der künftigen Polizeiarbeit.

_________________________

Mehr zum Thema:

Mehr Themen aus Thüringen:

_________________________

In fünf Fällen musste in den eigenen Reihen ermittelt werden

Zahlreiche Beschwerden haben sich den Angaben zufolge nach einer Prüfung als unbegründet herausgestellt. In fünf Fällen habe sich die Kritik der Bürger aber als so gravierend erwiesen, dass von den zuständigen Polizeibehörden sogar strafrechtliche Ermittlungen gegen Polizisten eingeleitet wurden.

Damit ist die Zahl seit Einrichtung der Vertrauensstelle Ende 2017 auf 22 gestiegen. Dabei gehe es etwa um Vorwürfe der Strafvereitelung, Verstöße gegen den Datenschutz oder den Verdacht auf Verletzung von Dienstgeheimnissen, erläuterte Herz.

Hier können Bürger Beschwerde einreichen

Bürger können sich mit ihren Beschwerden per Telefon, E-Mail, Brief oder im persönlichen Gespräch an das Büro wenden, wo die Anliegen geprüft werden.

Darüber hinaus können Beschwerden auch direkt an das Ministerium, die Landespolizeidirektion und die Landespolizeiinspektionen gerichtet werden. (dpa/mb)