Landtagswahl Thüringen: Umfrage zu AfD zeigt überraschendes Bild

Landtagswahl Thüringen: Eine aktuelle Studie zeigt ein klares Bild zur Wählerschaft der AfD. (Symbolbild)
Landtagswahl Thüringen: Eine aktuelle Studie zeigt ein klares Bild zur Wählerschaft der AfD. (Symbolbild)
Foto: imago images / ZUMA Press

Thüringen. Am 27. Oktober wählt Thüringen den neuen Landtag. Das Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft (IDZ) hat die Ergebnisse einer repräsentativen Befragung zu der politischen Richtung veröffentlicht, die Thüringen bei der Landtagswahl Thüringen voraussichtlich nehmen wird.

Die Wahlerfolge der AfD hatten bereits in anderen Ländern, wie zuletzt in Brandenburg und Sachsen, für einen Aufschrei gesorgt. Denn in beiden Ländern erreichte die AfD am ersten September über 23 Prozent der Stimmen.

Das IDZ hat deshalb unter dem Thema der Landtagswahl Thüringen rund 500 Personen unter anderem hinsichtlich ihrer Wahlabsicht und ihrer Einschätzung der rechtspopulistischen Partei befragt.

Landtagswahl Thüringen: Meinung über AfD unerwartet

29 Prozent der Befragten sehen in der AfD „eine normale demokratische Partei“. Gut 70 Prozent finden, dass die Partei etwas oder viel zu rechts ist. Und fast jeder Vierte ist der Meinung, die AfD stehe in der Rechts-Links-Skala „genau richtig“.

+++ Björn Höcke (AfD): Nach Eklat um Herbert Grönemeyer droht neuer Ärger – Grund ist dieses Bild +++

Unter den Thüringer Befragten, die angaben, vermutlich die AfD zu wählen, meinen 29 Prozent, dass die Partei zu weit rechts steht. Die übrigen 71 Prozent bewerten die Partei unter Björn Höcke als „genau richtig“.

Studie widerspricht Trend

Der Direktor des IDZ, Dr. Matthias Quent, sagt dazu, die Ergebnisse widersprächen der gängigen Protestwahlthese. Denn: „Mehr als zwei Drittel der AfD-Wähler stehen politisch hinter dem rechtsradikalen Thüringer Landesverband und wollen nicht nur den anderen Parteien einen Denkzettel verpassen.“

Dr. Axel Salheiser, der die Studie leitete, macht deutlich: „Trotz einer besorgniserregenden Normalisierung der AfD und ihrer voraussichtlich hohen Stimmenanteile wird diese Partei von den Befragten mehrheitlich kritisch eingeschätzt; sie erteilen auch Koalitionsverhandlungen mit der AfD eine Absage. (...) 60 Prozent der potenziellen CDU-Wähler geben an, dass sie nicht mehr CDU wählen würden, wenn diese in Thüringen eine Regierungskoalition mit der AfD einginge.“

-------------------------------------

Mehr News:

-------------------------------------

AfD profitiert von langfristigen Missständen

Eine empirische Analyse des IDW zu den Thüringer Kreistagswahlen 2019 versucht, die Zusammenhänge und Beweggründe für die Stimmvergabe an die AfD herauszufinden. Demnach haben Faktoren wie die Arbeitslosenquote oder Einkommen keinen entscheidenden Einfluss auf die Wahlerfolge.

Vielmehr erklärt sich der Erfolg der rechtspopulistischen Partei durch langfristige Zustände in den Regionen, in denen sich die AfD über eine lange Zeit normalisieren konnte. Dort haben sich nämlich Teile der Bevölkerung vom demokratischen System abgegrenzt.

-------------------------------------

Die Wahlergebnisse der AfD:

  • Bundestagswahlen 2013: 4,7 Prozent
  • Bundestagswahlen 2017: 12,6 Prozent
  • Landtagswahlen in Thüringen 2014: 10,6 Prozent
  • Kreistagswahlen in Thüringen 2019: 17,7 Prozent
  • Europawahlen 2019: 11 Prozent

-------------------------------------

Der Studienautor, Christoph Richter, macht deutlich, dass der Wahlerfolg der AfD nicht bedeutend auf die Flüchtlingskrise der letzten Jahre zurückzuführen ist. Er sagt: „In Gemeinden, wo 2014 noch die NPD stark war, erzielte die AfD 2019 besonders hohe Stimmenanteile.“

Versprochenes Wahlprogramm nicht immer über Wahl hinaus geltend

Dass sich die Wähler gut überlegen sollten, welcher Partei sie letztendlich ihre Stimme geben, stellt Sandro Witt dar.

+++ Landtagswahl Thüringen: AfD-Politiker fallen Attacken zum Opfer +++

Der stellvertretende Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes in Hessen-Thüringen warnt: „Anders als öffentlich immer durch die Partei behauptet, hat dieses Wahlprogramm für Arbeiter überhaupt nichts zu bieten. Arbeiter, die diese Partei wählen, wählen deutlich gegen die eigenen Interessen.“

„Der AfD gelingt es erstaunlicherweise, Standpunkte öffentlich zu formulieren, die aber im Wahlprogramm überhaupt keine Rolle spielen. In einem Wort formuliert ist das übrigens Wählertäuschung.“ (nk)